Wieder einmal: Die Geburten

Derzeit treten sie wieder in Scharen auf, die Artikel über die Geburten. Anlass dafür dürften wohl Presse-Aussendungen über das neue Geburtenbarometer des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sein – siehe hier.

Wer sich näher mit vielen Fakten dort auseinandersetzen will, kann das gerne tun – es ist durchaus interessant. Ich möchte auf eine andere Tatsache verweisen, die meiner Meinung nach oft in der Berichterstattung und Debatte außer acht gelassen wird:

Die Zahl der Frauen

Dieses hübsche bunte Bild zeigt uns die Zahl der Frauen seit 1982 in Österreich – und zwar nach Altersjahren getrennt. Jede Spalte entspricht dem Alter nach Jahren von 0 (links) bis 95 und älter (rechts). Die Zeilen zeigen die Jahre – und weil ich alles eingefärbt habe, sehen wir, in welchem Jahrgang es viele (rot) und in welchem weniger (grün) Frauen gibt und gab seit 1982.
Wer genau hinsieht sieht ind er Mitte einen Bereich, in dem die Spaltenüberschriften rosa hinterlegt sind und der auch rosarot eingerahmt ist. Das ist die Altersgruppe der Frauen von 15 bis 44 Jahren. Denn 99,84% aller Geburten in Österreich von 1982 bis zum Jahr 2024 sind in dieser Altersgruppe „passiert“ – das heißt, fast ALLE Mütter waren zwischen 15 und 44 Jahre alt.

Wie wir nun hier erkennen können, zieht sich hier von links oben nach rechts unten ein rotes Band durch den Bereich, das jedoch in den letzten 6 Jahren nicht mehr darin zu sehen ist. Das waren besonders geburtenstarke Jahrgänge, die nun aus dem Alter „herausfallen“, in dem normalerweise Mütter ihre Kinder gebären. Gleichzeitig rücken von links besonders geburtenschwache Jahrgänge in diesen Bereich herein.

Frauen und Geburten

Schauen wir uns also an, wie viele Geburten es seit 1982 gab und auch, wie viele Frauen im Alter von 15 bis 45 Jahren in Österreich lebten:

Wir sehen: Das passt nicht zusammen – Die Zahl der Geburten sank, als die Zahl der Frauen fast gleich blieb und stieg zu einem Zeitpunkt, als es eher weniger Frauen in diesem Alter gab.

Viel besser sieht es aus, wenn wir die Zahl der Frauen im Alter von 20 bis 39 ansehen – was etwa 91% aller Geburten entspricht. Hier ist eindeutig ein Zusammenhang erkennbar – auch wenn der Abfall ganz am Ende bei den Geburten damit nicht erklärt werden kann.

Es hat also sicher mit der Altsstruktur der Frauen in den jeweiligen Jahren zu tun, denn wenn wir uns anschauen, wie viele Prozent der jeweiligen Altersgruppe ein Kind bekamen, sehen die Kurven verdächtig ähnlich aus (oben sind die Frauen im Alter von 20-39, unten die von 15-45):

Prognose ohne Zuwanderung

Wenn wir nun annehmen, dass sich die Zahl der Geburten unter allen Frauen ähnlich verhält wie ganz zuletzt und gleichzeitig davon ausgehen, dass KEINE Frauen in diesem Alter in Österreich zuwandern oder aus Österreich abwandern, dann wäre die Zahl der Frauen und der Geburten wie folgend dargestellt:

Wir sehen: Mit der Altersgruppe der 15-45-Jährigen als Mütter berechnet würde die Zahl kontinuierlich auf unter 65.000 Geburten pro Jahr sinken, das sind ca. ein Drittel weniger als Anfang der Achtziger- oder Neunzigerjahre. Die Zahl der Frauen in diesem Alter würde von etwa 1,8 Millionen von 1993 bis 2005 auf etwa 1,45 Millionen sinken.

Und wenn wir die besser zutreffende Altersgruppe der 20 bis 39-Jährigen nehmen, dann würde deren Zahl von etwa 1,25 Millionen Mitte der Neunzigerjahre auf unter 900.000 im Jahre 2040 sinken, WENN es keine Ab- und Zuwanderung gibt. Die Zahl der Geburten Würde demnach sogar auf unter 60.000 fallen bis 2040.

Fazit

Wer bis hierher gelesen hat, muss verstehen, warum es mir geht: Wir werden in den nächsten Jahren aus meiner Sicht nur aus zwei Gründen keinen weiteren Rückgang der Geburtenzahlen sehen: ENTWEDER steigt die Zahl der Kinder pro Frau stark an – was ich mir derzeit aus verschiedensten Gründen nicht vorstellen kann – ODER es wandern noch viele Frauen im Alter von 15 bis 30 Jahren in Österreich ein.
In allen anderen Fällen wird es auch in fünf oder zehn Jahren noch Schlagzeilen zum Geburtenrückgang geben. Und das hat dann alles nichts mit „sinkendem Kinderwunsch“, „zu wenig Kinderbetreuungsstellen“, kinderbetreuungsunwilligen Männern oder anderem zu tun.

Was damit noch zusammenhängt: Wenn wir die allererste Tabelle mit den schönen Farben noch einmal betrachten, dann sehen wir dass das „rote Band“, das sich bis vor wenigen Jahren noch als geburtenstarke Jahrgänge im „Mütter-Alter“ gezeigt hat, bald in den Bereich kommt, in dem Menschen bei uns normalerweise sterben. Das bedeutet, GLEICHZEITIG mit dem Rückgang der Geburten wird es in den nächsten 20 Jahren einen MASSIVEN Anstieg bei den Todeszahlen geben. Und das bedeutet ohne Zuwanderung wird auch die Bevölkerungszahl in Österreich von Jahr zu Jahr geringer werden, weil die Sterbezahlen dann WEIT über denen liegen werden, die durch Geburten neu dazu kommen!