Nachtrag zu „Das Ländle und der Tod“

Ich habe heute die Zeit genutzt und mir die Daten zu den Todesfällen in Vorarlberg noch einmal genauer angesehen. Da sist also quasi ein Update zum zweiten Teil von dieser Geschichte hier.

Vorne weg eine Grafik generell zu den Todesfällen: in Vorarlberg starben im Schnitt der 5 Jahre von 2015 bis 2019 0,78% aller EinwohnerInnen – das ist etwa eine von 128 Personen. Im Jahr 2020 waren es 0,85%, im Jahr 2021 dann 0,84% – also eine Steigerung (absolut gesehen) von 0,07% bzw. 0,08%. Relativ gesehen ist der Anstieg damit bei etwa 7,9% bzw. 9%.
Das soll auch als Beispiel dafür dienen, was der Unterschied zwischen „relativ“ und „absolut „ist.

Die Altersgruppen

Ein bisschen Recherche half und nun kann ich die Zahlen von 2020 und 2021 (dieses mal kombiniert zu einem Zweijahres-Schnitt während der Pandemie) mit denen vom 5-Jahres-Schnitt vor der Pandemie, also die Jahr 2015 bis 2019, vergleichen.

Wir sehen, dass bei der jungen Bevölkerung die Zahlen grundsätzlich zurück gingen, ab 55 sind sie gestiegen. Allerdings stechen mehrere Tatsachen hervor:

  • Den stärksten Anstieg gab es bei den 15-19-Jährigen, wo es fast ein Drittel mehr Todesfälle gab als in den 5 Jahren vor der Pandemie!
  • Den stärksten Rückgang gab es bei den Kleinkindern von 1 bis 4 Jahren mit fast 50% weniger Todesfällen.
  • Auffallender finde ich den Rückgang bei den 20-24-Jährigen um 37,5%.
  • Das sind alles Werte, die sich auch nicht durch einen starken Unterschied bei den Zahlen der einzelnen Jahrgänge erklären lassen.

Hier noch der Unterschied der beiden jahre einzeln zum Fünfjahresschnitt. Wir sehen dabei, dass es bei den 15-19-Jährigen vor allem 2021 einen starken Anstieg gab, der Rückgang bei den 20-24-Jährigen stammt ebenfalls hauptsächlich aus dem Jahr 2021. Bei den Menschen ab 55 Jahren gab es 4 Mal mehr Todesfälle im Jahr 2021 – nur bei den 75-79-Jährigen und den über 85 Jahre alten Menschen war der Anstieg 2020 höher. Und bei den 65-69-Jährigen gab es 2020 sogar WENIGER Todesfälle als im 5-Jahresschnitt davor.

Der Familienstand

Hier sehen wir, wie viele Menschen aus der Gruppe der Geschiedenen, Verheirateten, Verwitweten oder ledigen verstorben sind. Während bei den Verwitweten 1 von ca. 20 Menschen innerhalb eines Jahres verstirbt, sind es bei den Ledigen nicht einmal 1 von 200. Das dürfte sehr viel damit zu tun haben, dass die erste Gruppe deutlich älter ist als die zweite.

Wenn wir schauen, wie viele Prozent aller Todesfälle welcher Gruppe zuzuordnen sind, sieht es anders aus: Die Verheirateten stellen hier – als größte Gruppe – die meisten Todesfälle. Es gibt zwar etwas mehr ledige Menschen in Vorarlberg als Verheiratete, aber da davon mehr als ein Drittel unter 15 Jahre alt ist und zum Glück Personen unter 15 Jahren sehr selten sterben in Vorarlberg, sind die Verheirtateten die Gruppe mit den meisten Todesfällen. Die Verwitweten, von denen es nur etwa ein Achtel gibt verglichen mit den Verheirateten, haben nicht sehr viel weniger Anteil an den Todesfällen. Ca. 31.000 Geschiedene stellen einen kleineren Anteil an Todesfällen als die Gruppe der ca. 180.000 Ledigen (davon sind allerdings mehr als 63.500 unter 15 Jahre alt).

Wenn wir jetzt die zahlen vor der Pandemie (5-Jahres-Schnitt) mit denen von 2020 vergleichen, sehen wir, dass der Anteil an den Todesfällen überall mehr wurde AUSSER bei den Verwitweten. Am meisten gestiegen ist er bei den Geschiedenen – fast um 4%.
Wichtig: Das sind nicht die Todeszahlen, sondern der Anteil an allen Todesfällen!

Staatsbürgerschaft

Hier habe ich viel Neues herausgefunden:

Zuerst einmal diese Grafik: Wir sehen einerseits, dass der Anteil der Todesfälle mit österreichischer Staatsbürgerschaft zurück gegangen ist um etwa 2,5% seit 2015. Gleichzeitig ist auch der Anteil der österreichischen StaatsbürgerInnen im Land um etwas mehr als 3% gesunken.

Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass Todesfälle, die Vorarlberg zugeordnet werden, Menschen betreffen, die in Vorarlberg gemeldet sind, dann sieht die Sache sehr kompliziert aus. Ganz UNTEN sehen wir, wie viele der österreichischen StaatsbürgerInnen pro Jahr verstorben sind: Es waren zwischen 0,84% und 0,95%.
Mehr Todesfälle gab es offensichtlich unter den Schweizern bei uns im Land 0,82% bis 1,13%). Extreme Werte ergeben einzelne Todesfälle aus Staaten, aus denen nur ganz wenige Menschen bei uns leben wie etwa Belgien oder Albanien. Relativ hoch ist der Anteil bei den Serben, wo es zwischen 0,61% und 1,21% (im Jahr 2021) gab. Vor allem bei den Serben und den Menschen aus Bosnien & Herzegowina – aber auch jenen mit türkischer Staatsbürgerschaft – gab es in den letzten beiden Jahren DEUTLICH mehr Todesfälle als davor. Dasselbe gilt für die größte Gruppe mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft: Den deutschen Statsbürgern – auch bei denen stiegen die wie bei den türkischen Staatsbürgern Werte von etwa 0,4% auf 0,5% an.

Hier noch ein Überblick über die Aufteilung der Menschen in Vorarlberg, die NICHT die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen: