Vorarlberg ist ein Bundesland, das bei Wasserstands-Meldungen nicht nur generierte Grafiken und ausgewählte Daten liefert, sondern auch die gesamten Daten der Messgeschichte für Interessierte bereit hält. Ich habe mir drei verschiedene Grundwasser-Mess-Stationen gesucht, die schon seit mindestens 50 Jahren Daten liefern und versucht, die aktuellen Daten in einen historischen Kontext zu stellen:
Ludesch

Was wir hier sehen, ist eine „heatmap“ aller Tagesdaten aus Ludesch seit dem Jahr 1977. Rot bedeutet – auf das jeweilige Datum bezogen – niedriger Grundwasserstand, blau heißt hoher Pegel. Wir sehen auf den ersten Blick auch weiße Felder ohne Daten – das ist darum so, weil es in den Jahren 2004, 2005 und 2006 zum Teil keine Daten aus Ludesch gibt.
Ebenfalls klar erkennbar: Die jetzigen Werte gehören zu den niedrigsten der letzten 50 Jahre. Diese sind ansonsten erstens eher im Herbst und Frühjahr zu finden und zweitens eher in den Jahren VOR dem Jahr 2000.

Das ist praktisch dasselbe, nur anders dargestellt. Hier sind die einzelnen Spitzenwerte und Tiefstwerte im Laufe der Tage und Monate eine Jahres besser erkennbar. Seit ungefähr Ende Juni hat die pinke Linie des laufenden Jahres einen neuen „Tiefst“Nieder-Wasser-Rekord für den gesamten Juli und auch den August aufgestellt in Ludesch.
Was hier ebenfalls gut erkennbar ist, sind die extremene Spitzen bei Höchstwerten des Grundwasserpegels – diese stammen offensichtlich aus „Starkniederschlagsereignissen“ – sonst wären solche Spitzen wohl kaum erklärbar im Sommer.
Einige Jahre habe ich – neben 2026 – ebenfalls farbig hervorgehoben:
- 2023 (gelbe Linie) war offensichtlich überdurchschnittlich feucht mit Spitzenwerten im Mai und gegen Ende des Jahres.
- 2024 (orange) lag bis August immer über dem Mittel der letzten 50 Jahre, danach eher im Schnitt.
- 2025 (dunklrot) lag der Grundwasserpegel in Ludesch von Anfang des Jahres bis Ende Juli so gut wie immer unter dem Schnitt, danach entweder knapp darüber oder im Mittel.
- 2003 (hellgrün) war zuerst „normal“, dann sank der Pegel von Mitte Juni bis Anfang Oktober durchgehend ab und bildete am Schluss die vorerst niedrigsten Werte ab. Nach einem offensichtlichen Starknierderschlagsereignis Anfang Oktober gingen die Werte bis Ende des Jahres wieder durchgehend zurück.
- 1989 (hellrot) war fast das gesamte Jahr unterdurchschnittlich und die Werte zeigen immer noch den niedrigsten Wert für Juni – also auch niedriger als im laufenden Jahr!

Diese Grafik zeigt die einzelnen Jahre seit 1977: dunkelblau ist das Maximum des Jahres in Sachen Grundwasserpegel zu sehen, hellgrau ist die Linie mit den jährlichen Durchschnitt aller Tage und rotbraun ist die Linie mit dem Minimalwert des Jahres zu sehen.
Nie war der Grundwasserpegel höher als im Jahr 2013 mit einem Wert von 523,41 (Meter über dem Meer). Der niedrigste Wert stammt aus dem Jahr 1998 miz 518,51 – das sind mehr als 5 Meter weniger als der Höchstwert!
Das niedrigste Jahresmittel stammt aus dem Jahr 1990, wo der Schnitt aller einzelnen Tage einen Wert von 519,27 ergibt – das ist nur um 76cm höher als der absolute Tiefstwert aller 50 Jahre!
Feldkirch Nofels
In Nofels liegt eine Mess-Station, die bereits seit 1962 Daten liefert – also seit fast 65 Jahren!

Die Station im Rheintal und nahe am Zusammenfluss von Ill und Rhein lieferte den niedrigsten Wert im Februar 1990 – also in dem Jahr, in dem es auch in Ludesch beim Zusammenfluss von Lutz und Ill übers Jahr gesehen die niedrigsten Grundwasserpegel gab.
Am höchsten – und zwar über ganz lange Zeit – waren die Grundwasserstände von Anfang Juni bis Ende des Jahres 1965. Nur 1966, 1981 und 1982 lieferten sonst die Maxima über alle Tage des Jahr verteilt.
Interessant finde ich, dass 2026 derzeit nur ganz knapp einen neuen Tiefststand für den Sommer liefert. Sollte der Wert hier in den nächsten Wochen durch stärkere Regenmengen ansteigen, wird wieder der bisherige „Minumim-Rekord“ aus dem Jahr 1998 die unterste Linie bilden. Auch hier gab es neben 2026 (pink) noch andere Jahre, die farblich hervorgehoben wurden:
- 2023 (gelb) lag anfangs unter dem Mittel, dann längere Zeit im Mittel und war am schluss DEUTLICH über dem Schnitt.
- 2024 (orange) lag immer über dem Mittel, am Schluss jedoch nur mehr ganz minimal.
- 2025 (dunkelrot) begann und endete in ungefähr im Mittel, war in der Mitte des Jahres aber eindeutig unter dem Mittel der Grundwasserstände der letzten 65 Jahre.
- 2003 (hellgrün) begann über dem Mittel und sank mehr oder weniger das ganze Jahr hindurch ab ohne größere Anstiege – das deutet auf ein sehr trockenes Jahr hin.
- 1990 (hellrot) war außer im Februar und Anfang Juli immer ganz unten zu finden beim Stand des Grundwassers – übrigen war auch 1989 das ganze Jahr unterdurchschnittlich in Sachen Grundwasserstand.

