Je nachdem, mit wem wann spricht, hört man Sätze wie „ich kann mich noch gut erinnern, wir hatten es damals auch so heiß oder sogar noch heißer…“ oder auch „es war noch nie so heiß wie es derzeit ist…“
Da ich es selbst genau wissen wollte, habe ich die Tagesmaxima in einer Grafik dargestellt – und zwar immer nur den heißesten Tag des Jahres – also eine „Rekord-Kurve“:

Von Wien gibt es Daten zu jedem Jahr seit 1895 – also 131 Jahre lang. Ich habe mir heute erlaubt, die immer wieder erwähnten „Klimaperioden“ farblich zu markieren: gelb ist die von 1991 bis 2020, grün die von 1961 bis 1990, blau die von 1931 bis 1960 und grau die von 1901 bis 1930.
Weiters ist für jede Station das Jahr mit dem niedrigsten Maximum und das mit dem Rekordwert beschriftet. die schwarze Linie ist eine von Excel erstellte 10-Jahres-Durchschnitts-Linie.
Am Beispiel von Wien ist gut zu erkennen, dass es vor fast genau 100 Jahren im 10-Jahres-Mittel deutlich weniger heiß war am heißesten Tag des Jahres, dann stiegen die Werte rasch an bis 1935 – nach einem kurzen Absinken ginge es noch einmal nach oben bis 1965. von 1980 bis 1990 und von 1998 bis 2005 gab es zwei starke Anstiege. in den letzten 5 Jahren blieb das Mittel „stabil auf hohem Niveau“.

Die zweite Station mit durchgehenden Angaben ist Kremsmünster bei Linz. Hier sieht das Ganze vollkommen anders aus. Nach einem Hochstand, der in etwa dem von 2010 entspricht beim 10-Jahres-Mittel, sanken die Werte sehr stark ab bis 1915. Wirklich Bewegung gab es erst wieder ab 2008 mit einem fast so starken Anstieg wie der Abfall vor 110 Jahren es war. Interessanterweise ist der 10-Jahres-Mittelwert seit 2020 sinkend in Kremsmünster.

Auch vom Sonnblick in über 3.000 Meter Seehöhe gibt es durchgehend Daten. Auch hier gab es vor mehr als 100 Jahren einen (leichten) Rückgang beim 10-Jahres-Mittel. Von 1950 bis 2000 veränderten sich die Werte kaum, seit etwa 1995 steigen sie kontinuierlich an. Das wärmste Jahr war hier 2023 – der Temperaturunterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten Wert liegt auch im Hochgebirge bei ungefähr 10 Grad (+/- 1°C).

Auch Innsbruck liefert Zahlen seit 1895 – allerdings mit Lücken. Hier fällt auf, dass es JEDES Jahr zumindest einen Hitzetag gab, auch 1978, mit „nur“ 30,2 Grad. Außerdem war e sim Zehn-Jahres-Schnitt vor etwa 100 Jahren etwa gleich warm wie vor 10 Jahren. Ebenfalls gut zu sehen ist der derzeit wieder sinkende Trend, wenn es um den heißesten Tag des Jahres geht, der in Innsbruck im Jahr 2019 mit 38,5°C gemessen wurde bei der Universität.

Die letzte Station mit Werten bis 1895 zurück ist Salzburg – so wie in Innsbruck fehlen hier einige Jahre. Auch wenn es in Salzburg nicht immer für einen Hitzetag reichte, fällt die Ähnlichkeit mit der Kurve von Innsbruck insofern auf, als dass es auch hier vor etwa 100 Jahren deutlich wärmer war als in den 50 Jahren danach, wenn es um den heißesten Tag des Jahres geht. Der heißeste Tag des Jahres war hier im Jahr 1984 und auch hier geht der Trend zur Zeit eher abwärts.

In Zwettle gibt es Höchst-Temperaturen seit 1936. Gut zu erkennen ist der Temperaturrückgang in den 70er und 80er-Jahren und auch der rückläufige Trend bei den heißesten Tagen des Jahres zuletzt.

