Die Trockenheit in Österreich

Derzeit beherrschen die ersten wirklich warmen Tage des Jahres die Schlagzeilen im „Klimajournalismus“ (ja, das gibt es als Ausbildung so!). Und – meist in Nebensätzen – geht es auch um die Trockenheit.

Ich habe mir dazu die Daten der „geosphere austria“ (ehemals ZAMG) genauer angeschaut und versucht, das Ganze in einen möglichst großen Zusammenhang zu bringen. Dabei habe ich wie immer die 16 Stationen ausgewählt, deren Daten ich schon länger so verwende: Feldkirch (V), Bad Bleiberg (K), Seckau (St), Freistadt (OÖ), Innsbruck (T), Kremsmünster (OÖ), Lienz (T), Langen a. A. (V), Rauris (S), Reichenau/Rax (NÖ), Salzburg (S), Wien (W), Wörterberg (B), Zwettl (NÖ), Sonnblick (S/T/K), und Bad Gleichenberg (St).

Die Tagesniederschläge über ganz Österreich

Was wir hier sehen, sind die 47.992 Tage vom 1. Jänner 1895 bis zum 24. Mai 2026. Ich habe für jeden Tag alle vorhandenen Messungen in Sachen Niederschlag zusammengezählt bei „meinen“ 16 über ganz Österreich verteilten Stationen. Dann habe ich diesen Wert durch die an diesem Tag verfügbaren Stationen geteilt und damit den „Niederschlagsdurchschnitt“ über ganz Österreich berechnet. Das ist in dieser Grafik dargestellt. Details dazu:

  • Es gab insgesamt in dieser Zeit sechs Mal Tage, in denen es über ganz Österreich verteilt im Mittel mehr als 40 mm Niederschlag gab. Dreimal war das im August, einmal am letzten Julitag, einmal im September und einmal erst am 8. Oktober des Jahres.
  • Das höchste „Tages-Niederschlagsmittel“ gab es am 6. August 1985 mit 49,2 mm – das sind immerhin „flächendeckend“ mehr als 49 Liter Regen pro Quadratmeter.
  • An 8783 Tagen von diesen fast 48.000 seit 1895 gab es an allen 16 von mir immer wieder verwendeten Mess-Stationen keine einzige mit gemessenem Niederschlag – das sind 18,3% aller Tage oder ein gutes Fünftel aller Tage. Grob gesagt gibt es also einen von fünf Tagen in Österreich, wo es nirgends im Land regnet.

Dreimonats-Mittelwerte

Wenn wir von den Tageswerten weg gehen und den Schnitt aus 90 Tagen – also ungefähr drei Monaten – nehmen, werden natürlich alls Extremwerte geringer, weil wir uns ja das Mittel aus 90 Tagen anschauen – das sieht im Schnitt aller 16 Stationen dann so aus:

Wir sehen, dass es eindeutig Schwankungen gibt mit starken Spitzen und ebensolchen Tiefstwerten dazwischen. Rund um den 2. Weltkrieg gab es an einigen Stationen keine Aufzeichnungen, daher ist dieser Zeitraum mit Vorsicht zu genießen. Die Werte zeigen immer das Mittel aller Stationen über 90 Tage hinweg. Das heißt, dass es in den 90 Tagen vor dem 7. September 1966 im Schnitt an allen Stationen 6,3 mm an Niederschlag gab. Das ist der höchste Wert von 1895 bis heute.
Mehr als 5,5 mm pro Tag und Station im Mittel von 90 Tagen gab es sonst nur 5 weiter Male: vor dem 10. September 1910, dem 12. August 1926, dem 6. Oktober 1937, dem 6. September 2009 und dem 10. August 2016.

Halbjahres-Mittelwerte

Verdoppeln wir diesen Zeitraum auf 180 Tage, so sind wir in etwa bei einem Zeitraum von einem halben Jahr. Nun wird klar ersichtlich, dass es bei uns – auch dann, wenn wir ganz Österreich als ein Mittel aus 16 Stationen berechnen – normalerweise eine Zeit mit mehr und eine mit weniger Niederschlag pro Jahr gibt:

Im halben Jahr von März bis September regnet es immer mehr als im halben Jahr von September bis März – Ausnahmen bestätigen die Regel. Wir haben also in Österreich im Winterhalbjahr weniger Niederschlag als im Sommerhalbjahr. Das ist wenig überraschend, da die Luft im Somemr mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann.
Nur fünf Mal überschritt das Halbjahresmittel der 16 Stationen pro Tag den Wert von 4,6 Millimeter Tagesniederschlag: Im halben Jahr vor dem Oktober 1896, dem September 1897, dem Oktober 1910, dem September 1965, dem November 1966 und dem Oktober 2024.

Jahres-Mittelwerte

Noch eine Verdoppelung des Zeitraums: Wir schauen uns die Jahres-Mittelwerte an. Wäre es so, dass wir jedes Jahr in etwa dieselbe Menge an Niederschlag haben, dann müsste diese Linie quasi flach verlaufen, weil sich monatliche Schwankungen innerhalb eines Jahres ausgleichen.

