Trockenheit und Niederschläge

Neben vielen anderen Themen gibt es zur Zeit sehr viele Beiträge in allen Medien zu lesen über die Trockenheit. Ich habe mir die Niederschläge in Österreich angesehen und versucht, historische Daten und den aktuellen Stand darzustellen. Wie immer stammen meine Daten von der geosphere austria aus dieser Datenbank.

Das große Ganze

Ich verwende imnmer wieder die gleichen Stationen aus Österreich für meine Analysen. Darunter sind Stationen aus ganz Österreich, die seit sehr langer Zeit Daten liefern. Es handelt sich dabei um Feldkirch und Langen am Arlberg (beide V), Innsbruck, Lienz (beide T), Rauris und Salzburg (beide Salzburg), Kremsmünster und Freistadt (beide OÖ), Zwettl und Reichenau/Rax (beide NÖ), die Hohe Warte (Wien), Bad Bleiberg (Kärnten), Bad Gleichenberg und Seckau (beide Steiermark), Wörterberg (Burgenland) und die Station auf dem Sonnblick an der Grenze von Salzburg und Kärnten in 3000m Seehöhe.
Zur Ermittung der folgenden Daten habe ich zuerst für jeden Tag des Jahres einen Mittelwert errechnet – also alle verfügbaren Tageswerte durch die Anzahl der Stationen (manchmal gibt es nicht für alle Stationen einen Wert und in früheren Jahren haben manche Stationen auch noch keine Werte aufgezeichnet). Daraus habe ich dann eine Drei-Wochen-Summe errechnet für jede Station. Das bedeutet, dass zum Beispiel der Wert am 1. Jänner 2026 die Niederschläge der 21 Tage bis zum 1. Jänner aus dem Mittel aller 16 Stationen anzeigt. Damit verhindere ich einerseits, dass durch einzelne Starkregentage die Kurven extrem voneinander abweichen und andererseits gleicht sich durch die Verteilung der Stationen über ganz Österreich die unterschiedliche Niederschlagsverteilung im Land aus.

Das ganze als eine Grafik sieht dann so aus: Wir erkennen sofort, dass es sehr große Unterschiede gibt und auch Starkregenereignisse wie der Regen im September 2024 (rote Spitze) werden klar ersichtlich. Die letzten Jahre sind dabei eingefärbt: 2023 ist blau, 2024 ist rot, 2025 ist orange und 2026 ist gelb dargestellt.

Auf der folgenden Grafik ist nur mehr grau hinterlegt die „Spanne“ von Minimum bis Maximum zu sehen. Dadurch können wir die letzten Jahre besser betrachten:

Nun ist gut zu erkennen, dass das Jahr 2023 (blau), das eines der feuchtesten der letzten Zeit war, vor allem im April, Mai, Juli und ab November sehr feucht war. Das Jahr 2024 (rot) brachte zweimal rekordverdächtig hohe Niederschläge – im Frühling und im Herbst. Danach endete es sehr trocken. 2025 (orange) war von April bis September meist eher zu feucht, vor allem im Sommer weicht die Linie stark vom Durchschnitt (schwarz) ab. Vom Dezember 2025 bis zum jetzigen Zeitpunkt war es dann mit Ausnahme des März und Juni sehr trocken. Was auch gute zu sehen ist, sind die Unterschiede im Jahresverlauf. Wir haben im Juli und August normalerweise mehr Niederschläge als im Dezember und Jänner, und zwar deutlich mehr – sind es im langjährigen Mittel aller 16 Stationen im Winter weniger als 50 Liter in 3 Wochen, so sind es im Sommer im Schnitt mehr als 90.
2026 sorgte bereits dreimal kurz für Negativ-Rekorde: Einmal ganz zu Beginn des Jahres, dann wieder Anfang Mai und einmal ganz kurz Mitte Juli.

