Beschäftigt uns das?

Derzeit stehen alle, die nicht Vollzeit arbeiten, regelrecht unter Beschuss.

So hat etwa der Wirtschaftsminister laut ORF „kein Verständnis“ dafür und bezeichnet die Vollzeitbeschäftigten als „Verantwortung für die gesamte Gesellschaft“. Ich betilige mich wie immer nicht an Berwertungen oder Pauschalierungen, habe jedoch eine Datenbank gefunden bei der Statistik Austria, bei der wir Informationen über die Beschäftigung in Österreich bekommen.

Vorbemerkung

Die Daten stammen aus zwei verschiedenen Datenquellen, einmal von 2008 bis 2020 und einmal 2021 bis 2023. Es gibt einen sehr auffallenden „Sprung“ zwischen den beiden Datensätzen, vor allem, wenn es um die weiblichen Beschäftigten geht. Ich habe extra die Metadaten genau miteinander verglichen und bis auf die Tatsache, dass ab 2021 gegendert wird, ist mir kein schlüssiger Grund aufgefallen, der diese Sprünge erklären könnte…

Die Daten

Diese erste Tabelle zeigt uns ALLE Beschäftigten in Österreich seit 2008 (die Daten von 2002 bis 2007 sind hinter einem kostenpflichtigen Abo versteckt). Wenn wir dabei einen Trend einzeichnen (schwarze gestrichelte Linie), dann ist gut zu sehen, dass die Zahl der Beschäftigten zwar angestiegen ist bis 2019, dieser Anstieg jedoch nachgelassen hat. 2020 erfolgt ein Rückgang (Lockdowns sei dank…) danach stieg die Zahl der Beschäftigten (mit dem Wechsel auf die neue Datenbank) wieder stark an.

Wenn wir die Daten aufgeteilt in männliche und weibliche Beschäftigte ansehen, dann fällt sofort auf, was sich geändert hat: Bei den männlichen Beschäftigten gibt es wenig Abweichungen vom Trend (bis auf das Jahr 2020), bei den weiblichen jedoch sehr starke. Und der Anteil der weiblichen Beschäftigten an der Gesamtzahl (grüne Linie) ist von 2008 bis 2020 kontinuierlich gesunken, steigt dann jedoch sprunghaft an um mehr als 4%.

Der Großteil der Beschäftigten in Österreich ist unselbständig. Hier sehen wir einen Unterschied beim Anteil der weiblichen beschäftigten zur Gesamtzahl: Von 2008 bis 2015 stieg der Anteil an weiblichen Beschäftigten an, danach erst sank er bis 2020, um dann sehr stark zu steigen.

Bei den Selbständigen sieht es anders aus: der Anteil der weiblichen Selbständigen sank bis 2020 durchgehend, auffallend ist der Rückgang von 2011 auf 2012. Danach stieg er EXTREM an von etwa 22% auf ca. 37%. Von den reinen Zahlen her stieg der Wert von unter 80.000 auf über 230.000 weibliche Selbständige an. Das ist nur durch einen Definitionswechsel erklärbar, der jedoch in den Metadtane für mich nicht auffindbar ist:

ab 2021: „Zu den weiblichen selbständig Beschäftigten zählen die weiblichen tätigen Inhaberinnen sowie die weiblichen mithelfenden Familienangehörigen. Diese Personen beziehen weder ein(en) Gehalt/Lohn, noch sind sie als unselbständig Beschäftigte sozialversichert. [im Jahresdurchschnitt]“
vor 2021: „Zu den weiblichen selbständig Beschäftigten zählen die weiblichen tätigen Inhaber sowie die weiblichen mithelfenden Familienangehörigen. Diese Personen beziehen weder ein(en) Gehalt/Lohn, noch sind sie als unselbständig Beschäftigte sozialversichert. [im Jahresdurchschnitt]“

Es ist jedoch auch die Zahl der männlichen Selbständigen stark gestiegen von unter 273.000 auf über 381.000!

In der Gruppe der Angestellten liegt der Anteil an weiblichen Beschäftigten seit dem Bruch von 2020 auf 2021 über 50%. Davor waren es zwar 2015 ebenfalls bereits fast 50%, dann sank dieser Anteil wieder leicht auf etwa 49,5% ab um dann auf 2021 plötzlich auf über 52% anzusteigen.

