Eine gute Nachricht & Long-Covid-Zahlenspiele

Vorne weg einmal Good News:

Heute gab es zum ersten Mal im Jahr 2022 eine Inzidenz unter 150 in Vorarlberg (mit den Zahlen von Landes-Dashboard lag sie bei 148,578). Das ist der niedrigste Wert seit dem 22. Oktober 2021.

Dazu auch noch eine Grafik mit den Zahlen von ganz Österreich:

Wir sehen: ALLE Bundesländer haben – obwohl die Testzahlen entgegen vieler Aussagen seit Wochen ziemlich gleich bleiben – stark sinkende Inzidenzen.

Long-Covid

Wer „Karl Zwiauer“ und „Long Covid“ googelt, der findet derzeit vor allem zwei Meldungen. Einerseits gab es im November 2021 viele Artikel mit ihm als Kinderarzt und Mitglied des Nationalen Impfgremiums, und seit heute gibt es ein neues Interview. Natürlich steht es mir als Laie nicht zu, die Aussagen dieses Mediziners anzuzweifeln. Was ich jedoch machen kann, ist aufzeigen, was das am Beispiel Vorarlbergs bedeuten muss:

„Studien, die sich am unteren Bereich orientieren, gehen von zwei bis drei Prozent an Long-Covid-Fällen bei Kindern und Jugendlichen aus.“

Vorarlberger Nachrichten vom 26. Mai 2022, Artikel/Interview mit Karl Zwiauer

Wir hatten in Vorarlberg laut Landesdaten bisher 54.846 positive Testungen bei den Menschen unter 21. Wenn wir die AGES-Daten heranziehen, sind es 38.370 bis zum Alter von 14 Jahren und 30.022 15-24-Jährige. Rechnen wir hier die Hälfte mit, kommen wir auf 53.381 Menschen bis 20. Das entspricht fast zwei Drittel aller Menschen, die in Vorarlberg in dieser Altersgruppe leben (85.275).

WENN also nun 3 Prozent den „unteren Bereich“ der Studien darstellen, die Zwiauer darstellt, dann sind zwischen 1.600 und 1.645 Kinder und Jugendliche in Vorarlberg Long Covid-Fälle. Das heißt, es muss in jedem Ort mit mindestens 215 Einwohnern statistisch gesehen zumindest EINEN solchen Fall geben. Das sind ALLE Vorarlberger Orte außer Warth, Schröcken und Dünserberg! In Dornbirn als Gemeinde mit den meisten EinwohnerInnen muss es mindestens 31 Long-Covid-Fälle unter Kindern und Jugendlichen geben.

Schauen wir doch, woran wir solche Fälle erkennen können:

„Zu den Symptomen zählen neurologische Beeinträchtigungen mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit. Aber auch psychiatrische Symptome von Depression bis hin zur Manie sind bekannt, so Zwiauer: „Diese Probleme sollte man ernst nehmen und sich die Mühe geben, sie sehen zu wollen.“

Vorarlberger Nachrichten vom 26. Mai 2022, Artikel/Interview mit Karl Zwiauer

Okay… jetzt tauchen doch Fragen bei mir auf:

1. Laut ORF-Science Artikel (https://science.orf.at/stories/3213151/) klagen „fast zwei Drittel der schwer an Covid-19 Erkrankten… ein Jahr nach der Infektion noch über Symptome wie Müdigkeit und Schlafstörungen“ – und jetzt kommt ein wichtiger Nachsatz: „Allerdings traten sie laut einer Studie nur bei zwölf Prozent erstmalig durch SARS-CoV-2 auf.“
Wie ist das jetzt bei den Kindern und Jugendlichen? Sind die „Long-Covid-Fälle“ solche mit schwerem Verlauf? Und hatten die Betroffenen davor auch schon Symptome wie „Müdigkeit und Abgeschlagenheit“ oder „Depressionen“?