Die Jahressummen

Wenn wir die Summen der Niederschläge eines Jahres anschauen – wieder im Mittel der 16 Stationen – so zeigt sich, dass es einen sinkenden Trend beim 30-Jahres-Mittel gab (gestrichelte Linie), vor allem von 1920 bis 1950 – allerdings bin ich nicht sicher, ob die extrem niedrigen Werte aus dem Jahr 1945 relevant sind, da es dort größere Lücken gab in den Aufzeichnungen. Seit damals hat sich aber nicht mehr viel am Schnitt geändert, wenn wir ihn auf 30 Jahre berechnen.
Die hellblaue Linie zeigt die Summen der Niederschläge bis zum 29. Juli jedes Jahres. Hier fällt 2026 als „zweittrockenstes Jahr“ nach dem wahrscheinlich falsch dargestellten Jahr 1945 auf.
Gut zu sehen ist auch, dass insgeasamt 2023 und 2024 überdurchschnittlich viel Regen brachten, 2025 allerdings dann schon unter dem Schnitt lag. Wie sich das Jahr in Summe präsentieren wird, können wir noch nicht sagen, es ist aber damit zu rechnen, dass es eher unter dem Mittel bleibt, da die „Hauptniederschlagszeit“ nicht mehr allzu lange dauert.

Die Zweijahres-Summe

Diese Grafik zeigt uns noch die Zweijahres-Summen der Mittelwerte aller 16 Stationen. Hier fällt am Schluss das Absinken des Mittels auf – es gab allerdings auch in der Vergangenheit ähnliche Verläufe mit teils noch größeren „Talfahrten“ der Kurve und wir hatten beim Zweijahres-Mittel zum Beispiel 1969 oder 1985 noch deutlich geringere Summen.

Abweichungen vom Jahres-Mittelwert

Diese Grafiken zeigen und an, wie stark einzelne Jahre (blau, links) oder der Zeitraum von Anfang des Jahres bis Ende Juli (orange, rechts) vom Mittelwert aller Messjahre abweichen. Die Werte für 1945 sind wegen der Datenunsicherheit von damals grau hinterlegt.
Besonders feuchte Gesamtjahre waren 1896, 1906, 1910, 1915, 1965 und 1966 oder auch 2023. Trockene Jahre waren etwa 1971 oder 2003.
Der Zeitraum von 1. Jänner bis 29. Juli war besonders trocken in den Jahren 1911, 1971, 1992, 2003 und 2026 – wobei es mit Ausnahme von 1945 (Unsicherheitsfaktor) nie trockener war als dieses Jahr. Das in Zusammenspiel von trockenen Vorjahr und trockenem ersten Haljahr sorgt derzeit für Werte, die sehr niedrig sind und die Ursache für tiefe Pegelständen in Gewässern und beim Grundwasser.

Fazit

Es ist ein Zusammenspiel eines besonders trockenen Halbjahres 2026 und eines nicht allzu feuchten Jahr 2025, das derzeit für die besondere Situation sorgt. Für die Natur wäre es wichtig, dass es bald einmal flächendeckende, längere und ausgiebige Niederschlägge gibt, die aber nicht in der extremen Form fallen, wie es im September 2024 im Osten unseres Landes passiert ist. Noch liegen wir im Zehnjahres-Schnitt nicht allzu weit unter einer Trockenphase in den 80er und 90er-Jahren, wo es kaum „nasse Jahre“ gab – wenn die Trockenheit aber noch lange andauert, werden wir „Trockenrekorde“ bekommen, die wohl für längere Zeit gelten!
Drei Sachen fallen mir derzeit bei der Berichterstattung negativ auf: „Expertenwissen“, das von Menschen stammt, die jahrelang mit der Wasserversorgung zu tun hatten und die sagen, dass es in Sachen Trinkwasserversorgung kein Problem gibt, werden meist nur „nebenbei“ und recht kurz interviewt oder zitiert. Gleichzeitig fehlt mir oft die Thematisierung der größten Verbraucher im System – das sind nämlich NICHT die Privathaushalte. Und zum dritten tauchen plötzlich „Fachleute“ auf, die ich noch aus der Pandemie-Berichterstattung bei ganz anderen Themen kannte – und die klingen oft schon ähnlich „alarmiert“ wie damals…