Die Grippesaison 2025 in den Krankenhäusern

Derzeit stoßen viele von uns auf solche Meldungen:

Ich wollte mir das genauer anschauen, auch, weil immer wieder betont wird, dass die Grippesaison dieses Jahr viel früher sei und auch so stark. Daher habe ich das SARI-Dashboard Österreichs konsultiert wegen Daten.

Dieses wird, wenn wir uns die Logos auf der Startseite anschauen, unter anderem vom Bundesministerium, der Sozialversicherung und der AGES betrieben. Unter dem Button “Open Data” kommt der Besucher auf eine Seite, wo Daten heruntergeladen werden können.

Nichts Neues im Daten-Salat?

Ich gebe zu: Ich war wirklich nicht voreingenommen, trotz meiner negativen Erfahrungen während der Covid-Zeit. Ich bin davon ausgegangen, dass die Daten sauber, logisch und gut nachvollziehbar aufgearbeitet sind. Auf den ersten Blick stimmt das auch. Es gibt Daten – allerdings erst ab KW 19 im Jahr 2023, also ab Mitte Mai und fast genau nach “Ende der offiziellen Pandemie” (das war bei uns im Juni 23).

Jetzt kommen wir zu den Problemen an dem Datensatz aus meiner Sicht:

  1. Die Altersgruppen: Im Gegensatz zu Ländern wie der Schweiz, wo es einfach 10-Jahres-Gruppen bis 80 gibt und dann “80 und älter” – oder auch “90 und älter”, gibt es beim SARI-Dashboard seltsame Gruppen:
    – zuerst 0-4 Jahre (5 Jahrgänge)
    – dann 5-14 Jahre (10 Jahrgänge)
    – dann 3 x 15 Jahrgänge bis 59 Jahre (15-29, 30-44 und 45-59)
    – danach 2 x zehn Jahrgänge (60-69 und 70-79)
    – zum Schluss 80 und älter, also realistischerweise etwa 20 Jahrgänge, bis auf die wenigen Menschen, die mindestens 100 Jahre alt werden.
    Warum ist das ein Problem?
    Erstens Sind die Gruppen so unterschiedlich groß von den Zahlen her. Damit können sie nicht einfach verglichen werden. Zweitens sind damit oft auch internationale Vergleiche erschwert, weil die eben nicht so “kreative” Gruppen haben. Und dritten: WENN ich schon die Kleinkinder extra anführe, dann wäre meiner Meinung nach vor allem die Gruppe “unter 1 Jahr” interessant gewesen, da dort viel häufiger gesundheitliche Probleme auftreten als bei Kindern von 1-4 Jahren.
  2. Es steht auch bei jedem Datensatz (also zB 0-4 Jahre männlich im Burgenland) dabei, wie viele Menschen es überhaupt in dieser Gruppe im Burgenland gibt. Das PROBLEM daran ist: Diese Zahlen, die bei JEDER Kalenderwoche seit dem Mai 2023 dabei stehen, sind die aus dem ersten Quartal 2025! Das heißt, dass sie zwar “ähnlich” sind, aber eben nicht genauer stimmen. Dabei gibt es bei der Datenquelle, die dafür benutzt wurde, der Statistik Austria, genaue Zahlen zu allen 5-Jahres-Altersgruppen (und sogar den Einzeljahren) für jedes Quartal von 2002 bis Anfang 2025 (auch hier können wir uns fragen, warum es jetzt, zu Beginn des Jahres 2026 noch keine genauen Zahlen zu den Quartelen 2 und 3 des abgelaufenen Jahres gibt, wenn schon die vom Beginn des Quartales 4 fehlen…).
  3. Die Daten sind wie folgt aufgeschlüsselt: Es gibt – getrennt für Intensivstationen und Normalstationen – Daten zu jedem Geschlecht und jeder Altersgruppe und nach “SARI-Diagnosen” bei der Aufnahme. Das sind “Covid”, “Influenza”, “RSV”, “Pneumokokken” und “Sonstige”. Am Schluss jeder Zeile gibt es die Spalte “Aufnahmen”, definiert als “Anzahl Aufnahmen mit SARI-Diagnosen”.
    Ich als Zahlenfrek habe erwartet, dass diese Zahl der Summe aller anderen Spalten entspricht – was auch FAST stimmt – aber eben nur fast. Die Summe der Einzelspalten ist nämlich in vielen Wochen GRÖSSER als die Anzahl der Aufnahmen.
    Das kann ich mir nur so erklären, dass entweder – wie wir es aus der Corona-Zeit kennen – schlampig gearbeitet wird und solche “Fehler” ignoriert, oder dass es Menschen gibt, die ZWEI Diagnosen gleichzeitig haben (also zB Grippe UND RSV) bei der Aufnahme – oder dass manche nicht nur bei den Einzeldiagnosen gezählt werden, sondern gleichzeitig bei “sonstige” SARI-Diagnosen…

Meine Daten unten sind natürlich alle mit den jeweils passenden, genaueren Bevölkerungsdaten hinterlegt und wie immer auf “pro 100.000 Menschen” gerechnet.

Die letzten Wochen…

Zurück zum Ausgangsthema: Wie schlimm ist es denn/war es denn zu Beginn der Winetrsaison 2025?

Weil ja immer explizit die Grippe erwähnt wird – samt der Empfehlung sich impfen zu lassen – zuerst die Zahlen dazu:

Das sind die drei verfügbaren Jahre seit Beginn der Daten. die roten Wochen sind jeweils die Wochen 50 und 51 des Jahres. Die KW 52 ist noch “unvollständig” abgebildet im Jahr 2025 und daher hier gepunktet dargestellt.

