Österreichs „14 Uhr-Hitzetage“ im Mai

Mit Interesse habe ich diesen Artikel beim ORF gelesen: https://orf.at/stories/3431121/

Da ich selbst die Daten der „geosphere austria“ seit längerem für 16 Stationen genauer analysiere und auswerte, habe ich mir diese Stationen angeschaut für den Mai. Und weil es in vielen Stationen früher nur Messungen morgens, abends und um 14 gab, habe ich dafür die 14-Uhr-Temperaturen ausgewählt, damit es aussagekräftiger wird.
Es handelt sich also hier NICHT um die Tagesmaxima, sondern um Temperaturen, die jeden Tag um 14 Uhr aufgezeichnet wurden seit 1895 (bzw. seit Messbeginn an den Stationen). Also sind das eigentlich keine „Hitzetage“, denn das sind Tage, an denen das Thermometer irgendwann am Tag über mindestens 30°C anzeigt – und das können natürlich mehr sein, als hier angegeben, weil es auch früher oder später so heiß gewesen sein kann!

In Bad Bleiberg (K), Langen am Arlberg (V), Rauris (S), Salzburg (S), Seckau (st), Wörterberg (B), Zwettl (NÖ) und selbstverständlich am über 3000 Meter hoch gelegenen Sonnblick gab es nie im Mai um 14 Uhr einen Tag, an dem es über 30 Grad hatte.

Bleiben noch 8 Stationen in Österreich übrig von den 16, die ich immer wieder verwende: Bad Gleichenberg (St), Feldkirch (V), Freistadt (OÖ), Innsbruck (T), Kremsmünster (OÖ), Lienz (T), Reichenau/Rax (NÖ) und Wien (W). In der untenstehenden Tabelle sehen wir, an wie vielen Tage im Mai es um 14 Uhr an diesen Stationen mehr als 29.9°C hatte. Bei jedem Ort gibt es zwei Spalten: links stehen die Tage seit Messbeginn und rechts die, die seit 1991 gemessen wurden:

Gehen wir das Ganze so an, dass wir nach Häufigkeit sortieren:

In Kremsmünster gab es nur ein einziges Mal einen solchen Tag, es war der 29. Mai 2018 mit 31,1 Grad. Aussagekraft ist daher keine vorhanden.

In Freistadt gab es seit Messbeginn sieben „Hitzetage“ um 14 Uhr – vier davon wurden nach 1991 gemessen, die anderen drei davor – das sind 57,1%, die VOR 1991 gemessen wurden.

In Wien waren es zehn Tage seit 1895, an denen es im Mai um 14 Uhr mindestens 30 Grad hatte. Sieben davon – das sind 70%, wurden erst seit 1991 gemessen – interessanterweise die zwei frühesten Hitzetage im Mai (11. Mai und 15. Mai) jedoch schon vor 1991.

In Bad Gleichenberg und Feldkirch gab es 11 Hitzetage im Mai um 14 Uhr seit Messbeginn. Im Süden der Steiermark wurden gut die Hälfte davon (54,5%) erst seit 1991 gemessen, in Vorarlberg waren es fast drei Viertel (72,7%).

Die Daten aus Reichenau an der Rax widersprechen dem ORF-Artikel vollkommen: Nur drei der 13 dort seit Messbeginn aufgezeichneten Hitzetage – das ist nicht einmal ein Viertel (23,1%) wurden seit 1991 gemessen, alle anderen davor!

Lienz in Osttirol verzeichnet 15 Hitzetage im Mai um 14 Uhr seit dort die Temperaturen gemessen wurden. Wie in Feldkirch wurden fast drei Viertel davon nach 1990 gemessen.

Am alle meisten Tage mit mindestens 30 Grad um 14 Uhr seit Messbeginn wurden in Innsbruck gemessen: Ganz 40 Mal gab es dort um 14 Uhr einen „Hitzetag“. Ca. zwei Drittel (67,5%) davon stammen aus den Messdaten seit 1991.

Fazit

Anders als beim ORF-Artikel habe ich nicht Hitzetage in 30-jährigen „Klimaperioden“ miteinander verglichen, sondern einfach einmal alle 14-Uhr Temperaturen seit Messbeginn mit denen seit 1991 verglichen. Wir alle wissen, dass die Zeit von 1961 bis 1990, mit der immer wieder unsere jetzigen Temperaturen verglichen werden, eine war, in der es deutlich kühler war als davor und danach.

Das Ergebnis bestätigt vielerorts die Aussage, dass es zuletzt häufiger Hitzetage gab als früher – allerdings sticht Reichenau an der Rax mit einem gegenteiligen Ergebnis heraus.

Am aussagekräftigsten sind wohl die Werte aus Innsbruck, wo es schon 40 Mal um 14 Uhr mindestens 30 Grad gegeben hat im Mai seit 1895: Der wärmste Mai-Tag aller Zeiten an der Messstation an der Uni stammt hier übrigens aus dem Jahr 1969 – damals hatte es am 14. Mai bereits 33,3 Grad Celsius! Am zweitwämsten war es im Jahr 2005, als es am 28. Mai 33,1 Grad hatte.

P.S.: Besonders „bemerkenswert“ finde ich den Absatz gegen Ende, wo doch glatt durch eine „Studie“ bewiesen wurde, dass nicht jede Hitze gleich empfunden wird und dass zB „trockene Hitze“ leichter ertragen wird von uns Menschen als „feuchte Hitze“… zum Glück gibt es für so etwas Studien, sonst wüssten wir das alle nicht! *ironieaus*