Wieder einmal habe ich mir Daten zu Österreichs Bevölkerung angeschaut. Eigentlich habe ich ja die Sterbezahlen pro Woche gesucht und bin – aus den alten Covid-Zeiten – noch gewohnt gewesen, dass diese recht bald abrufbar sind. Leider sind die aktuellsten Daten derzeit nur bis Anfang Juni (wenn es um die wöchentlichen Sterbezahlen geht). Daher wollte ich bei der europäischen Datenbank Eurostat nachsehen – und bin auf eine andere Datenbank gestoßen, die mein Interesse geweckt hat.
Ich habe schon öfter Beiträge zu den „Ausländern“ in Österreich geschrieben – meist ging es dabei um die Frage, welche Staatsbürgerschaft die in Österreich lebenden Menschen haben. Dieses Mal gehe ich der Frage nach, wo denn die in Österreich lebenden Menschen GEBOREN sind.
Bevölkerungsentwicklung

Oben sehen wir, wie sich Österreichs Bevölkerung insgesamt entwickelt hat seit 2002 (die von mir verwendete Datenbank – siehe hier – reicht nicht weiter zurück). Von knapp über 8 Millionen Einwohnern im Jahr 2002 haben wir es auf fast 9,2 Millionen im Jahr 2025 geschafft (die Daten zeigen immer die Zahlen vom 1. Jänner). Die rote Linie zeigt dabei, wie sich die Bevölkerung von einem auf das andere Jahr verändert hat. So lag die Zunahme im Jänner 2010 im Vergleich zum Jänner 2009 nur bei +0,2% im Jahr 2016 jedoch bei 1,35% und 2023 sogar bei +1,4%. Während die Zunahme 2023 nur für dieses Jahr so hoch war (Ukraine-Krieg), war der Anstieg von 2010 bis 2016 durchgehend stark steigend.

Hier sehen wir – leider erst ab 2008, weil Eurostat davor keine Daten zu diesen Altersgruppen liefert – die Zahlen und die Veränderung zum Vorjahr bei den Menschen von 0 bis 14 Jahren. Von 1008 bis 2014 nahmen die Zahlen in dieser Altersgruppe durchgehend ab, danach begannen sie wieder zu steigen. Am meisten stiegen sie von 2015 bis 2016 und von 2022 bis 2023. Im Jahr 2025 sanken sie erstmals wieder minimal ab.

Interessant ist diesselbe Grafik bei den 15 bis 64 Jahre alten Menschen: hier stiegen die Zahlen jedes Jahr an, wenn auch nie um mehr als 1,28% (2016), nur 2025 sank der Wert auch hier minimal ab.

Besonders interssant sind die Daten der Menschen ab 65 Jahren, die es seltsamerweise wieder bis 2002 zurück gibt: Nur 2003 und 2011 gab es so gut wie keinen Zuwachs, sonst stiegen die Zahlen bei dieser Altersgruppe jedes Jahr an – am meisten in den Jahren 2005 und 2006 mit fast +4% zum Vorjahr.
Bei diesen drei Altersgruppen können immer mehrere Ursachen für Veränderungen sorgen: Erstens starke Geburtsjahrgänge, die neu in die Gruppe dazu kommen – das verstärkt sich noch, wenn besonders schwache Jahrgänge oben herausfallen. Dasselbe gilt natürlich umgekehrt auch für Rückgänge, wenn schwache Geburtsjahrgänge dazu kommen und starke ausscheiden.
Zweitens können viele Sterbefälle in einer Altersgruppe für einen Rückgang der Zahlen sorgen – und drittens können Migrationsbewegungen dafür sorgen, dass viele Menschen dazu (bei Einwanderung nach Österreich) oder auch weg (bei Auswanderung) kommen. Wenn dann gleichzeitig mehrere dieser drei Ursachen auf ein Jahr zutreffen, kann dies besonders stark auffallen.
Ich gehe davon aus, dass es bei den Menschen ab 65 weniger die Zu- oder Abwanderung war, die für Unterschiede gesorgt hat, als eher das Hinzukommen besonders starker Geburtsjahrgänge oder auch viele Sterbefälle, wenn weniger Menschen dazu kamen. In den Jahren 2002 und 2010 vermute ich letzteres als Grund für den auffallenden „Nicht-Anstieg“.
Umgekehrt waren es bei den Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren sicher nicht besonders viele Geburten in den Jahren 2015 und 2022, die die Zahlen für 2016 und 2023 so deutlich höher werden ließen als davor und danach, sondern starke Migrationsbewegungen von Menschen aus der Ukraine und Asien.

