Trockenstes Jahr seit immer…

Noch nie war es in einem Zeitraum von 365 Tagen so trocken bei uns als im Zeitraum bis Mitte August 2026 – das hieß es zuletzt immer wieder in den Nachrichten. Natürlich zweifle ich nicht daran, dass das stimmt – es wäre ja geradezu ein Skandal, wenn eine Quelle wie die geosphere Austria das falsch darstellen würde.

Ich will es nur ganz kurz in einen etwas größeren Zusammenhang stellen:

Diese Grafik unten zeigt uns – ermittelt anhand von 16 Mess-Stationen aus ganz Österreich. Es handelt sich dabei um Feldkirch und Langen am Arlberg (beide V), Innsbruck, Lienz (beide T), Rauris und Salzburg (beide Salzburg), Kremsmünster und Freistadt (beide OÖ), Zwettl und Reichenau/Rax (beide NÖ), die Hohe Warte (Wien), Bad Bleiberg (Kärnten), Bad Gleichenberg und Seckau (beide Steiermark), Wörterberg (Burgenland) und die Station auf dem Sonnblick an der Grenze von Salzburg und Kärnten in 3000m Seehöhe.
Viele dieser Stationen liefern schon lange Daten zu den Niederschlägen, es ist allerdings NICHT so, wie es offiziell immer wieder dargestellt wird, dass wir in Österreich über Daten verfügen, die seit 1850 durchgehend für das ganze Bundesgebiet Zahlen liefern. Von den von mir verwendeten Stationen, die laut geosphere austria selbst (siehe hier) unter den 475 Stationen, die aktuelle Daten liefern, zu den 30 „altgediensteten“ zählen, liefern etwa nur sechs Daten aus dem Jänner 1895, weitere sechs seit dem Juli 1895. Zwei Stationen bieten sogar erst Daten nach 1935. Trotzdem denke ich, dass sie als „repräsentativ“ für Österreich gesehen werden können und ich habe natürlich berücksichtigt, wenn es zeitweilige Datenausfälle gab. Ob die Daten rund um den ersten Weltkrieg wirklich stimmen, darf bezweifelt werden, da gab es bei vielen Stationen große Mess-Lücken.

Wir erkennen an der Beschriftung der Grafik, dass es nie trockener war in 365 Tagen als bis zum 5. August 2026 (ausgenommen die Werte aus dem Jahr 1946, die quasi das Jahr rund um das Kriegsende darstellen). Der „trockenste Punkt“ liegt allerdings nicht Mitte August, sondern zu Beginn des Monats, weil es seit dort an manchen Mess-Stellen zu mehr Niederschlägen kam als vor einem Jahr, was die Kurve minimal steigen ließ.
Am zweitwenigsten Niederschlag in 365 Tagen gab es im Jahr 1947, als es vom 4. November 1946 bis zum 3. November 1947 nur um 0,1mm pro Tag weniger waren – das macht in Jahressumme dann 36,5 Liter mehr an Regen aus pro Quadratmeter – das sind im Monat nur etwa 3 Liter pro Quadratmeter. An dritter Stelle liegt ein Wert aus dem Jahr 1972, wo es von März 1971 bis März 1972 nur 0,3mm pro Tag mehr an Niederschlag gab, als derzeit.

Interessant finde ich, was passiert, wenn wir das Ganze auf ZWEI Jahre ausdehnen:

Im Schnitt gab es in den letzten 730 Tage vor dem 18. August 2026 2,48mm Niederschlag pro Tag an den 16 Messstellen, die ich immer verwende. Auch hier sticht wieder ein Wert aus der Zeit zum Ende des 2. Weltkrieges hervor, der unter 1,9mm liegt. lassen wir diesen weg, dann folgt einer aus dem Jahr 1943 mit 2,09mm pro Tag.
Wenn wir nun von Weltkriegs-Mess-Fehlern ausgehen, dann ist das absolute Minimum die Zeit vor dem 6.6.1985, wo es im Mittel aller 730 Tage nur 2,26mm pro Tag geregnet hat – das sind noch einmal fast 9% weniger an Niederschlag über zwei Jahre, als wir es derzeit messen können.
Auch im Juni 1926, im Oktober 1929, im August 1959 waren es deutlich weniger im Zweijahresmittel. Und von Jänner 1970 bis zum Jänner 1978 gab es sehr oft niedrigere Zweijahres-Niederschlagssummen als derzeit. Seit 1985 gab es nur mehr einmal so wenig Regen in zwei Jahre wie derzeit: in den zwei Jahre vor dem 16. Jänner 2005.

Fazit

Niemand bezweifelt, dass es derzeit sehr trocken ist und dass die Natur darunter leidet – außer er oder sie läuft mit Scheuklappen oder dem Blick nur auf das Mobiltelefon gerichtet durch die Gegend und sieht sich die Pflanzen nicht an. Es gibt sicher regional große Unterschiede, auch das ist erkennbar, wenn wir durch Gebiete fahren oder reisen und die Natur beachten.
Was mich jedoch überrascht hat, ist die Tatsache, dass es beid er Summe von zwei Jahren an Niederschlägen schon deutlich trockener war als heute. Der Grund ist gut erkennbar: VOR dem Abfall der Summewerte auf heute war es eine Zeit lang besonders feucht in Summe eines oder auch zweier Jahre.
Dass es gerade in den Siebzigerjahren fast das ganze Jahrzehnt eher weniger Niederschlag gab, war mir bis heute nicht bewusst.

Heute möchte ich mit einem Zitat aus dem Newsletter der Arche Noah enden, de rmich heute erreicht hat, darin werden Maßnahmen vorgeschlagen, die – neben dringend nötigen Unterstützungen für betroffene Landwirte – in Zukunft helfen sollen:

„Hier nur einige Maßnahmen, die das unterstützen würden:

  • Humusaufbau ist essenziell! So werden die Bodenfruchtbarkeit verbessert, Kohlenstoff gebunden und Wasser besser gespeichert.
  • Deutliche Ausweitung der Bio-Landwirtschaft mit vielfältigeren Fruchtfolgen, kleineren Feldgrößen und ohne Pestizide und künstliche Düngemittel.
  • Konsequentes Wasser-Management der Böden durch Renaturierung der Landschaften, Winterbegrünung der Felder und schonende Bodenbearbeitung.
  • Förderung trockenheitsresistenter Kulturen wie Hirse, Kichererbsen oder Linsen durch Verbreitung des einschlägigen Anbauwissens und Entwicklung entsprechender Vermarktungsstrukturen.
  • Mehr pflanzliches Eiweiß in der Ernährung.
  • Konsequente Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung: Eine Gesellschaft, die ein Drittel ihrer Nahrungsmittel wegwirft, ist langfristig nicht überlebensfähig!
  • Bündelung des Expert:innen-Wissens: Der Schulterschluss zwischen innovativen Landwirt:innen auf ihren Forschungsbauernhöfen, der Wissenschaft und der Landwirtschaftspolitik muss jetzt endlich gelingen!“