Am Samstag hatte ich Zeit, die Zeitung (in Teilen) zu lesen – dabei gab es einen Artikel, in dem es um die Haushalte in Vorarlberg ging. Unter anderem war dort folgende Grafik zu finden:

Im Artikel ging es unter anderem darum, warum die Zahl in den letzten Jahren so gesunken ist und dass das wohl so weiter gehen wird. Als mögliche Ursachen waren dabei aufgeführt: der jüngste Geburteneinbruch, die schwache wirtschaftliche Entwicklung könnte zu weniger qualifizierter
Zuwanderung führen und eine restriktive Politik, die zu weniger Asylverfahren und Familiennachzug führen werde.
Zahlen der Statistik Austria seit 2004
Ich habe mir dazu selbst Zahlen aus der Datenbank der Statistik Austria gesucht und gebe diese hier in Form von Grafiken weiter:

Diese Grafik zeigt die absolute Zahl der Geburten und Gestorbenen in Vorarlberg seit 2004. Wir sehen: Die Geburten (blau) gingen von 2004 bis 2013 eher zurück und stiegen dann bis 2021 wieder an, lagen damit über denen von 2004 – danach ging es „bergab“ auf den schon erwähnten Tiefst-Stand im Jahr 2025. Die Todesfälle stiegen hingegen seit 2004 fast durchgehend an, erreichten 2022 (und nicht etwa 2020 oder 2021!) einen Höchststand, seither gehen sie wieder etwas zurück.
Grundsätzlich einen weiteren Rückgang bei den Geburten zu erwarten, wie es der „Experte“ im VN-Artikel macht, kann ich zahlenmäßig daran festmachen, dass es vor allem rund um das Jahr 2000 sehr wenige Geburten in Vorarlberg gab und diese Gruppe an Personen nun immer mehr in das Alter kommt, in dem die meisten Frauen ihr erstes Kind bekommen. Gleichzeitig fallen altersmäßig „oben“ bei den Müttern geburtenstärkere Jahrgänge heraus.
Gleichzeitig wird unsere Bevölkerung immer älter und die wirklich sehr starken Geburtsjahrgänge aus den 60er-Jahren kommen langsam immer mehr in die Altersgruppe, in der die meisten Menschen in Österreich sterben.
Anders gesagt: Nicht nur ist mit gleichbleibenden oder sinkenden Geburtenzahlen zu rechnen, sondern die Anzahl der Todesfälle wird in den nächsten 20 bis 30 Jahren stark zunehmen.

Das ist die Grafik, die anzeigt, um wie viele Personen Vorarlbergs Bevölkerung in den letzten 20 Jahren angewachsen ist pro Jahr. Alleine mit der Bilanz aus Geburten minus Sterbefälle wäre eine immer weiter sinkende Kurve zu erwarten. Diese davon abweichende Kurve kann nur durch Zuzug von Menschen von außerhalb Vorarlbergs erklärt werden.

Und siehe da – wenn wir das ausrechnen, sehen wir, dass bis auf das Jahr 2011 immer ein „Überschuss“ durch Zuzug entstanden ist. Vor allem im Jahr 2016 und im Jahr 2023, als jeweils mehr als 4000 Menschen zugezogen sein müssen, damit sich die Bevölkerungszahlen erklären lassen.
Hoppla!

Und jetzt kommt das seltsame: Bei der Datenbank, die ich konsultiert habe, sieht die Zahl der „neuen Haushalte“ ganz anders aus als im VN-Artikel – seit 2004 waren es immer zwischen 1422 (2008) und 2700 (2023) Haushalte mehr als im Vorjahr, die es in Vorarlberg gegeben hat. Einen solchen Abwärtstrend wie es im VN-Artikel dargestellt wird, kann ich nicht nachvollziehen mit den Zahlen der Statistik Austria in folgender Statcube-Datenbank: Privathaushalte (Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung). Auch gab es vor etwa 20 Jahren einige Jahre mit eindeutig sehr wenigen neuen Haushalten – diese Daten fehlen allerdings in der Zeitreihe bei den VN.
Was hier bei diesen Daten sehr wohl erkennbar ist, dass die Kurve der neuen Haushalte der Kurve „Zuzug“ oder auch „Bevölkerungsentwicklung“ sehr ähnelt.
Fazit

Wenn wir nun die beiden Kurven „neue Haushalte“ und „Bevölkerungsenticklung“ übereinander legen, dann zeigt sich, dass es zwar ähnliche Verläufe gibt, jedoch keine genaue Deckungsgleichheit. Grundsätzlich sind wir seit 2004 in Vorarlberg jedes Jahr „gewachsen“, was sowohl die Bevölkerungsentwicklung angeht als auch die Zahl der Haushalte.
Woher die extrem niedrigen Zahlen der Grafik der VN stammen, ist mir nicht klar. Eine Erklärung, die aus meiner Sicht ebenfalls Sinn macht, die aber nirgends erwähnt wird, fehlt mir zudem, wenn es um die Haushalte geht: Vielleicht können sich viele, vor allem junge Menschen schlicht und einfach einen eigenen Haushalt nicht mehr leisten in unseren Zeiten und bleiben entweder „zuhause“ oder ziehen mit anderen zusammen in eine Wohngemeinschaft (= ein statt mehrere Haushalte)?