Das große Ganze

Heute habe ich nur eine riesengroße Grafik, die aus 12 Einzelgrafiken besteht:

Ganz oben sehen wir die Inzidenz-Kurven, darunter die Inzidenz der offiziellen an oder mit Covid Verstorbenen (also wie viele waren es pro 100.000 EW) und ganz unten die Kurve mit den Temperatur-Abweichungen vom Schnitt der Jahre 2000 bis 2019.

Dazu folgende Erklärungen: Bei ALLEN drei Grafik-Arten gibt es Daten aus Vorarlberg (gelb), dem Burgenland (blau), Kärnten (orange) und Niederösterreich (pink). Warum genau diese vier Bundesländer? Weil ich bei den Temperaturen den Westen, den Osten, den Süden und den Norden dabei haben wollte. Ich habe bei den Mess-Stationen der ZAMG nämlich jeweils eine Mess-Station ausgewählt, die ganz am Rande Österreichs liegen (Feldkirch, Lutzmannsburg, Bad Eisenkappl und Litschau). Und da es nur um die Abweichung vom Schnitt der letzten 20 Jahre geht, ist es dabei auch unerheblich, wie hoch (Seehöhe) diese Orte liegen.

Ich habe die Grafiken der vier betroffenen Jahre bewusst alle nebeneinandergesetzt, damit wir den Gesamtverlauf sehen. So erkennen wir zum Beispiel sofort, dass die Zahl der Todesfälle (die sind hier zusammengezählt für die vier Bundesländer) nie mehr auch nur annähernd an die vom Herbst 2020 heranreichte.

Bei der Temperaturkurve, die ich bewusst auf den Kopf gestellt habe, sind die Perioden, in denen es KÄLTER war als im Schnitt der letzten 20 Jahre, ober der grünen Linie zu sehen und die, in denen es wärmer war, unterhalb derselben.

Schauen wir uns diese Kurven im Verlauf seit 2020 genauer an: einem sehr warmen ersten Quartal 2020 folgte eine kurze Periode (genau zum ersten Lockdown), in der es überall um 4 Grad zu kalt war – eine so gleichmäßig für alle Regionen Österreichs gültige und kurze „Welle“ wie diese gab es sonst in diesen gut drei Jahren nie mehr. Nach einer kurzen, vor allem in Kärnten sehr warmen Phase in der zweiten Aprilhälfte blieb es bis Ende Juli durchgehend leicht zu kalt, nur unterbrochen von zwei Wochen Anfang Juli. Danach war es bis Anfang Oktober wärmer als im Schnitt der Jahre 2000 bis 2019. Der Oktober war zu kalt, Anfang November war es noch einmal wärmer. Dann begann vor allem im Westen eine Phase mit sehr kühlem Wetter, erst im Dezember war es dann bis kurz vor Weihnachten überall etwas kühler als im Schnitt.

Jänner, Februar und März 2021 waren geprägt von einem Auf und Ab bei den Temperaturen. Einer Kältewelle folgte immer wieder eine Phase mit warmen Temperaturen, wobei die Kälte im Februar nur den Osten und Norden des Landes betraf (in Vorarlberg, wo es durchgehend zu warm war, blieben die Zahlen der Pandemie niedriger). Ab Mitte März war es bis Mitte Juni in ganz Österreich bis auf eine kurze Phase Anfang April immer kälter als im langjährigen Schnitt. Der Sommer 2021 war – außer in Kärnten – eher etwas wärmer als im Schnitt, dann gab es Anfang September eine Phase mit kalten Temperaturen. Von Mitte September bis Mitte Oktober war es warm, danach blieb es bis zum Jahresende (Vorarlberg & Kärtnen) bzw. bis Mitte Dezember (Burgenland & NÖ) wärmer als im Schnitt.

Das Jahr 2022 war mit Ausnahme einer kurzen Phase im Westen und Süden bis Mitte März zu warm, dann bis Mitte Mai eher zu kalt verglichen mit den Jahren 2000 bis 2019. Von Mitte Mai bis Mitte September war es fast durchgehend wärmer als im Schnitt und nach einer kurzen kalten Phase um den Oktoberbeginn noch einmal deutlich wärmer bis Mitte November – in Kärnten sogar bis in den Dezember hinein.
Nach einem eher kühlen Dezember stiegen die Temperaturen Ende des Jahres bis in den Jänner hinein. Aus dem Jänner 2023 stammt auch die größte Abweichung Richtung „zu warm“ aus den gesamten hier dargestellten Jahren. In Kärnten und NÖ war es fast 8 Grad wärmer, in Vorarlberg und NÖ um 5 Grad. Erst im Februar war es dann phasenweise wieder kälter als im 20-Jahres-Schnitt, aber auch hier gab es am Monatsende eine sehr warme Phase. Derzeit ist es im Vergleich mit den 20 Jahren vor 2020 wieder etwas zu kalt.

Fazit

Es kann natürlich auch Zufall sein, folgendes fällt mir jedoch auf, wenn ich das betrachte:

  • Im Frühjahr 2020 war die Covid-Welle rasch vorbei und das in einem durchaus sehr warmen Frühling.
  • Der Herbst 2020 war ab Oktober eher kühler als der Schnitt, und die größte „Welle“ bei den Covid-Todeszahlen liegt fast gleichauf mit einer Phase mit kalten Temperaturen (im Vergleich zum 20-Jhres-Schnitt). Bis zum Juni 2021 hat sich vor allem das Sterbegeschehen nie richtig beruhigt, am ehestens ist ein Absinken in der Zeit zu sehen, in der es zwei warme Phasen gab im Februar und März.
  • Nach dem eher warmen Sommer begannen die Todesfälle fast genau zu der Zeit wieder anzusteigen, als es Anfang September eine österreichweite Phase mit kalten Temperaturen gab.
  • Nach einem Rückgang der Sterbezahlen im Oktober (warme Phase) stiegen die Zahlen wieder an in einer Zeit, in der es eher etwas zu kühl war. Mit der warmen Phase Anfang Jänner gingen die Zahlen Anfang 2022 zurück. Dann waren sie nie wirklich höher als ein Jahr zuvor, obwohl wir zu der Zeit mit Omikron extrem viele positiv getestete Menschen in Österreich hatten.
  • Sowohl die Todeszahlen als auch die Inzidenzen sanken Ende Mai, als es eine besonders warme Phase gab, ab.
  • Der Beginn der „Sommerwelle 2022“ war von einer kurzen Phase mit zu kalten Temperaturen Mitte Juli 2022 geprägt und der sehr ruhige Herbst 2022 von einer viel zu warmen Phase von Mitte Oktober bis Mitte November.
  • Auch im Jänner 2023 war es zu warm im Vergleich mit dem Schnitt und erst als es im Februar wieder kälter wurde, gab es bei den Inzidenzen wieder einen leichten Anstieg (jedoch bisher kaum bei den Todesfällen).

Kann es sein, dass auch das Wetter (NICHT das Klima!) einen Einfluss auf Atemwegserkrankungen hat?