Es verwundert daher nicht, dass wieder 1990 das Jahr war, in dem es einen sehr niedrigen Wert gab – dieses Mal bei den Minimalwerten, die fast 4 Meter niedriger lagen als der höchste Wert der letzten 65 Jahre im Jahr 1965. Noch niedriger war im Jahresmittel aller Tage nur das Jahr 1998. Der derzeitige Wert liegt „nur“ etwa 20 Zentimeter höher als das damalige Jahresmittel, aber noch etwas mehr als einen halben Meter über dem Allzeit-Minimum der Messgeschichte in Nofels.
Was bei dieser Grafik noch auffällt: In Nofels sanken die Werte tendentiell von 1962 bis etwa 1997, danach bleiben sie lange auf einem ähnlichen Niveau.
Bregenz
Die Station mit der längsten Messreihe in Bregenz liegt nicht direkt am Bodensee, sondern etwa 1,5 Kilometer vom Ufer entfernt. In Schendlingen wird seit 1964 durchgehend aufgezeichnet, wie hoch der Grundwasserpegel ist.

Als erstes fallen mir die extremen Spitzen im Mai und Juni auf – ich vermute Starkregen und Schneeschmelze in Zusammenspiel in diesen Jahren. Der Höchstwert stammt vom 3. Juni 2013 mit 400,64. Der niedrigste Wert zeigt auch nahe am Bodensee die enorme Schwankungsbbreite des Grundwassers: 396,26 am 6. Februar 1990 – das sind auch hier etwas mehr als 4 Meter Differenz! Einzelne Jahre:
- 2026 (pink) lag anfangs im Mittel, dann Ende Feburar deutlich darüber – seither sinkt die Linie ab zum niedrigsten Wert ab Anfang Juli bis heute – allerdings derzeit nur knapp niedriger als der Wert aus dem Jahr 1994.
- 2023 (gelb) lag immer über dem Mittel und Anfang Mai und Ende des Jahres sogar auf Rekordniveau.
- 2024 (orange) war anfangs und vor allem im Juni über dem Schnitt, ansonsten of ein wenig überdurchschnittlich.
- 2025 (dunkelrot) lag bis April im Schnitt, dann bis Mitte Juli darunter, ehe es Ende Juli sogar einen neuen Rekordwert gab. Danach bliebe wieder alles „mittelmäßig“, bis es im Dezember unterdurchschnittlich wurde.
- 1999 (hellblau) war Anfang März und Ende Mai rekordverdächtig hoch.
- 2007 UND 2008 waren beide immer unter dem Schnitt – eine sehr lange eher „trockene“ Zeit, wenn wir nach dem Grundwasser gehen!

Den Tiefstwert leifert wieder das Jahr 1990, das niedrigste Jahresmittel stammt aus dem Jahr 2007. Nie war der Grundwasserstand in Bregenz in den letzten 65 Jahren höher als im Jahr 2013. Auffallend ist auch das „Tal der Jahre s007 und 2008 – wo es offensichtlich keine großen Spitzen gab und daher sehr niedrige Werte bei allen drei Linien.
Fazit
Der Grundwasserpegel ist derzeit an allen drei Mess-Stellen, die ich wegen ihrer langjährigen Messreihen ausgewählt habe in Vorarlberg, am untersten Rand des um diese Jahreszeit üblichen. Vor allem in Ludesch liegt er DEUTLICH unter dem, was normalerweise um diese Jahreszeit zu erwarten ist. Oft sind die Werte auch nahe an den sonst eher im Februar üblichen tiefsten Ständen des Jahres.
Wir sehen allerdings auch, dass es oft schon ausreicht, wenn eine Zeit lang starke Regenfälle (was sollte es im Sommer sonst sein?) die Pegel an den Mess-Stationn steigen lassen – oft gehen diese Werte zwar auch wieder schnell retour, aber sie sorgen trotzdem für ein Ansteigen der Pegel. Sowohl bei den Minima und Maxima als auch beim Jahresmittel gehört 2026 zwar zu den trockenen Jahren, ist aber (noch) nirgends Spitzenreiter übers ganze Jahr gesehen – allerdings schon bei den Werten für Anfang August.
Wer kann sollte den immer noch sehr warmen Sommer genießen – ich persönlich tue das und hoffe, dass weder die recht haben, die die „Wüstenapokalypse“ herauf beschwören noch die, die behaupten, dass das alles zu einem großen Plan gehört, den Menschen weltweit das Wasser zu rationieren. Was das Jahr dann in der Gesamtblianz bieten wird, können wir derzeit noch nicht sagen.
Vielleicht ist es irgendwie ähnlich wie bei den Grafiken mit den vielen Linien oben: Auffallend sind immer die, die nach oben oder unten heraus stechen und nicht die große Masse an Linien dazwischen.