Seit einigen Jahren mache ich immer wieder Beiträge über die Messdaten der geosphere austria, ehemals ZAMG. Diese offiziell hier verfügbaren Daten verwende ich schon seit Beginn zur Darstellung der Temperaturen oder auch Niederschläge.
Meine Stationen habe ich dafür so ausgesucht, dass ich zuerst alle Stationen ausgeschlossen habe, die KEINE aktuellen Daten mehr liefern. Danach habe ich alle Stationen nach Startdatum sortiert und mir möglichst solche ausgesucht, die lange Messreihen bieten können und die über ganz Österreich verteilt sind. Mit der Station am Sonnblick (3.000 m Seehöhe) habe ich bewusst auch eine in großer Höhe mit dabei (sie ist auf der ersten Karte unten nicht eingezeichnet). Wie die Stationen über Österreich verteilt sind, könnt ihr auf der Karte hier sehen:

Nun liefern diese Stationen zwar oft schon sehr lange zurückreichende Datenreihen, allerdings nicht, wenn es um die Temperaturmaxima geht. Hier gibt es nur 5 Stationen von den es bereits seit 1895 Daten zur Tageshöchsttemperatur gibt:

Neu mit eingezeichnet ist auf der zweiten Karte auch der Sonnblick (Dreieck), der ebenso wie Innsbruck, Salzburg, Kremsmünster und Wien (Hohe Warte) Daten seit 1895 liefert. Bei alle anderen Stationn beginnen die Datensätze erst zwischen 1932 (Rauris) und 1956 (Langen am Arlberg). Bei den meisten ist der Start der Messungen für die Tagesmaxima im Jahr 1936.
Die Stationen mit Daten seit 1895 (immer bis 8. November)
WICHTIG: Da wir für 2025 noch keine Daten für die letzten 64 Tage des Jahres haben, habe ich alle Daten bis zum 8. November des Jahres berechnet!

Wenn wir uns die Daten aus Salzburg anschauen, so fällt erstens auf, dass in den zwei Weltkriegen Lücken vorhanden sind. Zweitens sehen wir, dass es von 1895 bis ca. 1980 zwar große Schwankungen bei den Einzeljahren gab, wenn das Jahresmittel aus allen Tagesmaxima ermittelt wird, der 30-Jahres-Durchschnitt (rote Linie) jedoch kaum von 15°C abweicht. Erst DANACH steigen die Temperaturen bei diesem Mittelwert an. Ich habe die 30 Jahre darum als Mittelwert gewählt, weil das genau den so genannten „Klimaperioden“ entspricht, die immer als Vergleich herangezogen werden, wie zB 1961 bis 1990 oder 1991 bis 2020. Dieser Durchschnittswert ist in Salzburg ca. um 1,8°C angestiegen in den 100 Jahren seit 1925.

In Wien auf der Hohen Warte gibt es durchgehend Daten. Auffallend ist hier das Jahr 1940, wo das Jahresmittel der Maxima DEUTLICH niedriger lag – das gilt allerdings auch für 1941 und 1942. Aus irgendeinem Grund waren diese drei Jahre mitten im zweiten Weltkrieg offensichtlich kälter als alle Jahre davor und danach in Wien. 1940 ist übrigens bei fast allen Stationen, die Daten geliefert haben, deutlich zu kalt und das – wie auch bei Wien – mit vollständigen Datensätzen (es fehlen also nicht zB die Messungen aus den warmen Monaten).
Auch in Wien schwanken die Einzelwerte der Jahre deutlich. Was hier anders ist als in Salzburg, sehen wir an der roten Linie: Diese steigt eigentlich seit den 40er-Jahren durchgehend an Von 1950 bis 1990 wurde es um etwa ein Grad wärmer im 30-Jahres-Mittel. Danach dauerte es nur mehr 25 Jahre für ein weiteres Grad und in den letzten 10 Jahren stieg das Mittel der letzten 30 Jahre noch einmal um etwa 0,7°C an.

