Die Schulsuspendierungen in Österreich

Vor wenigen Tagen fiel meinem Sohnemann ein fehler auf der Titelseite der lokalen Tageszeitung auf. Dabei ging es um die Schulsuspendierungen in Österreich, eigentlich in Vorarlberg.

Ich wurde neugierig und habe bei einer parlamentarischen Anfrage Daten dazu gefunden – und zwar zu (mehr oder weniger) GANZ Österreich und da gibt es doch sehr interessante Details:

Überblick

Im Schnitt aller Bundesländer sieht das wie oben aus. Bei WEITEM am meisten Suspendierungen pro 1.000 SchülerInnen gab es an den Sonderschulen. So wurde dort laut den Daten im Schuljahr 2022/23 15,3 von 1.000 – das entspricht eine(r) von 65 SchülerInnen – suspendiert. Im Schnitt der letzten Jahre kamen die Sonderschulen immerhin noch auf 8,6 Suspendierungen pro 1.000 SchülerInnen. Nicht einmal ein Drittel an Suspendierungen gab es im österreichweiten Vergleich an den Polytechnischen Schulen und Mittelschulen. An den Volksschulen war es im Schnitt etwa eine(r) von 2.000 SchülerInnen, alle anderen Schultypen liegen noch einmal mindestens um das Doppelte niedriger.

Wichtige Randbemerkung: Für Niederösterreich gibt es KEINE Zahlen zu den einzelnen Schultypen. Und aus Tirol (bis 2018/19) und Salzburg (bis 2019/20) fehlen die Daten einzelner Schuljahre ebenfalls komplett.

Zum Glück gibt es für NÖ Gesamtdaten ab 2017/18 – daher sind die Daten hier aussagekräftig:

Das hier sind die Daten für die einzelnen Bundesländer. Und ab jetzt beginnt es interessant zu werden. Da gibt es nämlich RIESIGE Unterschiede! Während in Wien, Vorarlberg und Oberösterreich zwischen 13 und 15 SchülerInnen von 10.000 suspendiert wurden und es in Kärnten mit 12 von 10.000 ebenfalls noch deutlich mehr waren als im österreichweiten Schnitt (8 von 10.000), gibt es andere Bundesländer mit sehr wenigen Suspendierungen: In der Steiermark etwa betrug der Anteil an Suspendierungen nicht einmal ein Schstel der Zahlen aus Wien. Aber auch das Burgenland, NÖ, Salzburg und Tirol haben nicht einmal die Hälfte der Suspendierungen der weiter oben genannten Bundesländer!

Die Schularten mit den meisten Suspendierungen

Schauen wir uns noch an, wie sich die Zahlen in den Schularten, die am meisten Suspendierungen aussprechen, auf die einzelnen Bundesländer verteilen:

An den Sonderschulen gibt es in Oberösterrreich die meisten Suspendierungen. Der Spitzenwert stammt aus dem Schuljahr 2018/19 mit fast 39 Supendierungen pro 1.000 Schülerinnen – das entspricht in etwa jeder 26. dort unterrichteten Person! Auch Wien und das Burgenland weisen sehr hohe Werte auf, Vorarlberg liegt bereits knapp unter dem Bundesschnitt. Am wenigsten suspendiert wird in den Sonderschulen Tirols und der Steiermark – dort liegen die Mittelwerte ca. 8 Mal niedriger als in OÖ.

An den Polytechnischen Schulen liegt Vorarlberg ganz vorne mit im Schnitt 5,1 Suspendierungen pro 1.000 SchülerInnen. Auch Wien, das Burgenland, Tirol und OÖ liegen über dem Bundesschnitt. Kaum Suspendierungen an dem PTS gab es in Salzburg.

In allen Presseartikeln, die ich gefunden habe, hieß es, dass am meisten Suspendierungen an den Mittelschulen ausgesprochen werden. Das stimmt jedoch nur bei den absoluten Zahlen. Wenn wir die Zahlen in Relation zu den Schülerzahlen stellen, sieht das anders aus und die Mittelschulen liegen an dritter Stelle. Bei weitem am meisten Suspendierungen gibt es in dieser Schulform in Wien – dort übertrifft der Spitzenwert auch den höchsten Bundesländerwert aller PTS. In Kärnten, OÖ und Vorarlberg liegen die Werte auch über dem Bundesschnitt von 2,4 pro 1.000 SchülerInnen. Sehr wenig suspendiert wird in den steirischen Mittelschulen (mindestens 8 Mal weniger als in Wien).

In den Volksschulen liegen die Zahlen im Schnitt aller Bundesländer (ohne NÖ) etwa fünf Mal niedriger als an den Mittelschulen und siebzehln Mal niedriger als an den Sonderschulen. Am meisten supsndiert wird in Vorarlberg – mehr als 1 von 1.000 Schulkindern wird dort zeitweise vom Unterricht an den Schulen ausgeschlossen. Auch in Kärnten, Wien und OÖ liegen die Zahlen über dem Bundesschnitt von 0,5 pro 1.000 SchülerInnen. In der Steiermark werden ungefähr ein Zehntel der Suspendierungen Vorarlbergs ausgesprochen.

FAZIT

NEIN, es sind nicht die Mittelschulen, in denen „die meisten SchülerInnen suspendiert werden“. Vor allem an den Sonderschulen und auch an den Polytechnischen Schulen sind es mehr – wenn wir berücksichtigen, wie groß die Schülerzahlen an den einzelnen Schultypen sind.

Was auffällt, ist die Tatsache, dass in Wien, Vorarlberg, Oberösterreich und Kärnten diese Maßnahme DEUTLICH öfter gesetzt wird als in den anderen Bundesländern. Diese Bundesländer haben weder bei der Regierungszusammensetzung, noch bei der Zahl der unehelich geborenen Kinder noch beim Anteil der Menschen mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft auffallende Gemeinsamkeiten. Es muss also andere Gründe dafür geben, dass dort um ein Vielfaches mehr suspendiert wird an den Schulen als im Rest von Österreich…