Wieder einmal eher per Zufall ist mir eine interessante Datenquelle der Statistik Austria aufgefallen. Es geht dabei um geringfügig Beschäftige Erwerbstätige in Österreich – ich habe die Daten nach Altersgruppen (in dem Fall 5-Jahres-Gruppen) aufbereitet.
Die Alterstruktur in Österreich
Wenn wir die Bevölkerung Österreichs in ebensolchen 5-Jahresgruppen anschauen und seit 2009 (so weit reichen die Daten zu den geringfügig Beschäftigten zurück) sieht das so aus – wir sehen, das es Gruppen mit deutlich mehr und auch weniger Personen gibt:

Die dunkelste Linie stellt die Zahlen von 2024 dar. Wir sehen, dass es zum Beispiel beim altersbedingten Rückgang einen „Buckel“ bei den 0-84-Jährigen gibt – aber auch, dass es bei den 45-49-Jährigen eindeutig weniger Menschen gibt in Österreich als davor und danach.

Ich habe hier nur die Linie von 2009 und von 2024 stehen lassen und dabei drei zusätzliche Linien eingezeichnet. Orange sind die „Boomer“ zu sehen, die derzeit die stärkste Gruppe darstellen. 2009 waren diese 40-44 Jahre alt, 2023 – also 14 Jahre später – ist die stärkste Gruppe unter allen 5-Jahres-Altersgruppen 55-59 Jahre alt. Die Entwicklung dieser Gruppe stagniert in etwa, was die Zahl betrifft. Das heißt, Sterbefälle gibt es dort (noch) wenige und wenn es welche gibt, dann wird das teilweise durch Zuzug Gleichaltriger aufgehoben.
Bei den 2009 65-69-Jährigen, den Menschen, die zwischen 1940 und 1944 zur Welt kamen, sehen wir auch einen „Buckel“ – das heißt, in dem Alter gibt es mehr Menschen als davor und danach. Hier ist die Entwicklung seit 2009 eindeutig stark sinkend, weil diese heute 80-84-Jährigen in einem Alter sind, in dem das durchschnittliche Lebensalter erreicht bzw. schon überschritten ist.
Wieder anders ist die Situation bei den 2009 15-19-Jährigen, also Menschen, die zwischen 1990 und 1994 geboren wurden. 2009 waren das weniger als in allen Altersgruppen bis zum Alter der 55-59-Jährigen. Heute ist diese Gruppe etwa 30-34 Jahre alt und die drittstärkste aller Altersgruppen. Das geht nur durch starken Zuzug aus dem Ausland.
Und weil ich hier schon gleich Stimmen mit „wir werden verdrängt“ höre: Ich habe in anderen Beiträgen schon vermehrt darauf hingewiesen, dass der Großteil aller bei uns eingewandertern Personen aus Europa (incl. Türkei) stammt und nur ganz wenige aus anderen Staaten! Darum soll es hier auch nicht gehen heute.
Die Alterstruktur der Erwerbstätigen

Das hier ist – etwas anders dargestellt – die Alterstruktur der Erwerbstätigen in Österreich. Logischerweise ist auch hier die stärkste Gruppe die der „Boomer-Generation“. Das heißt, dass 2009 die stärkste Gruppe die der 40-45-Jährigen war. Bereits 2010 waren es die 45-49-Jährigen, das blieb auch bis 2015 so. Dann waren es sieben Jahre lang die 50-54-Jährigen und seit 2023 (für 2024 gibt es noch keine Zahlen dazu) sind es die 55-59-Jährigen. Anders gesagt: Die stärkste 5-Jahres-Altersgruppe der Erwerbstätigen in Österreich geht in den nächsten 5 bis 10 Jahren in Pension!
Anteil der Erwerbstätigen
Schauen wir uns jetzt an, wie viele Prozent der jeweiligen Altersgruppen erwerbstätig sind: Ich habe jeweils das Jahr mit dem höchsten Anteil an Erwerbstätigen beschriftet. Die rote Säule ist das Jahr 2020, das nicht wirklich repräsentativ ist wegen all der Lockdowns und Beschränkungen.

Bei den 15-19-Jährigen gehen die Zahlen eindeutig zurück, auch wenn sie zuletzt wieder leicht steigen. Es geht hier wie schon beschrieben nicht um absolute Zahlen sondern den ANTEIL der Altergruppe, der erwerbstätig ist. Damit sind Veränderungen bei den Zahlen der Einwohner bereits berücksichtigt. Nie waren es mehr als 41,5% (2009).
Ab dem 20-24-Jährigen ist dieser Anteil deutlich höher – hier waren es 2022 fast 67,5% – also etwas mehr als zwei Drittel. Ganz ähnlich auf etwas höherem Niveau verläuft die Kurve bei den Altersgruppen darüber bis zu den 45-49-Jährigen. Immer ist es eines der letzten 3 Jahre, in denen der „Beschäftigungshöchststand“ erreicht wurde, der bei den 40-49-Jährigen in etwa bei 85% das höchste Ausmaß anzeigt.
Bei den 50-54-Jährigen sehen wir bereits einen deutlich anderen Verlauf, die Zahlen steigen eigentlich von Jahr zu Jahr an, lagen vor 2012 immer unter 80% und sind jetzt bei fast 84% angekommen. Noch extremer ist die Veränderung bei den 55-59-Jährigen, wo es 2009 „nur“ etwa 57% waren, die erwerbstätig waren – 2023 waren es 79% – das ist eine Zunahme von über 20% in dieser Altersgruppe!