Dem ist allerdings nicht so – was hier besonders auffällt, ist der sehr niedrige Wert für das Jahr vor dem Zeitraum Jänner bis Juli 1946. Dort gab es von vier Stationen (Reichenau/Rax, Rauris, Wörterberg und Zwettl) keine Daten, was in der Berechnung mit berücksichtigt wird. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass zu dieser Zeit auch die Daten anderer Stationen lückenhaft und ungenau waren und das zu diesem auffallenden Unterschied führt.

Nur im Jahr vor dem Juli 1897 gibt es hier einen Mittelwert aller Stationen, der auf mehr als 4 mm Tagesniederschlag übers Jahr verteilt hinweist.

Wenn wir hier auf die letzten Monate schauen, sehen wir, dass es vor dem Oktober 2024 sehr viel Niederschlag gab über ein Jahr verteilt, danach wurde es immer weniger – allerdings auch nicht weniger als früher schon oft einmal.

Zweijahres-Mittelwert

Selbstverständlich werden Unterschiede noch mehr geglättet, wenn wir über ein Jahr hinausgehen. Hier die Kurve von 730 Tagen – also quasi ein „Zweijahresschnitt“:

Auch hier fällt wieder der Zeitraum zum Ende des zweiten Weltkrieges auf – der war entweder sehr trocken oder auch von den Daten her fehlerhaft.

Von 1895 bis ca. 1925 war das Zweijahresmittel immer zwischen 2,5 und 3,7 mm pro Tag, wenn wir den Schnitt aller 16 Stationen berechnen. Danach schwankt das Mittel zwischen 2,4 und 3,4 – bis es in den zwei Jahren vor 1941 auf den absoluten Höchstwert von 3,9 steigt, um danach (siehe oben) total abzufallen auf unter 2 Millimeter pro Tag und Station.
Danach sinkt das Zweijahresmittel mehrmals auf etwa 2,3 mm ab und steigt auch bis auf 3,5 mm an – vor allem die Zeit rund um 1966 und auch 1976 dürfte relativ feucht gewesen sein.
Von ungefähr 1996 bis 2023 gab es keine großen Ausreißer im Zweijahresmittel, alles bewegt sich zwischen 2,5 und 3,1 mm pro Tag im Mittel der 16 Stationen.
Die zwei Jahre vor 2024 waren offensichtlich eher feuchter, seither geht es im Zweijahresmittel retour, derzeit stehen wir bei 2,7mm pro Tag – also noch weit höher als zu besodners trockenen Phasen in der Vergangenheit.

Fünfjahres-Mittel

Um es noch größer zu fassen, habe ich auch noch das Niederschlagsmittel über 5 Jahre berechnet. Das sieht dann so aus:

Auch hier fällt auf, dass es wohl in den Jahren vor 1941 sehr feucht war – im Fünfjahresmittel vor dem 1.2.1941 erreicht auch das Fünfjahresmittel einen Wert von 3.9 Millimeter. Die fünf Jahre nach dem zweiten Weltkrieg zeigen mit 2,2 mm Tagesmittel über die 16 Stationen in Österreich verteilt den niedrigsten Wert der Messgeschichte.
Seit 1951 liegt der Wert immer zwischen 2,4 und 3 mm Tagesniederschlag. am trockensten war es in letzter Zeit im 5-Jahres-Zeitraum vor dem März 2023 (2,6mm). derzeit zeigt das Fünfjahresmittel einen Wert von 2,8 mm.
Noch ein P.S. zu den Werten rund um den weiten Weltkrieg: In der Zeit vor 1941 fehlen länger die Werte von Wörterberg, Bad Gleichenberg und Seckau – danach dann auch die von Langen a.A. und Lienz. Das erklärt zum teil die Schwankungen, da die erstgenannten eher Stationen mit WENIG Niederschlag waren und Langen a.A. eine der Stationen mit sehr viel Niederschlag. Wenn diese ausfallen, verschiebt sich der Schnitt zuerst nach oben und dann nach unten.

Fazit

Die Niederschläge in Österreich sind grundsätzlich im Sommer stärker als im Winter. Das können wir auch an den Halbjahres-Mitteln ablesen. Und natürlich gibt es regionale Unterschiede bei den Regenmengen. Ich habe hier jedoch nur das Mittel 16 verschiedener ganz oben angeführter Stationen verwendet, also eine Art „Österreich-Mittel“ berechnet. Dieses so berechnete „österreichsiche Jahresmittel“ seit 1960 sieht so aus:

Nie war es trockener als in den 365 Tagen vor dem 26. März 1972 und nie feuchter als in dem Jahr vor dem 13. Oktober 2024. Zuletzt am trockensten waren die 365 Tage vor dem 17. August 2022 und dem 26. Dezember 2003. Das heißt seit etwa 1985 war das trockenste aller Jahre eines, das auch eines der wärmsten war: Das Jahr mit dem „Jahrhundertsommer 2003“.
Was 2026 bringen wird, ist schwer zu sagen – wir stehen eigentlich am Anfang jener Wochen und Monate, in denen der Großteil der Niederschläge fürs Jahr fallen soll und wird. Mit 2,37 mm Tagesniederschlag liegen wir derzeit aber noch nicht extrem weit unten im Vergleich der letzten 66 Jahre.