Iberische Waldbrände

Derzeit wird viel berichtet über die schlimmen Waldbrände in Spanien. Vorne weg: Natürlich ist das Ganze ein Katastrophe, vor allem auch für die Menschen, Pflanzen und Tiere, die davon betroffen sind. Ich will versuchen, das Ganze ein wenig einzuordnen. Beginnen wir mit dieser Meldung des ORF vom 21. August 2025 zum Ganzen:

Ich bin so gestrickt, dass ich immer gerne gegenchecke, ob das, was irgendwo geschrieben steht auch stimmt. Daher schauen wir uns die Daten von „Copernicus“ an, einem Datenportal der EU und der NASA zu Waldbränden:

Erstens: Es stimmt offensichtlich, dass es zumindest annähernd 1 Million Hektar sind, die in der EU dieses Jahr verbrannt sind. Was nicht erwähnt wird, ist, dass es bis vor wenigen Wochen ein „unterdurchschnittliches“ Jahr war in der EU in Sachen Waldbrände. Erst die extremen Ausmaße von Bränden der letzten und vorletzten Woche ließen die Zahlen so ansteigen.

Auch was Spanien betrifft sind die Zahlen und die Entwicklung eine ähnliche. Allerdings fehlen hier – vielleicht ist das auf die zwei fehlenden Tage zu schieben vom 19.8. (Copernicus-Daten) bis zum 21. 8. (EFFIS laut ORF-Bericht). Und seit 2012 gab es wirklich nie mehr verbrannte Fläche in Spanien in einem Jahr – auch wenn das nicht „noch nie“ bedeutet.

In Portugal sieht die Sache – zum Glück – besser aus: Zwar gab es auch hier starke bzw. große Brände zuletzt und auch einen neuen Höchstwert für Mitte August – wenn jedoch nicht mehr allzu viel passiert in Sachen Brände, wird das Jahr noch weit unter dem Rekordwert von 350.000 Hektar verbranntem Land bleiben können.

Geschichtliches

Diese Abbildung stammt aus einer „Waldbrand-Studie“ des WWF. Sie zeigt und zwar nicht die verbrannte Fläche, aber die Anzahl der Feuer in Spanien und Portugal von 1960 bzw. 1980 bis 2010. Entweder wurden die Feuer damals anders gezählt als heute, oder die Zahl ist DRAMATISCH gesunken:

Für die Zeit seit 2012 werden bei Copernicus nämlich weniger als 500 (Portugal) bzw. 650 (Spanien) Waldbrände angegeben als Maximum für diese Jahre. Das erscheint im Vergleich zu den EU-Zahlen von 2005 schon „verdächtig“ wenig zu sein. Interessant ist in dem Zusammenhang auch diese Tabelle aus der WWF-Studie:

Demnach sind in Spanien im Jahr 2005 mehr als 188.000 Hektar Land verbrannt – das ist allerdings nicht einmal die Hälfte von diesem Jahr. Im Jahr 2022 waren es laut Copernicus-Daten jedoch fast 350.000 Hektar, also nicht viel weniger als es bisher im Jahr 2025 waren. In Portugal hingegen, das deutlich kleiner ist, waren es im Jahr 2005 mit 338.000 Hektar – nur 2017 waren es laut Copernicus mit 350.000 noch mehr. Allerdings erwähnt der WWF-Bericht ein anderes Jahr mit Rekordwerten: 2003 verbrannten in Portugal 425.000 Hektar! Das ist etwas mehr als das gesamte Burgenland!

Ebenfalls interessant sind die Brandursachen – im WWF-Studienbericht finden sich auch dazu Angaben:

So waren nur 5% der Brände in Spanien und 1% der Brände in Italien und Portugal gesichert natürlichen Ursprungs. In Spanien wurden für 2010 sogar 68% aller Brände als gesichert absichtlich gelegte Brände klassifiziert!

Das große Ganze

Was ebenfalls nirgends erwähnt wird in dem Bericht, ist, dass die Situation zwar in Spanien extrem war – aufgrund der Bränder der letzten Wochen. Europaweit gesehen sieht die Situation jedoch anders aus:

Noch nie seit 2012 (weiter zurück reichen die Daten von Copernicus nicht) gab es insgesamt (rechte Grafik) WENIGER verbrannte Flächen in Europa als 2025. Auch die wöchentlich verbrannten Flächen pro Woche (links) waren bis auf wenige Ausnahmen immer unterdurchschnittlich, seit Anfang Juli sogar meist so gering wie „noch nie“ in den Daten. Wenn wir jetzt den grauen Bereich links (Minima und Maxima seit 2012) beachten, dann können wir darauf hoffen, dass auch nicht mehr allzu viel dazu kommt, denn die Wochen mit den stärksten Bränden der Jahre 2012 bis 2024 liegen bereits hinter uns.

Auch in Afrika war das Jahr 2025 bisher das mit den wenigsten verbrannten Flächen bis Mitte August.

In Süd-, Mittel und Nordamerika gab es zuletzt nach einem durchschnittlichen Start ins Jahr ebenfalls einen Rückgang im Vergleich zum Mittel und die rote Linie für 2025 ist schon fast die niedrigste seit 2012.

Asien? Fehlanzeige – auch hier liegen die verbrannten Flächen fast im unteren Rekordbereich für 2025.

Einzig in Ozeanien liegen die Zahlen derzeit ganz knapp über dem Mittel der Jahre 2012 bis 2024 – die Hauptzeit für Waldbrände folgt hier allerdings erst im September und Oktober.

Auch weltweit gesehen gab es seit etwa Mitte Juni von 2012 bis 2024 nie weniger verbrannte Flächen als 2025.

Fazit

Spanien – beziehungsweise Teile des Landes – hat es wirklich schlimm erwischt in den letzten zwei bis drei Wochen, wenn es um Waldbrände geht. Ich habe zuletzt einen „Faktencheck“ des Bayrischen Rundfunks durchgelesen zu einem anderem Thema. Dort wurde sinngemäß – völlig zurecht – darauf hingewiesen, dass wir Menschen dazu neigen, Einzelereignissen (in dem Fall Jahren) zu viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und dass nur ein Blick aufs große Ganze die wirklichen Zusammenhänge zeigt. Und wenn wir uns anstatt auf Spanien zu achten das Jahr 2025 weltweit oder in Europa anschauen, dann war es – außer in Ozeanien – auch in allen Erdteilen eines der „besten“ in Sachen verbrannte Flächen – sprich nur selten verbrannten bis Mitte August weniger Flächen als 2025.

In Zusammenhang mit Bränden bin ich noch auf einen interessanten Artikel aus dem Spiegel von 1985 gestoßen, wo es unter anderem um die spanischen Wälder geht: Dieser Absatz daraus lässt erahnen, dass der Mensch nicht nur durch Brandstiftung am Verschwinden großer Waldflächen, die es einst in Spanien fast überall gab, beteiligt war:

Uns bleibt zu hoffen, dass die Brände in Spanien jetzt mit den sinkenden Temperaturen bald vollständig gelöscht werden können und das Jahr 2025 in Sachen Brände global gesehen so „harmlos“ bleibt, wie es sich bisher gezeigt hat!