Der Rabatt-Trick

UPDATE – siehe ganz unten!

Vielleicht haben das andere auch schon beobachtet: Wenn in einer großen österreichischen Lebensmittelkette, die mit Inte… anfängt und mit …par aufhört, Sachen im Sonderangebot sind (zum Beispiel „2+2 gratis“ oder auch „-25%“), dann erfolgt oft „unbemerkt“ genau in dieser Zeit eine Preiserhöhung. Die wird dann nicht gleich so wahrgenommen, wie wenn sie einfach so, von einen Tag auf den anderen, erfolgt.

So etwas Ähnliches kommt nun auch auf die Stromkunden in Vorarlberg zu. Wir Xiberger leben ja was den Strompreis als VKW-Kunden betrifft, bislang noch auf der „Insel der Seligen“ und haben so niedrige Strompreise wie sonst kaum noch jemand – in einem Land, in dem wohl fast 100% des Stroms aus erneuerbaren Energien produziert wird und nur wenig importiert werden muss.

Ab 1. April wird das alles anders. Da kommt es zu einer „geringfügigen Anpassung“ der Preise. Das Land Vorarlberg hat dazu nun einen Stromrabatt ab 1. April beschlossen. Grundsätzlich finde ich das gut – er wird aus den ausgeschütteten Dividenden der VKW finanziert.

Bevor ich näher auf die Zahlen eingehe, die bei der Presseaussendung des Landes bereits zu sehen sind, möchte ich noch was zur „Strompreisbremse“ des Bundes sagen: Ich weiß ja nicht, wer sich dieses Modell ausgedacht hat – sicher nicht jemand, der viele „Freunde“ hat, die in Mehrpersonenhaushalten (damit meine ich jetzt Haushalte mit 4 oder mehr Personen) leben. Eigentlich sind diese ja „energiespartechnisch“ besser für uns, da sie zwar mehr Energie benötigen, aber nicht gleich viel pro Kopf wie ein Ein- Zwei oder Dreipersonenhaushalt. Denn Die Bundespreisbremse bremst ja nur bis zum Verbrauch von 2.900 kWh – wer mehr braucht, ist quasi „selbst schuld“. Eine „Pro Kopf-Bremse“, die berücksichtigt hätte, dass jemand, der alleine lebt oder zu zweit, logischerwesie mehr Strom braucht als jemand, der zu viert, fünft oder mit noch Personen zusammen lebt, wäre wohl zu kompliziert gewesen für diejenigen, die das Modell erdacht haben.

Schauen wir uns die Zahlen, die vom Klimaministerium selbst so vorgegeben werden, einmal genauer an:

Wir sehen natürlich sofort, dass ein Einpersonenhaushalt weniger Strom braucht als einer mit zwei, drei oder mehr Personen. Wie sieht es jedoch aus,w enn wir den PRO KOPF VERBRAUCH anschauen?

Auch unschwer zu erkennen: Ab sechs Personen in einem (Durchschnitts-)Haushalt laut Klimaministerium brauchen wir pro Kopf nur mehr HALB SO VIEL STROM wie in einem Einpersonen Haushalt. Bis wieviel greift jetzt die Strompreisbremse des Bundes?

Wenn also die Angaben von klimaaktiv.at stimmen, dann haben alle bis zum 3-Personenhaushalt einen sehr „günstigen Strompreis“, weil alles, was mehr als 10 Cent pro kWh kostet, bezuschusst wird – allerdings nur bis zum 30. Juni 2024. Danach … ?
Die Haushalte, die derzeit schon einen deutlich niedrigeren Pro-Kopf-Verbrauch haben, die haben nur zum Teil etwas davon. Und je größer die Personenanzahl, umso geringer wird der Anteil des Stroms, der „gestützt“ wird durch den Bund.

Jetzt gibt es allerdings noch eine zweite Tabelle bei klimaaktiv: Alle Haushalte, die ihr Warmwasser elektrisch aufbereiten – dann sieht das Ganze plötzlich anders aus:

Was auf den ersten Blick gleich aussieht, ist erst durch die Skalierung zu erkennen: Jetzt ist der kWh-Verbrauch ALLER Haushalte massiv höher!

Auch hier sinkt der Pro-Kopf-Verbrauch im Haushalt mit der Größe ab, allerdings nicht mehr so stark, weil wohl davon ausgegangen wird, dass auch der Gesamtanteil an erwärmtem Wasser höher ist, wenn mehr Personen im Haushalt leben. Waren es oben 50% eines Einpersonenhaushalts, so braucht nun ein Sechspersonenhaushalt etwa 40% weniger kWh Strom pro Kopf.

Interessant ist un auch die schwarze Linie: Denn schon bei einem Dreipersonenhaushalt greift die „Strombremse“ nicht mehr auf den gesamten „Durchschnittsverbrauch“.
Bei einem Sechspersonenhaushalt sind nun nicht einmal mehr 50% des Stromverbrauchs „gestützt“…

Das Ländle

Noch gibt es ja keine offiziellen Zahlen dazu, wie stark die Stormpreiserhöhung in Vorarlberg für alle VKW-KundInnen ausfallen wird. Allerdings hat das Land nette Grafiken mit verschickt, die die Förderungen mit berücksichtigen.
In Vorarlberg wird übrigens nicht nur bis zu einer bestimmten Abnahmemege gefördert, sondern alles. 3 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde werden in Vorarlberg vom Land übernommen.
Was bedeutet das? Wenn ich unseren Tarif anschaue (Vorarlberger Ökostrom Privat 24), dann entnehme ich meiner letzten Abrechnung vom September 2022, dass wir seit dem 1.5.2022 11 Cent pro kWh bezahlt haben für Tagstrom und 8,95 Cent für den Nachtstrom. Leider wissen wir noch nicht, um wie viel der Strompreis erhöht wird, die Grafiken verraten allerdings folgende Details:

  • ein „Kleinhaushalt“ der laut VKW (die Angaben variieren von denen des Ministeriums) 2.000 kWh braucht, zahlt ab 1. April etwa 79% mehr für den Strom – darin sind auch die Netzverlustentgelte und andere Abgaben enthalten – erstere werden mit 1.3.23 gesenkt und diese Senkung ist bereits enthalten.
  • ein 3- Personen-Haushalt zahlt etwa 89% mehr für die durchschnittlich 3.500 kWh, die ein „ghöriger“ Vorarlberger Haushalt mit 3 Personen braucht.
  • und ein 4-Personen-Haushalt darf sich auf eine Erhöhung der Kosten um 94% „freuen“ bei den 5.000 kWh, die er im Schnitt laut VKW/Land Vorarlberg verbraucht.

Beim Einpersonenhaushalt wirken sich die „Bremsen“ dann so aus (laut Land), dass die zu zahlenden Kosten mit 1. April sogar sinken um fast 4%.

Der Dreipersonenhaushalt muss mit etwa 11,4% MEHR an Kosten rechnen für ein Jahr:

Und der Vierpersonenhaushalt? Bei dem schlägt sich das alles (laut Land) mit einer Preiserhöhung von ca. 20% zu Buche.

Interessant wird’s, wenn sich das bis zum 30. Juni 2024 nicht wieder einpendelt mit dem Strompreis, denn dann gibt’s die oben erwähnten Mehrkosten pro Haushalt verglichen mit dem 31.3.2023!

FAZIT

Erst, wenn wir die Preiserhöhung des Stroms in Vorarlberg in Zahlen vor uns sehen, weiß ich, was der Zuschuss von 3 Cent pro kWh bringen wird bis zum 30. Juni 2024. Die Erhöhung muss jedoch anhand der Beispiele des Landes MINDESTENS 80% ausmachen, vermute ich. Und 80% mehr von zB 9 Cent Nachtstromtarif sind DEUTLICH mehr als die 3 Cent, die bezuschusst werden.
Blöderweise gehört unser Haushalt mit 5 Personen auch noch zu denen, die zwar einen deutlich niedrigeren Pro-Kopf-Verbrauch haben als alle Einpersonen oder Zweipersonenhaushalte, aber bei denen dies dadurch „bestraft“ wird, dass die Preiserhöhung nur bis zu einer Abnahmemenge von 2.900 kWh vom Bund „gedeckelt“ wird.
Da bringt auch der besser durchdachte Zuschuss des Landes Vorarlberg nicht wirklich so viel angesichts der zu erwartenden Teuerung… obwohl auch dieser durchaus kritisch gesehen werden kann, weil da auch Haushalte mit exorbitant hohen Stromkosten bezuschusst werden. Ich glaube immer noch, dass hier – genauso wie bei der Besteuerung der Haushalte – eine „Pro-Kopf-Berechnung“ gerechter wäre.

Und spätestens ab dem 30. Juni 2024 wird’s im wahrsten Sinne des Wortes „dunkel“ für viele, wenn da nichts verlängert oder geändert wird… ich persönlich bin schon gespannt, wann uns die ersten „Experten“ oder Politiker empfehlen werden, Aktien von Stromanbietern zu kaufen… 😉 Denn denen wird es nicht schlecht gehen in den nächsten Monaten und Jahren, so viel ist sicher!
Ach ja: Habe ich schon erwähnt, dass auch das Erdgas in Vorarlberg mit 1. April massiv teurer werden wird? Oder was ich von Slogans wie „Heizen ohne Putin“ halte in diesem Zusammenhang?

UPDATE

Was ich (danke an Ulrike) übersehen habe: Mir war nicht klar, dass es in ganz Österreich schon viele Bundesländer gibt, wo du mehr als 40 Cent pro Kilowattstunde bezahlst. Ab dann greift die „Bremse“ des Bundes nicht mehr weiter. Das heißt, wer zB 72 Cent bezahlt, der muss dann 10 Cent + 32 Cent bezahlen – das betrifft aber ALLE, egal wir groß der Verbrauch ist.
Ebenfalls schwer zu finden ist, dass es für Haushalte mit mehr als drei Personen einen „Zusatz“ gibt:

„Jede zusätzliche Person wird mit einem Kontingent von 350 kW/h zu 30 Cent unterstützt. Das entspricht einer zusätzlichen Entlastung von über 100 Euro pro Person und Jahr. Das Modell wird aktuell vom Finanzministerium finalisiert und die Entlastung kommt noch im Frühjahr 2023 bei den Haushalten an. Die Abwicklung soll weitgehend automatisch erfolgen.“

https://energie.gv.at/fuer-haushalte

Das heißt, es wird doch abgefedert, wenn die Haushaltsgröße größer ist – allerdings ist das schwer zu finden. Relativieren muss ich auch noch die Info zu der „Unterstützung“ von Vorarlberg: Der Bund zahlt jemandem, der zB 40 Cent „bezahlt“, bis zur Grenze von 2.900 (bis 3 Personen, sonst mehr siehe oben), 30 Cent pro kWh – das Geld geht direkt an den Stromanbieter, der dann nur 10 Cent verrechnet. In Vorarlberg gibt’s zwar unbegrenzt einen Zuschuss, allerdings ist der mit 3 Cent pro kWh nur 10% im Vergleich zu dem vom Bund.
UND: Der Zuschuss des Bundes wird erst NACH der Umsatzsteuer geltend gemacht – das heißt es sind vom Netto-Stormpreis NICHT 30 Cent!