Bei den Menschen zwischen 60 und 84 Jahren sieht es so aus: Bei den 60-64-Jährigen stieg der Anteil der Erwerbstätigen von fast genau 20% 2009 auf über 36,5%. 2011 waren es übrigens nur 18,7% – das bedeutet fast eine Verdoppelung des erwerbstätigen Anteils von 2011 auf 2023! Auch bei den 65-69-Jährigen steigt der Anteil – allerdings viel moderater – an. Von 8% 2009 auf 12,5% 2023 – auch das bedeutet eine Zunahme um mehr als die Häfte. Und auch bei den 70-74-Jährigen und den 75-79-Jährigen ist der Anteil der Erwerbstätigen gestiegen und hat 2023 seinen Höchststand erreicht. Bei den 75-79-Jährigen ist immerhin noch einer von 28 erwerbstätig!
Erst bei den 80-84-Jährigen liegt der Höchststand in einem anderen Jahr, nämlich 2019 – damals war etwa einer von 57 Menschen in diesem Alter immer noch erwerbstätig!

Bei allen Menschen in Österreich, die das durchschnittliche Lebensalter bereits überschritten haben, sieht es so aus:
Bei den 85-89-Jährigen waren 2015 noch eine von 115 Personen erwerbstätig. Bei den 90-94-Jährigen war der Höchststand 2009, als noch 0,51% einer Erwerbstätigkeit nachgingen. Bei den 95-99-Jährigen waren es 2014 noch 0,33% – das ist eine von 303 Personen, die eine Erwerbstätigkeit ausführte. Und wer glaubt, dass ab 100 Schluss mit arbeiten ist: Das stimmt nur für die Jahre 2009, 2018,2019 und 2020. Zuletzt – im Jahr 2023 – gab es auch unter diesen ältesten aller österreichischen Menschen noch eine von 435 Personen, die eine Erwerbstätigkeit ausführte – zumindest auf dem Papier.
Die Geringfügigkeit
Zuletzt geht es um die Frage: Wie viele Menschen in Österreich sind geringfügig und wie viele NICHT geringfügig beschäftigt? Vorsicht – hier geht es NICHT um Teilzeitarbeit, sondern um solche, die nur unter der Geringfügigkeitsgrenze erwerbstätig sind! Diese liegt 2025 bei 551,10 Euro pro Monat!
Zuerst eine Doppelgrafik mit den absoluten Zahlen: Diese Zahlen werden natürlich auch durch die Bevölkerungszahlen (siehe weiter oben) beeinflusst, weil geburtenstarke Jahrgänge und Altersgruppen natürlich mehr Erwerbstätige hervorbringen als schwache/kleinere Altersgruppen.

Auffallend ist vor allem der Anstieg der beiden roten Linien bei den NICHT geringfügig Beschäftigten. Bei der dunkelroten Linie (60-64 Jahre) zeigt sich dieser auch bei den geringfügig Beschäftigten.
Wichtiger ist mir allerdings der Bezug zur Gesamtgruppe: Wie viele Prozent der Erwerbstätigen sind nur geringfügig beschäftigt?

Bei den Menschen unter 20 Jahren hat der Anteil stark zugenommen – ich vermute, das liegt an einer Zunahme von Ferialjobs bei dieser Altersgruppe. Bei den 20-34-Jährigen gab es bis etwa 2018 auch eine Zunahme, seither sinken die Anteile der geringfügig Erwerbstätigen wieder.
Richtig auffallend wird das Ganz dann ab dem Alter von 55 Jahren, wo der Anteil der „Geringfügigen“ stark zurück gegangen ist – noch extremer sieht das bei den 60-64-Jährigen aus, wo es seit 2011 zurück geht. Im Gegensatz dazu steigt der Anteil der Menschen mit geringfügigen Beschäftigungen bei den Altersgruppen von 65-94 Jahren überall tendenziell an. Wenig Aussagekraft haben die Zahlen ab 95 Jahren, weil es hier teilweise so gut wie keine Erwerbstätigen mehr gibt. Aber selbst von den 4 Personen, die 2023 als über 100-Jährige als Erwerbstätig geführt wurden, war nur EINE Person geringfügig beschäftigt!
Fazit
Wenn wir die Zahlen der geringfügig Erwerbstätigen in Österreich anschauen, zeigen sich für mich mehrere Entwicklungen: Erstens gibt es immer mehr junge Menschen zwischen 15 und 19 Jahren, die eine solche Beschäftigung ausüben – hier vermute ich, dass das stark damit zusammenhängt, dass weniger Jugendliche eine Lehre machen und mehr Schüler einen Ferialjob oder andere geringfügige Beschäftigungen ausüben.
Bei den Menschen ab 55 zeigt sich ganz klar, dass das Pensionsantrittsalter gestiegen ist seit 2009. Hier sinken die Zahlen eindeutig, wenn es den Anteil der geringfügig Beschäftigten geht. Ab dem Alter von 65 hingegen steigen diese Zahlen an:

Das kann entweder darin begründet liegen, dass mehr Menschen auch im Alter noch eine geringfügige Beschäftigung ausüben MÖCHTEN – was ein gutes Zeichen für deren Gesundheit wäre. Oder es liegt daran, dass sie es MÜSSEN, weil sonst das Geld, das sie in der Pension bekommen, nicht ausreicht – war ein schlechtes Zeichen wäre.
Fakt ist zudem noch, dass in den nächsten 10 Jahren ganz viele Erwerbstätige ins Pensionsalter kommen, was diese Tendenzen noch verstärken wird!
Ebenfalls Fakt: Der Anteil der Erwerbstätigen in den einzelnen Altersgruppen steigt seit 2009 – außer bei den Menschen unter 20 Jahren, grundsätzlich an. Wenn es nicht so ist, dass es plötzlich viel mehr Arbeitsstellen oder Erwerbsmöglichkeiten gibt, ist es logisch, dass das nur dann passieren kann, wenn die Menschen nicht alle Vollzeit arbeiten – oder?