Diesen Trend sehen wir auch in Wörterberg, wo der Temperaturrekord aus dem Jahr 1950 stammt. Auch hier war das 10-Jahres-Mittel zuletzt eher gleichbleibend oder rückläufig und die Zeit mit den am wenigsten heißen Rekordwerten lag in den 80ern des vorigen Jahrhunderts.

In Reichenau an der Rax fallen vor allem die 70er-Jahre mit niedrigeren Temperaturmaxima auf. Genauso wie an vielen anderen Stationen ist das 10-Jahres-Mittel derzeit eher sinkend. Das heißeste Jahr war hier – wie auch in Folge noch öfter – das Jahr 2013.

Auch in Rauris war 2013 mit 34,6 °C der Rekordwert seit Messbeginn. Und auch hier ist das Zehnjahresmittel derzeit leicht sinkend.

In Langen am Arlberg war es laut Daten der gesophere austria im Jahr 1955 am wenigsten warm am heißesten Tag des Jahres und zwei Jahre später so heiß wie niemals davor oder danach. Wieder erkennen wir gut den derzeit absinkenden Trend beim Zehn-Jahres-Durchschnitt.

Lienz bietet uns wieder das Jahr 2013 als Rekordjahr an – auch hier sinkt das Mittel zur Zeit leicht ab und auch die wärmere Zeit rund um das Jahr 1950 ist gut zu sehen – obwohl einige Jahre davor fehlen in den Daten.

In freistadt stammt der Rekordwert mit 38°C aus dem Jahr 1950. Wie auch anderenorts war es im Jahr 1978 nie wirklich sehr heiß. nach einem Anstieg von 1975 bis 2020 scheint sich auch hier das Mittel wieder etwas abzusenken.

Das Zehn-Jahres-Mittel von Bruck an der Mur ist derzeit ziemlich ähnlich wie vor 15 Jahren.Nur in den Jahren vor 1942 gab es länger Jahre ohne Hitzetage, sonst war das nur mehr vereinzelt der Fall, zuletzt 1997.

Auch Bad Gleichenberg zeigt uns beim Mittel einen Anstieg rund um 1950, danach war es lange kühler bis 2005. Derzeit geht auch hier der Trend nach dem Rekordjahr 2013 eher wieder zurück, wenn es um den heißesten Tag des Jahres geht.

In Bad Bleiberg fehlen einige Jahre in den 80ern. sonst zeigt sich nichts grob anderes als bei den anderen Stationen, allerdings stammt der Rekordwert aller Jahre aus dem Jahr 2019.

Auch im Westen des Landes in Feldkirch war es um 1950 so warm, dass das Zehnjahresmittel erst nach 2008 wieder höher lag. Und auch hier gibt es derzeit keinen weiteren Anstieg zu sehen bei den heißesten Tagen des Jahres. Am allerheißesten war es im Jahr 1984, als 38,1°C gemessen wurden an einem Tag.
Fazit
Wenn es um den heißesten Tag des Jahres geht und nicht um Durchschnittswerte oder anderes, dann fällt auf, dass der Anstieg (bei den Extremen) derzeit fast überall entweder gleichbleibend oder rückläufig ist. Falls wir dieses Jahr im August noch eine Hitzewelle abbekommen, kann sich das natürlich noch ändern – derzeit geben alle Langfrist-Prognosen so ewtas nicht wirklich her.
Was auch sonst bei vielen Stationen auffällt: Im Zehn-Jahres-Durchschnitt war es kurz nach dem zweiten Weltkrieg fast gleich warm wie in der Zeit um 2005 – erst danach steigen die Temperaturmaxima des Jahres über diese Marken an.
Ich persönlich hoffe auf einige weitere Badetage für uns alle im Land und vielleicht macht sich ja ein solch stabiles Hoch, wie es derzeit über Skandinavien sein soll, bei uns breit im zweiten Teil der Ferien und sorgt für schönes Wander- und Freizeitwetter?
In Sachen „heißester Tag der Aufzeichnungen“ gibt es eher noch in Wien Chancen auf einen solchen, wenn ich mir die Daten anschaue. In Feldkirch stammen die Rekordwerte fast alle aus dem Juni oder Juli, in Wien liegen sie oft in der ersten Augusthälfte.