Auch das ist interessant: In Österreich leben mehr Frauen als Männer – allerdings hat sich der Unterschied deutlich verringert. Waren es 2022 noch etwa 51,6% Frauen, so sind es 2025 nur mehr ungefähr 50,8%.

Wieder fehlen uns bei den zwei jüngeren Altersgruppen die Zahlen von 2002 bis 2008 bei Eurostat – trotzdem ist gut zu erkennen, dass bei den Menschen unter 15 Jahren die Burschen in der Überzahl sind – mit steigender Tendenz. Auffallend ist hierbei das Jahr 2016 – zu Jahresbeginn gab es einen sichtbaren „Knick“ im Vergleich zum Jänner 2015 – wir sehen hier den Überhang an männlichen Zuwanderern in dieser Altersgruppe und nicht ein Jahr mit deutlich mehr männlichen Geburten als üblich.

Bei den 15-64-Jährigen ist alles viel ausgeglichener. bis 2014 lagen diese fast gleichauf, danach gab es auch hier – zuwanderungsbedingt – eine leichte Verschiebung, die sich von 2021 auf 2022 noch einmal wiederholt hat und 2023 wieder etwas korrigiert wurde. Der Unterschied ist allerdings deutlich geringer als bei den Kindern und Jugendlichen.

Bei den Menschen ab 65 haben wir wieder Daten ab 2002. Damals trafen auf einen Mann in dieser Altersgruppe noch etwa 1,5 Frauen. Dieser Unterschied hat sich stark reduziert, trotzdem sind immer noch etwas mehr als 55% aller in Österreich lebenden Menschen ab 65 Jahren weiblich. Die Zahl dieser Altersgruppe hat sich von weniger als 1,3 Millionen auf mehr als 1,8 Millionen deutlich erhöht!
Im Ausland Geborene
Wir kennen diese beiden Grafik-Aufbereitungen schon vor vorher – wie haben sich die Zahlen entwickelt und wie verteilen sie sich auf die beiden Geschlechter?

Insgesamt hat die Zahl der nicht in Österreich geborenen Menschen seit 2002 deutlich zugenommen – von von mehr als 1,2 Millionen auf über 2 Millionen Menschen. Auffallend ist dabei, dass der Unterschied zwischen Frauen und Männern von 2012 auf 2016 deutlich kleiner wurde, seither jedoch stabil bleibt.
Insgesamt waren am 1. Jänner 2025 etwa 22,5% der in Österreich lebenden Menschen NICHT in Österreich geboren.

Bei den unter 15-Jährigen gibt es mehr Burschen als Mädchen in dieser Gruppe. Hier sehen wir diesen „Knick“ von 2015 aus 2016 besonders deutlich, sither geht es jedoch wieder leicht retour. Zahlenmäßig fallen vor allem die Jahre 2015 bis 2017 und das Jahr 2023 besonders durch stärkere Anstiege auf.

In der Gruppe der 15-64-Jährigen ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung in diesem Alter, wenn es um nicht in Österreich geborene Menschen geht, von 13% auf etwa 18% gestiegen. Auffallend ist auch hier der Rückgang des Unterschieds zwischen den in dieser Altersgruppe stärker vertretenen Frauen und den Männern.