2. Handelt es sich bei den angesprochenen 2-3 Prozent um Kinder und Jugendliche, die ungeimpft positiv getestet worden sind? Denn im Artikel geht es auch darum, dass die Impfung vor solchen Folgen schützen soll. Das würde bedeuten, dass kein geimpftes Kind/keine geimpfte Jugendliche Long Covid bekommt – oder zumindest deutlich weniger – oder?

3. Ich kenne Studien, in denen geschildert wird, dass ein recht großer Anteil der Kinder und Jugendlichen mit „Long Covid-Symptomen“ gar nie Covid hatte (und auch keine Antikörper). Da stellt sich doch die Frage, ob nicht auch andere Faktoren, wie (siehe oben) Vorerkankungen oder vorher bekannte Neigungen zu solchen Symptomen oder gar etwa auch die gesamten Maßnahmen an und für sich zu solchen Symptomen geführt haben?
Ich will hier auf keinen Fall in Abrede stellen, dass es Menschen, darunter auch Kinder und Jugendliche, gibt, die nach einer wirklichen Erkrankung mit Covid (oder passiert das auch bei vollkommen asymptomatischen Verläufen?) lange/länger unter den Folgen zu leiden haben.
Aber so wichtige Fragen gehören für mich angesprochen in solchen Artikeln und eindeutig geklärt.

Zum Schluss noch ein Satz aus dem Interview:

„Angesichts einer Inzidenz von mehr als 2100 im vergangenen Winter unter den Fünf bis 14-Jährigen handelt es sich um eine beträchtliche Gruppe an Betroffenen.“

Vorarlberger Nachrichten vom 26. Mai 2022, Artikel/Interview mit Karl Zwiauer

Was ist eine „Inzidenz im „vergangenen Winter“? Die Inzidenz ist immer die Zahl der positiv Getesteten pro 100.000 Menschen innerhalb der letzten 7 Tage. Laut AGES gab es bei den 5-14-Jährigen von 18. Jänner 2022 bis 4. April eine Inzidenz über 2.100. Den höchsten Wert gab es am 15. März mit 5353,9. An diesem Tag lag die Inzidenz bei ALLEN Altersgruppen zwischen 5 und 75 Jahren über 2.000. In Vorarlberg waren an diesem Tag fast 73% aller C19-PatientInnen in den Spitälern geimpft.
Was natürlich mit berücksichtigt werden muss: KEINE andere Altersgruppe wurde so wie die 5-14-Jährigen im „vergangenen Winter“ mindestens 2 bis teilweise 5 Mal in der Woche getestet. Dass das zu höheren Werten führt als bei anderen Altersgruppen, die vergleichsweise viel weniger getestet wurden, ist logisch.

So wurden in Vorarlberg in der Zeit von 18. Jänner bis 4. April 860.850 offizielle Testungen durchgeführt. Die Schultests in dieser Zeit (und die Gruppe der gesamten SchülerInnen macht nur etwa ein Achtel aller EinwohnerInnen aus!) waren 664.844 an der Zahl. Das heißt, dass 11,9% der Bevölkerung etwas mehr als drei Viertel so viele Tests absolviert hat wie die anderen fast 90% zusammen!
Anders gesagt: Während alle anderen Menschen statistisch gesehen 2,6 Mal zum Test erschienen sind, wurden die SchülerInnen von 5-14 Jahren 10,4 Mal getestet in dieser Zeit!

Und selbst wenn wir die Inzidenz ernst nehmen mit den oben angeführten Unzulänglichkeiten, bedeutet das, dass bei einer Inzidenz von 2.100 (siehe Artikel) 63 von 100.000 Kindern und Jugendlichen Long Covid entwickeln. Wohlgemerkt nur dann, wenn wieder so viele Positive gefunden werden über einen langen Zeitraum, wenn ausgeschlossen werden kann, dass diese Symptome keinen anderen Ursprung haben und auch keines der betroffenen Kinder geimpft war.