Wir sehen tatsächlich, dass auf den INTENSIVSTATIONEN in diesem Jahr bereits minimal mehr los war als in den Jahren zuvor. Tatsächlich startete die “Grippe-Saison” hier meist ein bis zwei Wochen später (mehr aber auch nicht!). In den beiden letzten jahren waren in der Woche mit den meisten Fällen jeweils zwischen 0,4 und 0,45 Menschen pro 100.000 auf einer Intensivstation.
Anders gesagt: Von einer Million in Österreich lebenden Menschen lagen zum Höhepunkt der Grippewellen immer zwischen 4 und 5 Menschen auf einer Intensivstation mit der “SARI-Aufnahmediagnose” Influenza – ob das nun WEGEN oder MIT Influenza ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Auf den NORMALSTATIONEN in den Krankenhäusern sieht das so aus. Hier ist es nicht wie in den letzte beiden Jahren ca. 1-2 Personen von 100.000, die im Spital sind mit Influenza, sondern 4-5. Als Schlagzeilen-Sucher würde ich also schreiben: “Grippewelle dieses Jahr 4 Mal so stark wie die letzten Jahre”. Wer sich noch an die Covid-Zeiten erinnert, weiß, dass das einer 7-Tages-Inzidenz von 5 entspricht…
Der Höchststand letztes Jahr war immer rund um 7 Personen pro 100.000 und Kalenderwoche. Interessant wird also heuer zu beobachten sein, ob der Wert nur darum so “hoch” ist, weil die gesamte Grippewelle leicht nach vorne versetzt ist (um etwa 2 Wochen), oder ob es dann auch vier bis fünfmal höhere Zahlen gibt – was ich bezweifle.

Das größere Ganze

Das sind die gesamten Aufnahmen von Patienten mit “SARI-Diagnosen” auf Österreichs Intensivstationen. Wir sehen überraschednerweise: In den letzten beiden Jahren war rund um Weihnachten und den Jahreswechsel immer deutlich MEHR los in Sachen SARI-Diagnosen (schwere akute respiratorische Infektionen). 2023 lagen fast doppelt so viele Menschen auf den Intensivstationen mit Atemwegsinfekten und auch 2024 waren es mehr.

Bei den Aufnahmen im Spital liegt 2025 fast gleichauf mit 2024 – allerdings gab es 2024 im Herbst deutlich mehr Aufnahmen als 2025 – also VOR dem Dezember. Und das Jahr 2023 war bei WEITEM stäker als 2025 – auch hier fast doppelt so stark.

Was Covid betrifft, so gibt es gleich zwei gute Nachrichten: erstens sind zu Zahlen diesen Winter so niedrig wie nie in den letzten 3 Jahren und zweitens waren in den Vorjahren die höchsten Belastungen immer VOR dem Jahreswechsel zu sehen.

Auch bei den anderen erfassten Diagnosen gibt es wenig Auffälliges zu sehen – weder bei den Intensivstationen (oben) noch den Normalstationen (unten). Die RSV-Saison scheint immer erst mit Jahreswechsel zu starten, während Pneumokokken-Diagnosen fast das ganze Jahr vorkommen und bei den sonstigen Diagnosen war der Winter 25/26 bisher der ruhigste von den dreien, für die es Daten gibt.

Aber die Grippewelle 2025/26?

Werfen wir noch einen Blick auf die letzten Wochen – wie haben sich die Influenza-Zahlen denn entwickelt, wenn wir die einzelnen Altersgruppen darstellen?

Auf den Intensivstationen sind fast immer die 70-79-Jährigen am meisten betroffen, erst zuletzt gab es bei den Kleinkindern und den 60-69-Jährigen noch mehr Fälle. Wir sprechen hier allerdings in jeder Einzelgruppe von weniger als 1 Person unter 100.000 Einwohnern! Alle anderen Altersgruppen sind so gut wie nicht betroffe bisher.

Auf den Normalstationen zeigt sich in den letzten Wochen das “typische” Bild: Je älter die Menschen, desto mehr sind mit Influenza im Spital. Hier sprechen wir von 10 pro 100.000 bei den 60-69-Jährigen bis zu etwa 20 pro 100.000 bei den Menschen ab 80 Jahren. Nur die Kleinkinder erreichten bis Jahresende in EINER Woch ebenfalls die Schwelle von 10 pro 100.000 – also eines von 10.000 Kindern unter 5 Jahren lag im Spital in einem Normalbett mit der Aufnahmediagnose “Influenza”.

Fazit

Was habe ich aus der genauen Einsicht in die Daten des offiziellen SARI-Dahboard Österreichs gelernt? Erstens, dass es weiter Datensätze gibt, die mich der Gefahr eines Schleudertraumas aussetzen – wegen Kopfschütteln. Zweitens, dass die Situation wohl (noch?) nicht wirklich so schlimm ist, wie es uns die diversen Berichte in den Medien weis machen wollen – übrigens (siehe unten) nicht erst in den letzten Wochen. Und drittens, dass Influenza in diesem Winter wohl vor allem ein Thema bei den ältesten Bevölkerungsgruppen ist und auch bei den Allerkleinsten.
Weiters glaube ich, dass Angst nie ein guter Ratgeber ist und Panik auf Dauer auch krank macht!

Ich wünsche allen Lesern ein Gutes Neues Jahr mit wenig Angst oder Panik, viel Gesundheit und denen, die gerne Winter haben, eine schöne Zeit in den nächsten Tagen, die laut seriösen Prognosen wohl auf der kalten Seite liegen dürften – gute Kleidung und wärmende Getränke und Speisen haben also derzeit sicher auch “Hochsaison”!