Kremsmünster – etwas südwestlich von Linz gelegen – zeigt wieder eine andere Kruve beim 30-Jahres-Mittel: Hier sinkt der Wert zuerst sogar leicht ab, erst Mitte der 80er-Jahre ist er wieder beim Stand von 1925. Danach geht es recht rasant bergauf in 15 Jahren (1990 bis 2015) steigt das Mittel um 1°C, in weiteren 15 Jahren wieder um 1°C. Insgesamt stieg das Mittel seit 1925 (also in 100 Jahren) um 2,2°C an.

Auch in Innsbruck ist das Mittel fast um den gleichen Wert angestiegen – es sind 2,3°C mehr als noch 1925. Auch hier ist – nach einem leichten Anstieg bis 1950 – ein Absinken der Kurve erkennbar bis in die 80er-Jahre.In 20 Jahren (1985 bis 2005) steigt der Mittelwert dann um 1°C an, in weiteren 20 Jahren noch einmal um 1°C.

Der Sonnblick zeigt beim Anstieg des 30-Jahres-Durchschnitts ebenfalls einen Anstieg von 2,3°C an. Hier fehlt eindeutig das „Tief“ rund um die Kriegsjahre in den 40er-Jahren. von 1925 bis 1950 gibt es auch hier einen Anstieg (um ca. 0,7°C), danach sinkt die Kurve um ein paar Zehntel Grad ab bis in die 80er-Jahre. Etwa 20 Jahre später ist das Mittel um 1°C höher, auch von 2005 bis 2025 ist der Wert um 1°C gestiegen. Interessant ist, dass die letzten drei Jahre vor 2025 die ersten waren seit 1895, in denen das Mittel aller Tagesmaxima bis zum 8. November im Plus-Bereich lag. 2025 liegt hier zum ersten Mal seit 2021 wieder unter dem Gefrierpunkt – ist damit allerdings trotzdem das viertwärmste Jahr der Aufzeichnungen.
Wenn wir die fünf oben beschriebenen Stationen zusammenfassen zu einem Wert, dann sieht das Ganze so aus:

Von 1925 bis etwa 2000 gab es eine Erwärmung um 1°C, danach in 25 Jahren noch einmal 1°C mehr. Das kälteste Jahr in Sachen Tageshöchstwerte über diese fünf Stationen gemittelt war 1922, das wärmste 2024.
Die anderen elf Stationen

Wenn ich nun einen Mittelwert aus den anderen elf Stationen in Österreich berechne, sehen wir erstens, dass es zum Ende des 2. Weltkrieges zu wenige Daten gab, um ein Mittel zu berechnen. Weiters ist erkennbar, dass auch hier das 30-Jahres-Mittel zuerst sinkt – sogar bis in die Neunzigerjahre hinein. Danach steigt es an und im Vergleich zu 1965 ist es um etwa 1°C angestiegen. Das kälteste aller hier dokumentierten Jahre war 1940, das wärmste 2024.
Auch hier ist 2025 zwar deutlich kühler als die letzten Jahre, allerdings trotzdem eines der wärmsten Jahre der Aufzeichnungen.
Nicht immer ist „mehr“ auch gleich besser
Was passiert, wenn wir ein Mittel aller 16 Stationen berechnen? Natürlich mathematisch korrekt, in dem wir immer nur das Mittel der Stationen, von denen Daten verfügbar sind, verwenden.

Wir erkennen sofort: Alles wird ganz anders dargestellt – das 30-Jahres-Mittel steigt um sagenhafte 4°C an! Allerdings gibt es in dieser Kurve einen Anstieg von +2,5°C von 1925 bis 1975, danach bewegt sich das Mittel nach unten, ehe es von 1985 bis 2025 noch einmal um etwa 1,5°C ansteigt.
Weitere Überlegungen
Ich bin es leid, darüber zu diskutieren, ob es wärmer geworden ist in den letzten Jahrzehnten. Das ist unbestritten – selbst wenn ich jemand wäre, der hinter allen offiziellen Zahlen Betrug vermuten würde, bräuchte ich diese Daten gar nicht, solange ich (noch ?) nicht der Demenz anheim gefallen bin. Meine eigenen Erfahrungen der letzten 5 Jahrzehnte zeigen mir eindeutig – belegt durch Fotobeweise aus alten Fotoalben – dass es wärmer geworden ist, vor allem auch im Winter.

