Wie so oft ist ein ORF-Beitrag der Anlass für mich, nach Zahlen zu suchen.

Und leider muss ich sagen: Es gibt zwar Zahlen zum Grundwasser für Österreich, allerdings sind die dort abrufbaren Daten alle nur bis 2022 zu finden. Warum, ist mir nicht klar. Daher kann ich nur die historischen Entwicklungen bis 2022 aufzeigen und nicht die aktuellsten Daten, wenn ich die Werte von https://ehyd.gv.at verwende. Da jedoch oben die „Klimakrise“ als Ursprung des Grundwassermangels angesprochen wird, bin ich mir sicher, wir werden das in den langfristigen Verläufen der Grundwasserspiegel in Österreichs Bundesländern gut nachvollziehen können, auch wenn uns die letzten zweieinhalb Jahre fehlen – oder?
Wien

Vom 22. Bezirk gibt es Daten, die bis 1993 zurück reichen – sie zeigen (gepunktete Linie) langfristig einen Trend zu steigendem Grundwasser. Den Tiefstwert der Monatsmittel gab es im März 1994, den Höchstwert im September 2001.
Für Wien habe ich noch eine zweite interessante Grafik: Die Jahres-Tiefst-Stände des Grundwassers im neunten Bezirk:

Auch wenn es hier am Ende einen Rückgang gibt, errechnet Excel einen ansteigenden Trend, vor allem, weil es in den 60er-Jahren offensichtlich niedrigere Tiefstwerte beim Grundwasser gab als zuletzt.
Steiermark

In der Steiermark habe ich gleich drei Grafiken vorbereitet: In Bruck an der Mur ist der Grundwasserspiegel im Monatsmittel tatsächlich sinkend im Trend – um etwa 25 cm. Was hier besonders auffällt, ist, dass es seit 2015 kaum mehr große Schwankungen innerhalb eines Jahres gab – ähnlich wie in den Jahren 2000 bis 2003.

Die zweite Zeitreihe stammt aus Kapfenstein in der Südoststeiermark. Auch hier sank der Trend seit 1998 ab – um etwa 5 cm. Und auch hier gab es zuletzt weniger Schwankungen als früher.

Aus Graz haben wir Daten für fast 80 Jahre! Gut zu sehen ist, dass der Grundwasserspiegel um die 70er-Jahre deutlich niedriger war als davor und auch heute. Insgesamt zeigt der Trend seit damals eine leicht Steigung an beim Grundwasserspiegel – um etwa 10cm.
Kärnten

Aus Kärnten gibt es wenige Stationen mit langjährigen Datensätzen. Eine davon ist Judendorf. Dort sank der Grundwasserspiegel im Monatsmittel seit 1970 um einen guten halben Meter ab. Verantwortlich für diesen Trend ist allerdings ein deutliches Absinken von 1970 bis etwa 1990 – danach hat sich wenig verändert.
Niederösterreich

In Sonnberg in NÖ gibt es ebenfalls einen rückläufigen Trend beim Monatsmittel des Grundwassers seit 1996. Allerdings ist auch hier zu sehen, dass der Rückgang vor 2010 passierte – seither geht es eher etwas aufwärts und im Gegensatz zur Steiermark schwankt der Grundwasserspiegel zuletzt mehr als früher.

Rabensburg an der Grenze zu Tschechien hat einen stark rückläufigen Trend seit 1939. Etwa eineinhalb Meter höher war der Grundwasserpegel damals dort. Allerdings relativiert sich das Ganze sehr, wenn wir nur die Jahre ab 1980 nehmen:

Seit damals STEIGT der Grundwasserspiegel im Monatsmittel nämlich wieder leicht an!
Oberösterreich

In Kreisbichl in OÖ steht eine der Mess-Stellen mit der längsten Datenreihe in OÖ – auch hier gibt es mehr als 90 Jahre an Messgeschichte. Der Trend zeigt einen Rückgang des Pegels um etwas mehr als einen Meter. Im Gegensatz zu Rabenberg sank das Grundwasser hier auch in den letzten Jahren weiter ab.

Aus Sattledt in der Nähe von Linz gibt es Daten ab 1991 – allerdings fehlen die Jahre 1996 bis Mitte 2003. Im Trend ergibt sich hier auch ein leichter Rückgang – auffallend ist das Fehlen der dort früher üblichen Spitzen ab dem Jahr 2019.
Burgenland

Illmitz am Neusiedlersee zeigt uns, warum vor etwa 3 Jahren viel über das Austrocknen des Sees geschrieben wurde. Der Trend seit 1966 ist rückläufig, um etwa einen halben Meter. Ganz zuletzt im Jahr 2022 gab es jedoch sehr niedrige Grundwasserstände – ich gehe davon aus, dass sich die Lage wieder stabilisert hat, weil entsprechende Schlag-Zeilen seither eher fehlen.

Auch Wallern liegt noch in der Nähe des Sees – genauer gesagt etwas östlich davon. Auch hier zeigt der Trend seit 1953 sinkende Zahlen – fast 1,5 Meter weniger als vor 70 Jahren!

