Studium in Ö: Zahn-, Humanmedizin und Lehramt

Es geht im heutigen Beitrag ums Studieren in Österreich. Dafür habe ich mir drei Bereiche augesucht, in denen immer wieder von „Fachkräftemangel“ und „Nachwuchssorgen“ zu lesen ist: Basis sind die verfügbaren Zahlen dazu bei der Statistik Austria, die mit dem Studienjahr 2003/2004 beginnen.

Zahnmedizin

Die blauen Säulen stellen alle Studenten dar, die roten die der Erstsemestrigen. Wir sehen, dass es ab dem Studienjahr 2006/2007 offensichtlich einen Einschnitt gab – der Rückgang bei den Gesamtzahlen setzt sich bis 2010/2011 fort, danach steigen die Zahlen wieder, jedoch nie mehr auf das Niveau von vor 2006.Zuletzt braucht es in Summe die Erstsemestrigen der letzten sechs bis sieben Jahre, um auf die Gesamtzahl aller Studierenden zu kommen. Rechnerisch dauert daher das Studium der Zahnmedizin bei uns in Österreich etwa 6 bis 7 Jahre.

Der Anteil der im ersten Semester studierenden Personen ist fast immer zwischen 15 und 20%. Allerdings waren das vor 2006 mehr und dann drei Jahre deutlich weniger. Seit 2006 gab es beim Zugang zu Medizinstudien (siehe hier) eine „Österreicher-Quote“ von 75% – ob das ein Grund für den Einbruch der Zahlen ist, weiß ich nicht.

Wenn wir auf die Staatsbürgerschaft der Studenten schauen, zeigt sich das in der Zahnmedizin so: Bis 2008 lag der Anteil von österreichichen Staatsbürgern über 75%, seither sinkt dieser kontinuierlich und lag im Studienjahr 2020/21 zum ersten Mal unter 50%. Interessant ist auch, dass so genannte „Drittländer“ vor 20 Jahren anteilsmäßig weitaus stärker beteiligt waren als heute – der Anteil sank von fast 10% auf unter 5%.

Extrem stark gestiegen ist seit 2008 der Anteil von EU- und EFTA-Bürgern im Zahnmedizin-Studium: Waren es 2009 noch unter 20%, so sind es seit 2021 knapp über 50%!

Humanmedizin

In der Humanmedizin gibt es seit 2013 für alle dieselben Aufnahmtests – daher der rote Strich in der Mitte der Grafik. Die Gesamtzahl aller Studenten in diesem Bereich sank von 2003 bis 2011 jedes Jahr weiter ab, seither steigt sie durchgehend. Die Erstsemestrigenzahlen zeigen 2006 den gleichen „Bruch“ wie bei der Zahnmedizin.

Das zeigt sich auch beim Anteil all jener Personen, die im ersten Semester studieren: Nur von 2006 bis 2008 lag dieser unter 10%, davor war er meist um 20% und danach stieg er bis zur Einführung dieser Tests schnell wieder auf fast 20% an. Seither pendelt er zwischen ca. 15% und 18%. Bei der Humammedizin entspricht die Summe der im Jahr 2023/24 Studierenden in etwa 5 Jahren an Erstsemestrigen – das würde rechnerisch auf fünf Jahre Studiendauer schließen lassen – was zu wenig ist, da ein Studium 12 Semester – also sechs Jahre – dauert. Das lässt sich jedoch durch die steigende absolute Zahl an Studienanfängern (siehe weiter oben) erklären.

Was den Anteil an österreichischen Staatsbürgern unter denen, die Humanmedizin studieren, betrifft, so lag dieser 2003 bei etwa 85% und ist seither durchgehend gesunken (außer 2006). Heute sind es etwa 66% – also zwei Drittel. Der Anteil von so genannten „Drittstaaten“ hat sich kaum verändert und liegt immer bei etwa 4% bis 5,5%. Gestiegen ist der Anteil derjenigen, die eine Staatsbürgerschaft eines EU- oder EFTA-Staates besitzen – waren es 2003 „nur“ 10%, so stieg dieser Anteil bis 2019 auf 30%, seither bleibt er in etwa gleich.

Lehramt

Beim Lehramt müssen wir drei verschiedene Bereiche unterscheiden: Seit 2018 wird eine „Ausbildung von Lehrkräften für den vorschulischen Bereich“ geführt bei der Statistik Austria:

Zwischen 350 (2018) und fast 600 (2021) Auszubildende werden hier geführt – die Zahl ist zuletzt sinkend. Da es neu geführt wird, ist es nicht verwunderlich, dass anfangs fast 100% Erstsemestrige angeführt werden – deren Zahl sind seit der Einführung jedes Jahr weiter ab und liegt 2023 bei knapp über 100.

Was die Staatsbürgerschaft betrifft so sind das fast ausschließlich Menschen mit österreichischem Pass.

