Ausnahmen bestätigen die Regel…

… aber warum sind sie so regelmäßig?

Gestern habe ich etwas zu den Niederschlägen in dem eher trockenen Jahr 2025 geschrieben, vor wenigen Tagen etwas zu den Temperaturmaxima. Damit ich auch die dritte Konstante, die ich oft mit einbeziehe, aktualisiert habe, wollte ich mir noch die Temperaturminima anschauen.

Am Beispiel Feldkirchs habe ich daher eine Grafik erstellt, auf der wir folgendes sehen: Die beiden schwarzen Linien zeigen die absoluten Maximal- und Minimalwerte der tiefsten Tagestemperaturen aller Jahre seit Messbeginn. Die rote Linie zeigt den Schnitt aller verfügbaren Jahre, die gelbe den Schnitt der letzten 50 Jahre (also seit 1976) und die orange Linie den Schnitt der letzten 10 Jahre – natürlich mit mehr Schwankungsbreite, weil es weniger Jahre sind und sich daher Extreme mehr auswirken.
Ebenfalls eingezeichnet sind die Jahre 2024 und 2025 in Lila und Rosarot.

Was sofort auffällt ist die Tatsache, dass die kältesten Extremwerte im Winter viel weiter unter dem Mittelwert liegen als in den anderen Jahreszeiten – daher ist der “Kreis” bei der inneren schwarzen Linie deutlich abgeflacht oben. Abgesehen davon ist diese Grafik zwar hübsch anzusehen, finde ich, aber viel schwerer zu verstehen.

Daher wollte ich das Ganz noch anders darstellen und habe mich dabei auf die Unterschiede zwischen dem Mittel der letzten 10 Jahre und den Durchschnittswerten aller Jahre bzw. der letzten 50 Jahre beschränkt:

Wie erwartet liegen die Temperaturen der letzten 10 Jahre deutlich über denen der letzten 50 (schwarze Linie) bzw. aller Jahre (rote Säulen). Vor allem Ende Jänner und in der zweiten Februarhälfte, aber auch rund um Weihnachten sind die Werte DEUTLICH höher als früher – teilweise um bis zu 5 °C und mehr! Auch im Sommer ist es fast durchgehend wärmer an der Mess-Station in Feldkirch in den letzten 10 Jahren als es “früher” der Fall war.
Es gibt allerdings auch Zeiträume, in denen die Abweichungen deutlich weniger sind oder es sogar zuletzt kälter war als seit Messbeginn oder seit den 70er-Jahren: Um den 20. Jänner, Ende April und Ende September/Anfang Oktober war es “früher” in Feldkirch wärmer als in den letzten zehn Jahren, auch Anfang Dezember gibt es deutlich weniger zu sehen in Sachen Erwärmung.

Eigentlich wollte ich es dabei belassen, dann kam mir jedoch die Idee, das bei zwei anderen Stationen auch noch darzustellen. Ich habe dafür den Sonnblick (Station über 3.000 m Seehöhe) und Wien als Hauptstadt Österreichs ausgesucht:

Auch am Sonnblick ist es vor allem in der zweiten Februarhälfte und um den Jahreswechsel sehr viel wärmer – sogar um mehr als 6 Grad! Und auch hier gibt es Zeiten, in denen der allgemeine Trend zur Erwärmung umgedreht ist: Wieder ist es rund um den 20. Jänner kälter – dort oben sogar um mehr als 2°C, auch Ende Mai und vor allem Ende September/Anfang Oktober und Ende November/Anfang Dezember ist es kälter als “früher”.

In Wien sieht das Ganz etwas anders aus, die Erwärmung betägt maximal knapp über 5°C Mitte Februar und 4,5 Grad rund um Weihnachten. Kühler ist es WIEDER um den 20. Jänner und auch Anfang Dezember. Am stärksten nach unten weichen hier die Werte von Mitte April bis Mitte Mai ab und auch hier ist es wieder Ende September/Anfang Oktober eher kühler verglichen mit den langjährigen Mittelwerten.

Fazit

Auch bei den Tages-Tiefstwerten wird es wärmer in Österreich, vor allem in den letzten 10 bis 15 Jahren. Warum das so ist, ist die eine Sache – ich finde heute vor allem die Ausreißer nach oben UND nach unten interessant, weil sie offensichtlich in ganz Österreich zu ähnlichen Zeiten auftreten.
Wäre ich ein Spielertyp, dann würde ich wetten, dass es kurz nach dem 15. Februar und rund um Weihnachten in Österreich immer DEUTLICH zu warm ist – auch der Sommer bietet sich – mit weniger Temperaturunterschied – für solche Wetten an.
Gleichzeitig ist es seltsamerweise um den 20. Jänner immer kälter als “früher”, auch Mitte April bis Ende Mai bieten sich für “Kälteperioden” an, wo es früher wärmer war als die letzten Jahre. Der dritte Block, der fast immer kühl oder auch zu kühl zu sein scheint, liegt Ende September/Anfang Oktober – auch die Zeit rund um den Nikolausbesuch eignet sich für Wetten mit wenig Erwärmung oder sogar kälteren Temperaturen als im Mittel aller Jahre oder auch der letzten 50 Jahre.