Das Grundwasser am Beispiel zweier Orte

Wieder bin ich auf einen Online-Artikel gestoßen, der mich neugierig gemacht hat: https://vorarlberg.orf.at/stories/3353374/

Die Zahl „um bis zu 5 Meter niedriger als normal“ empfand ich als sehr hoch und wollte – wie so oft bei so etwas – selbst recherchieren, wie sich das im Lauf der „Messgeschichte“ zeigt. Glücklicherweise gibt es seitens des Landes Vorarlberg hier Daten dazu und ich habe folgendes zur Ergänzung des Artikels gefunden:

Schruns

Tatsächlich war der Grundwasserspiegel in Schruns noch nie so niedrig seit „Datenbeginn“ – das ist in dem Fall seit 1990 – wie im Februar 2026 (hellblaue Linie). Ebenfalls sehr niedrig war der Stand im Jahr 2022 und 2023 um diese Zeit. 2024 hingegen gab es für diese Jahreszeit absolute Höchst-Stände und 2025 lagen die ersten drei Monate ziemlich im Schnitt aller verfügbaren Jahre (dunkelrote Linie).
Was ebenfalls gut zu sehen ist: Der Grundwasserspiegel in Schruns sank im Lauf des Jahres 2025 immer mehr ab und war dann Ende des Jahres so niedrig wie noch nie. Und generell ist der Grundwasserspiegel im Sommer immer höher als im Winter in Schruns.
Nie war er übrigens höher als Ende Mai 1999 – der Unterschied ziwschen dem damaligen Höchststand und dem niedrigsten Stand diesen Februar beträgt fast genau zehn Meter! Durchschnittlich schwankt in Schruns das Grundwasser um 4,2 Meter pro Jahr, was beachtlich viel ist. Die größte Abweichung vom Mittel aller Jahre bisher zeigte sich am 7. Februar dieses Jahres mit 4,58 Meter – das heißt, die Angabe von „bis zu fünf Meter“ stimmt – wenn Aufrunden erlaubt ist auf volle Meter – in ungefähr.

Wenn wir uns die einzelnen Messjahre anschauen, sieht das Ganze so aus: Die obere, dunkelblaue Linie zeigt die Jahresmaxima, die untere orange Linie den niedrigsten Stand jedes Jahres. Die Säule zeigt an, wie es um den Grundwasserstand im Schnitt des Jahres bestellt war – ganz hinten folgen die Angaben zu allen Maxima und Minima der gesamten Jahre und zum Durchschnitt über alle Jahre.

Wir sehen, dass es wohl in den Jahren 1994 bis 1998 eher etwas niedrigere Grundwasserstände gab, danach lange Zeit eher über dem Schnitt liegende Stände. Seit etwa 2014 gab es bis auf 2024 kaum mehr Jahre, in denen der Jahresdurchschnitt über dem langjährigen Mittel lag. 2026 ist darum anders gefärbt, weil hier der normalerweise höhere Stände aufweisende Sommer noch komplett fehlt. Die drei Jahre mit den niedrigsten Werten waren nach diesen Daten 1996, 2022 und 2025.

Vergleich mit Bregenz

Blicken wir noch auf eine Landes-Mess-Stelle aus Bregenz im Vergleich dazu. Durch die Lage am Bodensee schwankt der Grundwasserspiegel natürlich nicht so stark – die Daten reichen hier um einige Jahre weiter zurück und umfassen fast 50 Jahre:

Was als erstes auffällt, ist der extrem niedrige Stand im Febraur und März 1993. Ob es sich dabei um eine trockene Periode oder auch eine durch etwas anderes verursachte Abweichung der Messdaten handelt, ist mir nicht bekannt. Die maximale Schwankung zwischen dem Tiefststand und dem höchsten gemessenen Wert im Mai 1999 (wie auch in Schruns!) liegt bei 3,65 Meter.
Das heißt: In Bregenz schwankt der Grundwasserspiegel im MAXIMUM aller fast 50 Jahre nicht so stark, wie in Schruns im MITTEL jeden Jahres! Durchschnittlich ändert sich der Grundwasserpegel im Laufe eines Jahre in Bregenz um etwa 85 Zentimeter.
Was ebenfalls auffällt: In Bregenz waren die letzten Jahre NICHT extrem, wenn es um niedrige Grundwasserstände geht! Nur im Sommer 2025 und 2022 lagen die Werte kurzzeitig unter dem Mittel, ansonsten gab es fast nur überdurchschnittliche Werte! Und das Jahr 2026 war ebenfalls bis etwa Mitte April über dem Mittel, danach knapp darunter.

Das höchste Mittel aller Maximalwerte gab es in Bregenz im Jahr 1999, den niedrigsten durchschnittlichen Wert aller Minima im Jahr 1993 (siehe den Abfall im Frühjahr oben!). Wenn ein Jahr etwas „trockener“ in Sachen Grundwasser war zuletzt, dann war es 2021 – ansonsten scheint der Trend beim Grundwasser in Bregenz eher leicht nach oben zu gehen.

Fazit

Ich habe einiges dazugelernt: Dass es bei uns im Winter niedrigere Grundwasserstände als im Sommer gibt, war weniger überraschend. Dass es allerdings bei Grundwasserfelder in alpinen Tälern Schwankungen von bis zu zehn Meter zwischen dem absoluten Höchst-Stand und dem tiefsten je gemessenen Wert gibt, war mir neu. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob ich bei DURCHSCHNITTLICHEN Schwankungen von mehr als 4 Metern pro Jahr so etwas bei der Errichtung einer Grundwasser-Wärmepumpe berücksichtigen muss und ob das auch passiert ist bei diesen Anlagen.
Interessant finde ich auch, dass es zwar im Montafon so aussieht, als hätte es zuletzt – mit Ausnahme der Jahre 2023 und 2024 – eher niedrige Grundwaserspiegel gegeben, das zeigt sich jedoch neben dem Bodensee in Bregenz überhaupt nicht.
Weiß vielleicht jemand, ob Bäume demnach in alpinen Lagen tiefere Wurzeln haben als in Regionen rund um Gewässer wie den Bodensee?