Die nach Norden abgebogene Hitze…

… war eine der Schlag-Zeilen, die ich zuletzt gelesen habe. Die sei der Grund dafür, das die angekündigten 40 °C in Deutschland nicht erereicht wurden im Juli. Und woanders hieß es dann, dass es eben in Skandinavien so extrem heiß sei und vor allem in der Gegend rund um Trondheim.

Was ich mir dabei gedacht habe war: „Mist“. Warum? Weil wir letztes Jahr um diese Zeit in Skandinavien geurlaubt haben und dort unsere Route im Wohnmobil immer wieder so geändert haben, dass wir wenigsten irgendwo Temperaturen über 20 Grad haben zu der Zeit, als wir „oben“ waren.

Ich wollte schauen, wie „extrem“ denn die Temperaturen derzeit sind in Norwegen, und weil wir in Trondheim waren und es eben gerade dort so warm sein soll, habe ich mir zuerst Trondheim ausgesucht und mir die Jahre angesehen:

Ja, die letzten 9 Tage war es überdurchschnittlich warm und an 6 Tagen auch über 30 Grad heiß – mehr als 34 Grad waren es aber laut „weatherspark“ nie.

Das war „unser Urlaubsjahr“ 2024 – wir waren in der zweiten Julihälfte unterwegs… nur im Juni gab es einen Tag über 30°C, dafür war wohl der Mai weit überdurchschnittlich warm im „weltweit wärmsten Jahr aller Zeiten“, als was 2024 überall bezeichnet wird…

Auch 2023 gab es nur einen Tag mit über 30 Grad – im Juni. Auch hier war der Juli vor allem in der zweiten Monatshälfte deutlich zu kalt. 2022 sieht ähnlich auf, ein Tag über 30 Grad im Juni.

2021 hat zwar auch nur einen Tag über 30°C, aber viele Tage über 25°C, vor allem im Juli. 2020 gab es drei Tage über 30°C, alle im Juni, dafür danach bis Ende August nur einen Tag über 25°C.

Im Jahr 2019 gab es 6 Tage am Stück über 30 Grad – also mehr als 2025. Auch in anderen Jahren gab es Hitzetage, die in der Datenbak von weatherspark dokumentiert sind: 2018 (4), 2014 (2), 1994 (4), 1991 (2), 1982 (2), 1980 (2), 1977 (1), 1974 (1), 1973 (1), 1958 (1), 1941 (1) – da es immer wieder Lücken gibt bei den Jahren vor 2000 fehlen hier auch einige Jahre.
Eine „Tropennacht“, wie sie hier auch erwähnt wird für „manche Orte in Norwegen“, habe ich in Trondheim nur im Jahr 2019 für eine Nacht gefunden.

Und weil wir letztes Jahr auch weiter im Norden in Stavanger gewesen sind, habe ich auch dort noch nachgeschaut: Da hatte es gestern einen Tag mit 30 Grad – 2019 gab es einen mit 32°C, 2018 sogar mit 32,5°C und am nächsten Tag noch einmal 30°C. 2014 gab es eine ganze Woche mit Temperaturen zwischen 27 und 29,5°C. Weitere Hitzetage sind bei weatherspark für 2008 (2), 2003 (1), 1991 (1), 1978 (2), 1973 (1) oder 1941 (2) gelistet – auch hier mit manchen Jahren ohne Daten dazwischen.

Auffallend in die andere Richtung waren in Stavanger die Jahre 1993 und 2000, als es keinen einzigen Sommertag mit mehr als 20°C gab.

Noch ein Check: Bergen in Südnorwegen – auch dort waren wir zu Besuch und es gab zuletzt auch TV-Berichte von dort wegen der U23-Leichtathletik Europameisterschaft: Im laufenden Jahr gab es zuletzt zwei Tage mit je 29°C, jedoch keinen Hitzetag.

Im Juli 2019 reichte es für einen Hitzetag mit 31,3°C in Bergen, im Juli 2018 sogar für zwei hintereinander liegende Hitzetage. Auch 2014 gab es einen Hitzetag und 1992 sticht ins Auge, weil es Ende Mai und Anfang Juni über fast zwei Wochen sommerlich warm mit Werten zum Teil über 25°C war. Vor 1972 gibt es keine Daten aus der zweitgrößten Stadt Norwegens.

Letzte Station: die Hauptstadt Oslo – auch hier gab es zuletzt einen Hitzetag am Flughafen mit exakt 30°C. Weitere Jahre mit Hitzetagen waren 2023 (1), 2019 (2), 2018 (5), 2014 (5 an einem Stück), 2009 (11 Tage über 25°C, davon 3 Hitzetage), 2008 (4), 2005 (4), 2004(1), 1994 (1), 1982 (13 Tage mit mindestens 25°C, davon 8 Hitzetage am Stück!), 1975 (8 Hitzetage am Stück!), 1955 (11 Tage über 25°C, davon zwei Hitzetage), 1943 (1 Tag mit 35°C!) und 1941 (1).

Fazit

Die Erklärung, dass ein stabiles Hoch in Norwegen für eine Hitzewelle in Skandinavien oder auch Norwegen sorgen kann, leuchtet jedem ein, der schon einmal im Sommer dort unterwegs war. Ich durfte zum Beispiel letztes Jahr einen wunderschönen Sonnenuntergang fotografieren in der Nähe von Stavanger – damals war es irgendwann zwischen 22 und 23 Uhr, als die Sonne unterging. Wenn also ein Hoch dort für wolkenloses, niederschlagsfreies Wetter sorgt, dann scheint die Sonne nicht wie bei uns 12 oder 14 Stunden, sondern eher 20 Stunden lang.

Dass es die letzten Tage in Norwegen sehr warm oder auch heiß war, das belegen auch die Daten von weaterspark.com, die meist von Flughäfen stammen in der Nähe von Großstädten. Schlussendlich bin ich froh, dass ich auch noch Daten von Oslo angeschaut habe, nicht nur, weil das die Hauptstadt Norwegens ist und die Daten dort mit Lücken bis 1941 zurück reichen. In Oslo, wo unsere Reise uns letztes Jahr NICHT hingeführt hat, gab es nämlich auch schon 1955, 1975 oder 1982 ungewöhnlich lange sehr warme Perioden mit Hitzetagen im Sommer. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Skandinavien wohl 2025 einen urlaub wert gewesen wäre und es dort jetzt einige Tage sehr warm war. Es zeigt allerdings, dass wir, wenn wir nur suchen, auch fündig werden, wenn die Schlagzeilen und die Hitze mangels eines heißen Julis von Mittel- nach Nordeuropa ausweichen…