Die Pandemie – Rückblick, Teil 7

Vorbemerkung

750 Updates gab es von mir seit März 2020 – davon waren sieben Wochen-Updates, die anderen alle zum jeweiligen Tag. Zeit für einen „Rückblick“…

Die Datenquellen sind wie immer bei den Grafiken angegeben!

Worum geht es?

Dieser Rückblick ist einer, in dem es um die Bevölkerungszahlen geht. Mein Gedanke war, dass wir bei 20.000 laut Statistik Austria „WEGEN“ Corona Verstorbenen das doch auch bei den Gesamtzahlen der Bevölkerung sehen müssen. Ich habe mir also die Bevölkerung zu Beginn der Jahre 2008 bis 2022 angesehen.

Dabei habe ich die Zahlen der Statistik Austria verwendet, die die einzelnen Jahrgänge zusammenfassen. Dabei entsteht das Problem, dass, wenn nach einem starken Jahrgang ein schwächerer nachfolgt oder umgekehrt, die Zahlen verzerrt werden. Ich musste also mit den Zahlen rechnen, die zeigen, wie viele Menschen desselben Jahrgangs im Jahr davor gelebt haben.

Gibt es dann eine Abweichung zum 15-Jahres-Schnitt vor der Pandemie (von 2005 bis 2019), bedeutet das bei einem Plus, dass es entweder durch Zuzug zu einer Vergrößerung des Jahrgangs kam oder dass eine oder mehrere Todesursachen weniger stark ins Gewicht fielen als im Schnitt.
Bei einem Minus war der Grund demnach entweder eine Zunahme der Todesursachen oder eine starke Abwanderung innerhalb des Jahrgangs.

Da die Zahlen in Prozent berechnet sind, sind sie auch untereinander vergleichbar. Ich beginne hier ausnahmsweise weder „unten“ noch „oben“ sondern mit den unspektakulärsten Altersgruppen/Jahrgängen. Die Skalierung von +3% bis -3% braucht es, damit auch die stärksten Ausschläge nach oben oder unten zu sehen sind.
WICHTIG: Die Zahlen von 2022 zeigen die Entwicklung des Jahres 2021, weil sie ja vom Jahresanfang stammen – das gilt auch für alle anderen Jahre. Die beiden von der Pandemie betroffenen Jahre sind auf den Grafiken gelb eingefärbt.

55-64 Jahre

„Es gibt nichts zu sehen, gehen sie weiter!“
Wenn es etwas zu sehen gibt, dann höchstens, dass es grundsätzlich seit 2008 immer etwas mehr Menschen in dieser Altersgruppe gibt. Das Jahr 2016 weicht etwas ab (dazu später mehr) und wenn es einen Abwärtstrend in der Pandemie gibt, dann erst im Jahr 2021.

65-74 Jahre

Auch hier ist wenig zu sehen. Die Zahlen sind immer sehr nahe beim Schnitt der letzten 15 Jahre vor der Pandemie, allerdings gibt es in den beiden Jahren 2020 und 2021 einen Abwärtstrend.

45-54 Jahre

Diese Kurve entspricht fast der der um 10 Jahre älteren Menschen. Wenn hier etwas auffällt, dann ist es der Anstieg 2016.

35-44 Jahre

Auch hier ist kein „Pandemieeinfluss“ zu erkennen, allerdings ist der Anstieg in den Jahren 2015 und 2016 deutlich stärker zu sehen. Das ist schnell erklärt: Damals gab es die große Flüchtlingsbewegung! Diese sorgte offenbar bei den Menschen unter 50 Jahren für einen Anstieg der Bevölkerungszahlen.

25-34 Jahre

Noch stärker zu sehen ist die Flüchtlingsbewegung in dieser Altersgruppe. Dass die Pandemie keinerlei Einfluss auf die Zahlen in dieser Altersgruppe hatte, ist unschwer zu erkennen, es gibt auch zuletzt wieder einen Anstieg.

15-24 Jahre

In dieser Altersgruppe kamen offensichtlich am meisten Menschen in unser Land in den Jahren rund um 2015. Interessant ist ein ebenfalls sehr starker Anstieg im Jahr 2021! Zu Beginn der Pandemie sanken die Zahlen hier leicht ab, das ist jedoch keinesfalls durch Covid-Todesopfer zu erklären.

5-14 Jahre

Im schulpflichtigen Alter ist der Anstieg in den Jahren 2015 und 2016 immer noch zu sehen, allerdings nicht mehr so stark. Dieser Anstieg sorgt dafür, dass die anderen Jahre alle unter dem Schnitt liegen. Zuletzt gab es bei den 13- und 14-Jährigen einen leichten Anstieg.

1-4 Jahre

Da es bei den Kleinkindern unter 1 Jahr keine Vergleichswerte zum Vorjahr gibt, fehlen diese hier. Bei den 1 bis 4-Jährigen ist interessanterweise der Anstieg im Jahr 2016 wieder höher als bei den Schulkindern. Ansonsten gibt es keine wirklichen Auffälligkeiten.

75-84 Jahre

Nun noch die zwei ältesten Altersgruppen. Nachdem hier mehr als 70% der 20.000 offiziellen Covid-Todesopfer vermeldet worden sind, muss das auch bei den Kurven zu sehen sein, wenn die Pandemie wirklich hauptsächlich Menschen das Leben gekostet hat, die sonst nicht gestorben wären.

Was mir als erstes auffällt, ist die ansteigende Zahl an Menschen seit 2008. Nur 2016 gab es einen erkennbaren Rückgang, sonst wurde die Zahl der Menschen von 75 bis 84 Jahren immer mehr. Mit der Pandemie kommt es dann zu einem gut erkennbaren Rückgang, der im zweiten Jahr (also 2021) bereits wieder verschwindet. Allerdings sinken die Zahlen nur bei zwei Jahrgängen unter den 15-Jahres-Schnitt.

Ab 85 Jahren

Wir sind nun in der Altersgruppe, in der im Jahr zwischen 8% (bei den 85-Jährigen) und 37% (bei den 99-Jährigen) im Laufe eines Jahres versterben. Das ist beim Schnitt (der roten Linie bei 0%) bereits berücksichtigt. Umso mehr überrascht es, dass es hier Schwankungen einzelner Jahrgänge von -2% bis plus 3% gibt – und zwar immer wieder.

Das Jahr 2012 (also die Zahlen aus 2011) fallen hier besonders auf mit offensichtlich weniger Todesfällen, dafür gab es 2016 und 2018 in manchen Jahrgängen sehr viele.
Die Pandemie zeigt sich ebenfalls deutlich – im ERSTEN Jahr. Danach sinkt die Kurve nur bei den 98-Jährigen, die im Jahr davor weniger betroffen waren.

FAZIT

Wenn wir uns die Bevölkerungszahlen (also die Lebenden) ansehen, dann fallen zwei Sachen auf: Rund ums Jahr 2015 kamen wohl viele Menschen unter 55 ins Land. Und die Pandemie zeigt sich nur bei den Menschen über 75 im ersten Pandemiejahr und ein wenig bei den Menschen von 65 bis 74 Jahren in beiden Jahren.

Was mir ein Rätsel ist, ist der starke Anstieg bei den 15-24 Jährigen im Jahr 2021.