Das „Studium ohne Fachspezialisierung“ umfasst vor allem all jene, die das Lehramt für Volksschulen ausüben wollen. Hier stiegen die Zahlen von 2007 (2006 ist nicht angeführt) bis 2012/13 durchgehend an. 2013 wurde dann die Änderung der Ausbildung angekündigt – statt wie davor 3 Jahre sollte die Ausbildung auf ein Masterstudium und mindestens 5 Jahre verlängert werden – eingeführt wurde das dann mit 2015/16. Der „Erfolg“ ist deutlich sichtbar in einem Rückgang der Zahlen bis 2017. Erst danach begannen die Zahlen wieder in einem Maß zu steigen, wie sie es vor 2012 getan hatten.

Allerdings verzerrt die verlängerte Studiendauer hier das Bild, weil ja ab 2019 nur mehr die verlängerte Studiendauer galt – daher hier noch die Zahlen der Studienanfänger alleine. Ab 2012 sank deren Zahl bis 2015 ab, dann stieg sie ganz leicht bis 2019, wo es zu einem beachtlichen Anstieg kam, der erst 2023 wieder klar übertroffen wurde.

Interessanterweise sank genau mit der Einführung dieser Masterstudien die Zahl der Studenten im Bereich der „Ausbildung von Lehrkräften mit Fachspezialisierung“ – bis 2019 gingen die Gesamtzahlen deutlich zurück. Bei den Studienanfängern gab es bis 2013/14 steigende Zahlen, danach sanken diese bis 2017/18. Das einzige Jahr mit eindeutig mehr Studienanfängern war zuletzt das Studienjahr 2020/21:

Was den Anteil an Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft betrifft, so sind im Volksschulbereich seit 2007 immer mehr als 90% und im anderen Bereich immer rund 90% österreichische Staatsbürger. Die Grafiken rechts zeigen immer den Anteil bei den Studienanfängern – hier sind die Zahlen bei mit Fachspezialierung immer zwischen 80% und 90% und bei der Ausbildung ohne Fachspezialisierung schwanken sie zwischen 80% und 95%.

Zum Schluss noch ein Blick auf alle in diesem Bereich eingetragenen Studenten:

Die Zahlen waren 2013/14 am höchsten, sanken dann bis 2018/19 deutlich und seitdem stagnieren sie bei etwa 55.000 pro Studienjahr. Das sind deutlich mehr als vor 2010.

Fazit

Wir wissen, dass ganz viele Personen, die einen Beruf im medizinischen oder pädagogischen Bereich ausüben, in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen können und werden. Ein erster Blick auf die Gesamtzahl der Studenten in diesen Bereichen zeigt, dass es Unterschiede gibt: Beim Lehramtsstudium stagnieren die Zahlen bei insgesamt etwa 55.000 – diese Gesamtzahl könnte ab 2030 sinken, wenn die Ausbildung ab 2026 wie angekündigt auf 5 Jahre verkürzt wird, gleichzeitig kann es sein, dass dann wieder mehr Menschen dieses Studium wählen, weil es kürzer wird. In keinem Jahr seit 2003 waren es mehr als 15.000, die mit einem Studium in diesem Bereich begonnen haben. Verschiedene Berichte sprechen in den kommenden Jahren von rund 20.000 Lehrpersonen pro Jahr, die in Pension gehen – das „Problem“ des Lehrermangels wird sich also sicher verstärken bis 2030…

Bei den medizinischen Studien hat mich sehr überrascht, dass in Österreich mehr als die Hälfte, die Zahnmedizin als Studium gewählt haben, KEINE österreichischen Staatsbürger sind. Auch bei den Humanmedizinern sind etwa 30% aus dem Ausland – der Großteil ist in beiden Fällen aus EU- oder EFTA-Staaten. Ob diese sich nach Abschluss des Studiums eintscheiden, in Österreich zu bleiben oder nicht, ist fraglich. Genauso wird es auch unter denen, die einen österreichischen Pass haben, welche geben, die ins Ausland gehen, um ihren Beruf auszuüben.

Laut Ärztekammer erreichen in den zehn Jahren ab 2024 rund 19.000 Ärzte das Alter von 65 Jahren. Dem gegenüber stehen etwa gleich viele österreichischen Staatsbürger, die in den letzten zehn Jahren ein Medizinstudium begonnen haben. Dazu kommen noch einmal rund 14.500 ausländische Staatsbürger, die Humammedizin studieren in Österreich.

In allen Bereichen, für die ich hier Zahlen analysiert habe, werden wir erst in gut fünf bis zehn Jahren wissen, ob es wirklich zu wenig oder auch viel zu wenig neue „Fachkräfte“ gibt. Im Bereich des Lehramts wird durch „Quereinsteiger-Angebote“ das schlimmst bereits etwas abgefedert. Im medizinischen Bereich stelle ich mir das (noch) schwieriger vor. Angesichts der Tatsache, dass die Altersverteilungen des bestehenden Personals seit vielen Jahren bekannt sind, stellt sich auf jeden Fall die Frage: Warum wurde da nicht mehr unternommen bzw. (siehe Verlängerung der Lehramtsstudienzeit) sogar „dagegen gearbeitet“ mit widersinnigen Argumenten? Und hier auf KI als Lösung zu hoffen, erscheint mir nicht der richtige Weg zu sein.