Der Bodensee und seine Daten

Zuletzt bin ich auf einen antiken Tagesschau-Bericht aus Deutschland aus dem jahr 1949 gestoßen über ein Rhein-Niedrigwasser, in dem auch von einem Niedrigstand aus dem Jahr 1921 die Rede ist. Daher fiel mir ein, dass ich einmal nachsehen könnte, wie das denn beim Bodensee so war und seit wann es hier Daten gibt.

Temperaturen

Bei den Temperaturen war ich zuerst sehr erfreut, als ich sah, dass die Tabellen bereits mit 1899 beginnen. Leider enden sie etwa 15 Jahre danach auch wieder um erst in den 70er-Jahren wieder Daten zu liefern.

Was auf den ersten Blick zu sehen ist: vor etwa 120 Jahren war der See kälter als heute. Damals gab es in 14 Jahren mit Daten aus dem Sommer (1901 fehlt im Sommer) nur vier Jahre, in denen das Monatsmittel über 20 Grad lag. Am wärmsten war der See im August 1904 mit 21,2 °C – ein eher frisches Badevergnügen! Auch das kälteste Monatsmittel stammt aus dieser Zeit: Im Februar 1907 war der Bodensee bei Bregenz im Durchschnitt nur 0,9 Grad warm! Schade finde ich, dass es keine Daten aus dem Jahr 1963 gibt, wo es zum letzten Mal eine „Seegfrörne“ gab, also der Bodensee komplett zugefroren war. Das gab es davor zuletzt 1830 und 1880 – im 13. und 14. Jahrhundert soll der See zumindest jeweils sieben Mal zugefroren sein!

Die „Trendlinie“ seit 1899 zeigt uns einen klaren Aufwärtstrend von etwa 10°C auf 12-13°C zuletzt.

Schauen wir uns die Daten ab 1976 an, die einerseits auf ehyd.gv.at zu finden sind (aber nur bis 2022!) und andererseits auch für spätere Jahre beim Land Vorarlberg, dann war der „kälteste See“ der im Monat Februar im Jahr 1981 mit 1,6 Grad. Ebenfalls kalt war der See im Februar 1986, 1991 und 2012.

Am wärmsten war der Bodensee in Bregenz im August 2003, wo das Monatsmittel fast die 25°C-Marke knackte. Auch der Juli 1983, der August 2018 und der Juli 2022 und August 2024 waren offensichtlich so warm, dass der See zumindest 24,5°C im Monatsmittel hatte.
Der 12-Monats-Trend (also das Mittel von 12 Monaten) zeigt, dass der See in den 70er-Jahren noch etwa 2 Grad kälter war als heute.

Wasserstand

Diese Grafik zeigt und die TAGES-Werte in Sachen Peegelstand am Bodensee seit dem Jahr 1911 – und zwar ohne Lücken! Am allerhöchsten war der Pegel Ende Juni 1926 – also vor gut 99 Jahren mit einem Pegelstand von 358. Am zweithöchsten war der Bodensee Anfang Juni 1999 mit 342 cm – also knapp 16 cm niedriger. Trotzdem reichte es, dass damals Straßen zum Teil 50cm hoch überflutet wurden. Auf den Plätzen 3-5 folgen Mitte Juli 1916, Ende Juli 1914 und Mitte Juni 1924. Ein Bild aus dem Archiv des Landes Vorarlberg zeigt, was 1926 in Hard Stand der Dinge war:

Denn allerniedrigsten Stand des Pegels zeigen die Daten für den Februar 2006 mit einem Wert von 10 – das sind fast 3,5 M weniger Wasser als im Juni 1926! Auch im Jänner 1949, im März 1963 und 1972 und im Jänner 1939 war der Pegel unter 20cm! Die Trendlinie seit 1911 zeigt eine fallende Tendenz seit damals – und zwar um fast 35 cm!

Wenn wir jedoch nur die Jahre seit 1980 betrachten, zeigt sich ein anderes Bild: Seit damals ist der Pegel des Bodensees nicht gesunken im Trend, sondern wieder angestiegen um ca. 15cm. Neben dem Jahr 1999 gab es auch 1987 und 2016 Pegelstände um ca. 3 Meter – also etwa 35-45 cm weniger als im „Hochwasserjahr 1999“.

Nun sehen wir selbst bei 40 Jahren recht wenig zum Pegelverlauf der einzelnen Jahre, daher habe ich noch andere Grafiken vorbereitet:

Die erste zeigt uns das 365-Tages-Mittel des Bodensees – und zwar ab 1912 immer die 365 Tage VOR dem jeweiligen Messtag – damit erhalten wir eine Kurve, die bis zum Juli 2025 reicht:

Demnach war das Jahr, in dem der Bodensee am „besten gefüllt“ war, die 365 Tage vor dem 9. Oktober 1914 mit einem Jahresmittel von 185cm. Auf Platz zwei lag das Jahr vor dem Oktober 1924 mit 181 cm.

Wenn wir nun das Kalenderjahr 1914 betrachten, sehen wir, dass damals der niedrigste Stand mit 82cm sehr hoch war und im Dezember lag. Offensichtlich muss damals im Jänner einiges an Wasser im See gelandet sein, was dazu führte, dass der Tiefststand nicht wie meistens sonst im Frühjahr lag. Den höchsten Stand erreichte der See damals Ende Juli mit einem Pegel von 321cm.

