Das Hitzejahr 2026

Wir erleben derzeit wieder eine so genannte „Hitzewelle“ in Österreich – diese werden dadurch definiert, dass es mehrere Tage hintereinander über 30°C hat als Tageshöchstwert.
Ich habe mir dazu einmal angeschaut, wie das Jahr bisher verlaufen ist – die Werte stammen wie immer von der geosphere austria (siehe hier) und sind bis incl. 29. Juli verfügbar heute am 30. Juli vormittags.

Beispiel Feldkirch

Bevor ich zeige, wie warm bzw. heiß es dieses Jahr an den von mir immer wieder verwendeten, über ganz Österreich verteilten Mess-Stationn der geosphere war im Jahr 2026, möchte ich etwas am Beispiel von Feldkirch zeigen:

Das waren die Hitzetage seit 1936 im Monat Juni an der Mess-Station in Österreichs westlichster Stadt – im Juni 2026 reichte es gerade um einen Tag nicht für die Einstellung des Rekordes aus dem Jahr 2020 – damals waren es 11, dieses Jahr errecihte das Thermometer an 10 Tagen einen Wert von mindestens 30°C.

Für den Juli habe ich im Jahr 2026 ein wenig „gschummelt“ und angenommen (die Prognosen weisen alle darauf hin, dass es so kommen wird), dass auch heute und morgen mehr als 30°C erreicht werden. Wenn dem so ist, dann wird der Rekord von 2015, als es 14 Hitzetage im Juli gab, eingestellt werden. Einen neuen Rekord gibt es allerdings nicht.

Die Summe der Teile

Was dieses Jahr besonders macht, ist die Tatsache, dass sowohl der Juni als auch der Juli sehr viele Hitzetage brachten. Denn so gut wie immer war nur ENTWEDER der Juni ODER der Juli ein besonders heißer. Das ist 2026 anders – darum sieht das in Summe aller Tage bis zum 29. Juli ganz anders aus, als wenn wir die Monate einzeln betrachten:

32 Tage mit mehr als 30 °C sind ein ganz klarer neuer Rekord für Feldkirch – das sind 13 Hitzetage mehr als im Jahr 2019 – das bei beiden Einzelmonaten nicht an vorderster Stelle zu finden war und im Juni und Juli „nur“ auf 9 Hitzetage kam.

Alle Stationen im Überblick

Wenn ich nun einen Überblick über alle Stationen zeige, müssen wir folgendes bedenken: Am Sonnblick in über 3000 Meter Seehöhe gibt es NIEMALS einen Sommer- (mind. als 25°C) oder Hitzetag (mind. als 30°C) – daher habe ich dort Tage mit mehr als 0°C und 10°C als Wert verwendet und die Linie ist gestrichelt eingezeichnet. Und selbstverständlich gibt es bei Stationen wie Langen am Arlberg oder Bad Bleiberg, die weit höher liegen als andere, weniger solche warmen oder heißen Tage.

Die schwarze Linie in der Mitte ist das Mittel aller 16 Stationen. 2026 waren es bis zum 29. Juli im Schnitt nie mehr als 51,6 Sommertage – das war im Jahr 2022. Dieser Wert wurde 2026 mit 54,2 solcher Tage überschritten – das sind im Schnitt also nicht ganz 3 „Tage“Sommertage“ mehr als beim Jahr mit den bisher meisten Sommertagen.
Was bei den Sommertage auffällt, ist, dass zwar der Mittelwert über anderen Jahren liegt, die Extremwerte aber selten die höchsten sind. So gab es in Innsbruck im Jahr 2003 mehr als 80 Sommertage in den ersten 212 Tage des Jahres. Dieses Jahr waren es dort „nur“ 61 solcher Tage.

Auch bei den Hitzetagen hat Innsbruck den bisherigen Rekordwert von 2006 nicht übertroffen, damals gab es dort 30 Tage mit mindestens 30°C. 2026 waren es bis zum 29. Juli „nur“ 29 Hitzetage. Dafür sprengt zum Beispiel Lienz alle bisherigen Werte seit 2000: Gab es bisher nie mehr als 22 Hitzetage (2010), so waren es 2026 ganz 33 Tage mit mindestens 30°C! Das Mittel aller Stationen ergab im Jahr 2025 15,9 Hitzetage, 2026 waren es mit 20,8 fast 5 Tage mehr als damals.

Diese Grafik zeigt den „Rang“ des Jahres 2026 im Vergleich aller Jahre seit 2000 – wäre es das Jahr mit den „wenigsten“ Sommer- oder Hitzetagen, dann wäre der Wert bei 27 – wenn es das mit den meisten Hitzetagen ist, istd er Wert 1. Was die Sommertage betrifft, so gab es an 5 Stationen nie mehr im neuen Jahrtausend als im Jahr 2026. Bei den Hitzetagen gab es an 11 der 16 Stationen einen neuen Rekord. Auffallend „anders“ ist Bad Bleiburg, wo es laut den mir vorhandenen Messdaten 8 Jahre seit 2000 gab, in denen es mehr Hitzetage gab. Bei den Sommertagen fällt Innsbruck auf, wo es in zehn Jahren seit 2000 mehr Hitzetage gab seit dem Jahr 2000.

Wer nun glaubt, dass es VOR 2000 seit dem Jahr 1895 andere Jahre mit mehr Sommertagen oder Hitzetagen gab als in den letzten 17 Jahren, den muss ich enttäuschen: Außer in Rauris, wo das Jahr mit den meisten Sommertagen das Jahr 1945 war, liegt der Rekord bei beiden Werten immer in den letzten 27 Jahren.

Fazit

Der Sommer 2026 wird in Sachen Hitzetage wohl ziemlich sicher der „heißeste seit Messbeginn“ werden. Auch wenn das gesamte Jahr 2026 bisher nur in Feldkirch und Bad Bleiberg das heißeste seit Messbeginn war, wenn es um die Temperaturmaxima geht und auch der Juni NIRGENDS der heißeste Monat seit Messbeginn war.
Was den Juli betrifft, so gilt es die Werte der beiden fehlenden Tage abzuwarten, allerdings wird es überall für einen Top-10-Wert reichen an den 16 Stationen, die ich immer verwende. Am Sonnblick, in Reichenau an der Rax und in Freistadt liegt der Juli ohne diesen beiden Tage derzeit auf Platz 9 aller Jahre. In Wien, Feldkirch und Kremsmünster wird es auf jeden Fall neue Rekorde geben, da liegt der Juli 2026 jetzt schon unter den Top 3 – ohne die beiden sehr heißen Tage, die noch kommen werden.

Natürlich sollen sich alle bei Hitze anders verhalten als wenn es – wie wir es auch schon oft hatten – einen verregnet-kühlen Sommer gibt. Ob dafür jedoch immer Alarmismus, manchmal sogar Panikmache nötig ist, ist eine andere Frage. Und ob bei uns wirklich so viele Menschen darauf angewiesen sind, Handlungsempfehlungen von allen möglichen Seiten und Stellen zu bekommen, darf ebenfalls bezweifelt werden.
Ich persönlich kenne zum Glück keine Menschen, die ihr Leben und ihre Gesundheit gefährden, indem sie sich gerade die ärgste Hitze des Tages aussuchen für anstrengende Tätigkeiten und die heißesten Plätze. Hoffentlich ist das zum Beispiel auch all jenen klar, die dieses Wochenende Veranstaltungen wie das Szene-Open-Air in Lustenau besuchen… sobald „bewusstseinverändernde Substanzen“ ins Spiel kommen, bin ich mir nicht mehr bei allen sicher, ob sie wissen, was sie tun…