Bei den Arbeitern liegt der weibliche Anteil deutlich tiefer. 2009 waren es etwa 30%, danach senk der Anteil auf unter 29% im Jahr 2019 ab. 2020 war extrem, der Anteil lag nur mehr bei knapp über 27%- Interessanterweise waren es 2021 imme rnoch weniger als in den Jahren 2008 bis 2015, erst danach stiegen die Zahl auf über 30% an.

Der Anteil an weiblichen Lehrlingen lag 2008 bei ca. 30% und blieb auch bis 2013 auf diesem Niveau – danach ging er bis 2020 kontinuierlich auf etwas mehr als 28,5% zurück. 2021 lag er dann plötzlich bei über 31,5% und steigt seitdem weiter an. Die Gesamtzahl der Lehrlinge in Österreich ist auch interessant:

Die sank nämlich von 2008 bis 2017 durchgehend ab, seither steigt sie wieder an, stagniert jedoch die letzten drei Jahre.

Wie viele nicht Vollzeit-Beschäftigte gibt es?

Schauen wir uns dazu zuerst die Zahlen der geringfügig Beschäftigten an seit 2008:

Erstens fällt sofort auf, dass es mehr weibliche als männliche geringfügig Beschäftigte gibt. Zweitens gibt es hier – im Gegensatz zu allen Gruppen vorher – keinen starken Anstieg des weiblichen Anteils im Jahr 2021. Und drittens stiegen hier – mit Ausnahme der Jahre 2019 und 2020 – die Zahlen bei den Frauen durchgehend an, bei den Männern gab es von 2017 bis 2020 einen leichten Rückgang und sonst ebenfalls steigende Zahlen.

Die große Überraschung (Enttäuschung)

Wer sich nun wundert, warum ich keine Daten zu männlichen und weiblichen Teilzeitbeschäftigten habe: Es gibt interessanterweise nur bei dieser Kategorie KEINE Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Beschäftigten bei der Statistik Austria (ein Schelm, wer sich was Böses denkt).

Was fällt auf?

  • Die Zahl (orange Säulen) steigt kontinuierlich an seit 2008 – nur 2020 gab es einen Rückgang, dem ein starker Anstieg 2021 folgte.
  • Der Anteil an allen Beschäftigen ist von 2008 (21%) bis 2023 (28,2%) angestiegen. Und die auffallende Änderung bei den Zahlen von 2020 auf 2021 ist hier ebenfalls zu sehen.

Fazit

Zu berurteilen, ob es „unsozial“ gegenüber der Gesellschaft ist, weniger als Vollzeit zu arbeiten, sei jedem selbst überlassen. Mir fehlen hier nur mehr Worte wie „alternativlos“ und „***pflicht“ in der Einordnung, um mich an Zeiten vor etwa 3-4 Jahren zu erinnen.

Was defintiv NICHT stimmt, ist dass es nur nach 2020 so inen Anstieg gab bei denen, die sich „freiwillig“ dafür entscheiden, nicht Vollzeit zu arbeiten. Der Anstieg war bereits vorher zu sehen und hat sich nur verstärkt in den Jahren nach dem Jahr, in dem viele gezwungen waren, weniger zu arbeiten.

Und wenn mir jemand, der mit Personalverrechnung oder -wesen zu tun hat erklären kann, was sich da von 2020 auf 2021 noch geändert hat, dass es plötzlich beim Anteil der weiblichen Beschäftigten so einen Sprung nach oben gegeben hat in allen Bereichen außer bei den geringfügig Beschäftigten, dann freue ich mich über Erleuchtung…

Was mir vollkommen unerklärlich ist, ist die Tatsache, dass es bei der Statistik Austria ÜBERALL Daten zum Anteil der weiblichen Beschäftigten gibt, nur bei den Teilzeitbeschäftigten nicht… Fakt ist, dass immer noch mehr als zwei Drittel aller Menschen einer Vollzeitbeschäftigung nachgingen im Jahr 2023 – für 2024 gibt es noch keine Daten (die sollen laut Statistik Austria „18 Monate danach“ verfügbar sein – das wäre im August 2025…).