Bei den Menschen ab 65 Jahren gab es 2008 etwa 2%, die nicht in Österreich geboren waren. 2025 waren es dann ungefähr 3,1%. Der Anteil der Frauen sank dabei von 60% auf etwa 57% – ist aber seit 2018 recht stabil bei dieser Aufteilung.
Woher kommen die „Ausländer“?
Jetzt wird es interessant – bitte zu bedenken, dass wir hier nicht von Staatsbürgerschaften reden sondern von Geburtsländern!

Das ist Österreichs Bevölkerung, wenn wir uns als „Europäer“ einordnen: 2002 waren 97,2% aller in Österreich lebenden Menschen in Europa (inklusive Österreich natürlich) geboren. 2025 sind es immer noch 95,1%!

Wenn wir die in Österreich geborenen Menschen weglassen, dann sind 2008 12,8% der Gesamtbevölkerung Österreichs in Europa (ohne Österreich) geboren gewesen und 2025 waren es 17,8% – das sind 5% mehr als noch 2008. Was die Geschlechtsverteilung betrifft, so waren es mehrheitlich Frauen – immer ungefähr 53%. Wir sprechen am 1. Jänner 2025 dabei von ca. 1,6 Millionen Menschen in Österreich.
Und woher stammen die anderen, wenigen Prozent der in Österreich lebenden aber nicht in Europa geborenen Menschen?

2002 waren 0,84% aller Einwohner Österreichs in Asien geboren, 0,33% in Afrika, 0,26% in Amerika und 0,03% in Ozeanien. Bis ins Jahr 2025 wurden daraus 3,42% in Asien, 0,73% in Afrika, 0,55% in Amerika und 0,04% in Ozeanien geborene Menschen. Den größten Anstieg gab es von 2015 auf 2016 und danach (seltsamerweise gibt es keine Zahlen von 2022) noch einmal ab 2023.
Fazit
Ich war selbst überrascht, als ich gesehen habe, dass am 1. Jänner 2025 nicht einmal mehr als 5% aller in Österreich gemeldeten Personen nicht in Europa geboren wurden. Das gibt uns natürlich kine Auskunft über einen möglichen Migrationshintergrund aller Personen. Was ich in dem Zusammenhang schade finde, ist, dass es keine offiziellen Daten mehr zur Religionszugehörigkeit mehr gibt seit vielen Jahren. Zahlen dazu kommen höchstens noch aus Schul-Statistiken zum Religionsunterricht.
Was sich bei solchen Zahlen wieder zeigt, ist, wie toll diese manipulativ eingesetzt werden können. Es ist in meinen Augen unzulässig, hier Zahlen zu verbreiten, die nicht das Gesamtbild zeigen. Anstatt zum Beispiel zu sagen, dass etwa jeder 30. in Österreich lebende Mensch in Asien geboren wurde (3,42%), kann ich natürlich auch sagen, dass sich der Anteil der in Asien geborenen und in Österreich lebenden Menschen in den letzten 24 Jahren vervierfacht hat.
Wenn ich dann noch darauf hinweise, wie viele Menschen zum Beispiel in Wien nicht Deutsch als Muttersprache haben und dann behaupte, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, dann bin ich schnell beim Bild, dass wir in Österreich bald die deutsche Sprache als Minderheitensprache führen werden – was natürlich Unsinn ist und vom wirklich vorhandenen Problem an vielen Schulen ablenkt.
Ich bleibe meinem Motto treu, versuche Zahlen möglichst sachlich darzustellen, versuche, niemanden eine Ansicht oder Meinung aufzudrücken sondern hoffe, bei allen für eine besser Anschauung der Sache sorgen zu können!
Genießt die letzten Hitzetage, wenn ihr solche gerne habt oder bringt sie gut hinter euch, wenn ihr sie nicht mögt!