Als zweites Jahr mit viel Wasser im See habe ich das Jahr 1926 heraus genommen: Damals gab es den historischen Höchststand seit 1911 bei den Daten aus Bregenz. Bis Ende Mai war der Pegelstand recht normal und der Minimalstand von 91cm im Februar ist eher hoch als niedrig. Danach jedoch müssen wohl Schneeschmelze und Niederschläge zusammen für ein sehr rasches Ansteigen des Pegels gesorgt haben bis Mitte Juni. Erst ab Mitte August sank das Wasser wieder unter einen Pegelstand von 300cm ab.

Noch extremer ist der Anstieg im Jahr 1999, wo Mitte Februar der Pegel nur bei 46cm klag und auch Anfang Mai ein mit knapp über 100 niedriger Stand ausgewiesen wird. Danach ging es sehr rasant – zuerst auf etwa 275cm und dann noch einmal auf fast 350cm hinauf. Bereits Mitte Juni sank der Pegel wieder unter 300cm ab.

Noch einmal zurück zu den Jahres-Mitteln als Grafik:

Nie war das Jahresmittel niedriger als nach den 365 Tagen vor dem 30. November 1949. Werfen wir aber zuerst einen Blick auf 2025:

Anfang Juni erreichte der Pegelstand kurz fast die 150cm-Marke, ehe er dann wieder zu sinken begann. Die starken Niederschläge gerade die letzten Tage und noch bis Dienstag sind hier noch nicht abgebildet. Der tiefste Stand des Jahres war Mitte April erreicht mit einem Pegel von 54cm. Ist das jetzt „historisch niedrig“ oder gab es da noch extremere Jahre?

Schauen wir uns zuerst das Jahr 1949 an, aus dem der Tagesschau-Bericht stammt, den ich gesehen habe:

Der Tiefststand war damals Mitte Jänner mit 17cm DEUTLICH unter dem des laufenden Jahres. Allerdings war der Höchstwert dann Mitte Juni um fast 10cm über dem von 2025.

1921 soll es auch ein starkes Niedrigwasser im Rhein gegeben haben, wird im Bereicht der Tagesschau von 1949 erwähnt. Im Bodensee war der Pegel damals mit 47cm Niedrigst-Stand im März bis Anfang Mai recht tief, stieg dann allerdings im Juli doch noch auf fast 170cm an – also auch mehr als bisher im Jahr 2025.

Praktisch denselben Höchststand gab es zwei Jahre zuvor im Jahr 1947 – damals erst Ende Juli – ob wir den Wert von 167 dieses Jahr noch schaffen, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Fix ist, dass der Tiefststand damals im Februar mit 24 weit unter dem von 2025 lag – allerdings dürften Schneeschmelze oder Niederschläge im März dafür gesorgt haben, dass der Rhein kein Niedrigwasser führte.

Und jetzt kommt ein Jahr, das dem Jahr 2025 auf jeden Fall schon den ersten Rang abnimmt, wenn es um den niedrigsten Höchstwert geht: 1976 gab es Anfang Juni mit nur 142 cm einen Höchststand für das Jahr, der sieben Zentimeter unter dem des bisherigen Jahres 2025 liegt. Auch der Tiefststand von 39cm liegt unter dem von 2025.

Zuletzt noch ein Blick auf den „Jahrhundertsommer 2003“: Damals gab es interessanterweise den Höchststand im See fast im Jänner – nur wenige Zentimeter lag der Pegel in der ersten Kalenderwoche des Jahres unter dem von Mitte Juni – und auch hier war der Wert unter dem von 2025. Den Tiefststand gab es dann mit 41cm im Oktober – wo dann alelrdings ein Wetterumschwung Mitte Oktober den See noch einmal kräftig hat ansteigen lassen.

Fazit

Es wird nichts aus einem Rekord am Bodensee dieses Jahr. Zumindest nicht in Sachen „niedrigster Höchstwert“. Für einen absoluten Tiefstwert bräuchte es noch eine mehrwöchige Trockenheit im Spätsommer und Herbst, wovon ich nicht ausgehe. Und selbst für einen Rekordwert nach oben reicht nicht einmal ein Jahrhundertereignis wie das Hochwasser von 2005 aus, wie wir hier sehen:

Damals stieg der Pegel durch die ungeheuren Regenmassen, die in ganz Vorarlberg zu Überschwemmungen, Vermurungen und Todesfällen führten, vom 18. August innerhalb von 8 Tagen um 86 cm an! Damals fielen in Vorarlberg vom 22. auf den 23. August innerhalb von 24 Stunden zwischen 50 und 230 Liter pro Quadratmeter.

Ich finde, dass wir nach dem verregneten und kühlen Juli seit Ferienbeginn noch ein paar schöne, trockene und richtig warme Tage ab Mitte August verdient haben – trotzdem gehe ich auch davon aus, dass es auch in Sachen Monatsmittel bei den Temperaturen nicht mehr für einen Rekord im Bodensee reichen wird 2025. Dazu ist inzwischen zu viel kaltes Wasser von oben und aus den Flüssen in den See gelangt, der in den letzten 14 Tagen auch nicht durch viel Sonnenschein aufgewärmt hätte werden können.