Aber auch hier relativiert sich alles, wenn wir nur die letzten 40 Jahre betrachten – Seither gibt es kaum mehr einen Rückgang!

Weiter südlich im Burgenland liegt Pinkafeld – dort gibt es nur Daten seit 1988 – und hier ist der Trend sogar steigend. Etwa 30 cm höher liegt der Grundwasserpegel hier im Trend seit damals!
Salzburg
Aus der Stadt Salzburg reichen die Daten nur bis 1997 zurück:

In diesen 25 Jahren ist der Trend des Grundwasserspiegels leicht ansteigend.

Thurnberg liegt etwas weiter südlich und hat für Salzburg mit Daten bis 1976 weit zurückreichende Werte zu bieten. Auch hier ist der Trend steigend – um fast einen Meter! Auffallend sind hier zwei Extremwerte im unteren Bereich in den Jahren 1990 und 2014.
Tirol

Lienz und Osttirol gehören zum Bundesland Tirol. Hier ist der Trend von 1997 bis 2022 sinkend – um mehr als einen Meter. Gut zu sehen ist, dass es in den Jahren 2015 bis 2018 noch niedrigere Grundwasserstände gab als 2022.
Interessant finde ich den Grundwasserstand in Schwaz in Nordtirol:

Hier kann bitte niemand von einem starken Anstieg oder Rückgang sprechen – oder? Und da eigentlich angegebn ist, dass es sich um Meter über dem Meeresniveau der Adria handelt, frage ich mich: Sinkt und steigt der Wert in Schwaz wirklich jedes Jahr um etwa 25 Meter? *grins*

In Thaur gibt es Daten bis 1985 zurück. Der Trend zeigt einen Rückgang um etwa 10cm seit damals.
Vorarlberg
Endlich ist einmal meine Heimatgemeinde in den Daten vertreten!

In Nüziders ist der Grundwasserspiegel im Monatsmittel seit 1980 verfügbar. Seit damals ist der Trend steigend um etwa 50 cm! Auffallend ist der Rückgang in den 80er-Jahren und dann wieder der Anstieg bis zum Jahr 2000.
Viel weiter zurück gehen die Daten nur wenig entfernt:

In Thüringen gibt es Daten aus den 50er-Jahren und ab etwa 1962 durchgehende Datenreihen: Der Trend ist leicht steigend, vor allem seit den 80er-Jahren.
Fazit
Ich habe mir – zuerst wahllos, dann vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Stationen länger zurückreichende Daten haben – Stationen aus Österreich heraus gesucht, die Werte zu den Grundwasserpegeln liefern können im Monatsmittel.
Dabei gibt es durchaus Stationen mit sinkenden Pegeln, allerdings auch solche, wo das Grundwasser zu steigen scheint. Sehr entscheidend sind auch die Zeiträume, die zum Vergleich heran gezogen werden (können). Ich habe – wie immer – den Gesamtzeitraum dargestellt, um möglichst viel an Daten aufzeigen zu können.
Um auf den ursprünglichen ORF-Beitrag zurück zu kommen: In Stallehr, so wird dort geschrieben, gab es noch nie einen so niedrigen Pegel wie 2025. Das stimmt – dazu zwei Bemerkungen: Erstens reichen die Daten dort nur bis 1988 zurück (es handelt sich um Tagesmittelwerte und nicht Monatsmittel). Und ein gutes Beispiel, wie schnell sich das ändern kann, liefern die Daten von ebendort (Quelle – siehe hier) aus dem Jahr 2016: Dieses war von Anfang des Jahres bis etwa Mitte April fast durchgehend das mit den niedrigsten Stand, dann sorgten offensichtlich Niederschläge und/oder Schmelzwasser für einen Anstieg über das Mittel der Jahre 1988 bis 2024.

Die zweite genannte Station ist Höchst:

Hier zeigt sich, dass der „historische Tiefststand“ nur knapp unter dem bisherigen liegt und auch, dass das Jahr 2024 – als es keine solchen Texte zu lesen gab über Vorarlberg oder Westösterreich – das Gegenteil zeigte. Damals sorgte demnach „die Klimakrise“ sogar fast für einen historischen Höchststand Mitte Juli…
Nachsatz: Im Sommer 2018 mussten in Vorarlberg viele Alpen und sogar einige Orte wegen Wasserknappheit mit Wasser aus anderen Quellen oder Orten versorgt werden. Das zeigte sich damals in Stallehr nicht wirklich beim Grundwasserspiegel – oder wenn, dann verzögert:

Ich bin gespannt, wie lang es dauert, bis die starken Regenfälle in der zweiten Julihälfte sich auf den Grundwasserspiegel der Gemeinde am Eingang des Klostertals und Montafons auswirken wird! Schöne Grüße aus dem Ländle, wo es derzeit keine 15 Grad hat draußen und für die nächsten drei bis vier Tage zum teil über 100 Liter an Niederschlägen angekündigt sind, weil wir offensichtliche genau im „richtigen“ Bereich eines Höhentiefs zu liegen kommen, wie es aussieht.