Abschließend noch eine Grafik, die vieles vereint: Für jede der 16 Stationen sehen wir das kälteste Jahr (blau), das wärmste Jahr (orange) und den Mittelwert aller verfügbaren Jahre (grau). Letzterer kann bei fünf Stationen auf 131 Jahre zurück greifen, bei den anderen auf Tagesmaxima zwischen 73 und 91 Jahren. Die pinke Linie zeigt uns den Unterschied zwischen dem wärmsten und kältesten Jahr bei jeder Station: In Bad Bleiberg, Wien und Lienz waren es zwischen 7,5 und 7,8 Grad Celsius, in Seckau nur 4°C.
Wer es in Österreich gerne warm hat, dem empfehle ich Bad Gleichenberg oder Innsbruck, wo es in Sachen Mittelwert aller Tageshöchstwerte am wärmsten war seit Messbeginn. Und wenn wir den Sonnblick einmal als Wohnort ausschließen, dann ist für jene, die Hitze nicht mögen neben Gebirgsorten wie Langen am Arlberg, Bad Bleiberg auch Seckau, Zwettl, Freistadt oder Kremsmünster zu empfehlen.
P.S.: Seckau ist übrigens jetzt neu in den Daten bei mir enthalten, weil die Station in Bruck/Mur – wo es vor wenigen Monaten noch großes Aufsehen um den frühestens 30°C-Wert Österreichs gab – seit Oktober nicht mehr unter denen angeführt ist, die „aktuelle Daten“ liefert.
Fazit
Allerdings gibt es doch große Unterschiede, je nachdem, wie ich die Daten darstelle. Ich kann – ohne etwas zu verändern an den Grunddaten – mit 16 Stationen aus Österreich „belegen“, dass es um 4°C wärmer geworden ist in den letzten 100 Jahren. Ich kann aus der gleichen Berechnung auch die Behauptung aufstellen, dass ein Großteil dieser Erwärmung – im 30-Jahres-Mittel – schon vor 1975 passiert ist.
Wenn ich Zahlen jedoch detaillierter und präziser darstelle, dann sieht es anders aus. Fazit: Es wurde wärmer in Österreich, 2025 ist im Vergleich zu den letzten 3 Jahren bisher eindeutig kühler, bleibt jedoch insgesamt unter den wärmsten Jahren der Messgeschichte. Daran könnten allerdings ein sehr kühler November und ein kalter Dezember noch einiges ändern.
Fragen, die sich mir stellen im Zusammenhang mit der Erwärmung gibt es viele:
- Warum ist der Anstieg vor allem seit Mitte der 80er-Jahre so stark?
- Wenn das CO2 alleine für den größten Teil der Erwärmung verantwortlich ist: Warum gab es dann von 1925 bis 1950 fast überall einen Anstieg, danach wieder ein Absinken und dann den starken Anstieg?
- Angeblich (siehe unten, Screenshot von Googles KI) braucht CO2 in höheren Luftschichten sehr lange, um wieder abgebaut zu werden – wenn dem so ist, wie viel Einfluss haben dann Maßnahmen, die durch ein BERECHNETES CO2-Äquivalent, das nun gesenkt werden soll, definiert werden? Und warum sind bei diesen Berechnungen manche Sachen nicht mit erfasst? Und wann kommen die ersten, die Geld damit verdienen wollen, indem sie CO2 aus der Atmosphäre entfernen (gibt es da schon Modelle, an denen ehemalige Maskenhersteller oder Teststraßenanbieter sich beteiligen?).

Es gäbe noch viele andere Fragen…