Auf die Knolle gekommen…

Gestern habe ich die ZiB 2 angeschaut. Unter anderem kam ein Bericht über die gute Kartoffelernte. Wer nun glaubt, es sei ein positiver Bericht mit glücklichen Landwirten, der irrt. (Quelle siehe hier)
A propos irren: ich war doch sehr verwIRRT beim Anschauen wegen zweier sich offensichtlich widersprechender Zitate:

Zitat 1 (Bäuerin): “… letztes Jahr durch des schlechte Wetter … durch vielen Regen… hat’s wenig Kartoffeln gegeben…”
Zitat 2 (Sprecherin): “… denn hinzu kommt: Kartoffeln benötigen viel Wasser – dafür muss man vor allem auf Grundwasser zurückgreifen, das im Osten Österreichs bereits knapp ist…”

Darum habe ich recherchiert: Mir war irgendwie klar – wurde aber im Bericht nirgends erklärt – dass die guten Knollen nicht IMMER viel Wasser brauchen, aber eben zur rechten Zeit, die soll angeblich im Frühsommer sein, wenn die Knollen wachsen und gedeihen.
Zuerst (siehe oben) bin ich auf Daten zur Kartoffelernte generell in Österreich gestoßen und war durchaus überrascht, dass wir offensichtlich vor 60 Jahren ein Vilefaches der Erntemengen von heute hatten. Damals wurde – so entnehme ich der Quelle der Grafik (siehe hier) – sehr viel an Kartoffeln für die Viehzucht produziert. Die Schweine von damals wurden wohl viel mit Kartoffeln gemästet.

Ich habe dann versucht, die eher schwächeren Jahre (siehe Pfeile) mit den Daten der Niederschlagsmengen abzugleichen. Dazu habe ich wieder Goole befragt, wo es denn die Haupt-Anbaugebiete bei uns gibt in Sachen Kartoffeln. Das Wald- und das Weinviertel in NÖ seien da ganz weit vorne, habe ich gelernt.

Das sind die Niederschlagswerte für Mitte Juni bis Ende Juli in Zwettl – seit 1936. Die “schwachen Kartoffeljahre” von oben habe ich grün gefärbt. Mir fällt dabei kein Muster auf, das auf zu wenig oder zu viel Regen zur “Knollenwachstumszeit” hinweisen würde.
Dazu kommt, dass offensichtlich 2024 (das schlechte Kartoffeljahr) viel mehr Niederschlag hatte als 2025, das eher eines der trockensten Jahre war seit Messbeginn in diesem Zeitraum.

Der Grundwasserspiegel

Das “Grundwasser, das in Ostösterreich bereits knapp ist” wollte ich mir auch noch anschauen und habe ganz wahllos beim offiziellen österreichischen Mess-Stellen-Netz in NÖ und auch im Burgenland Stationen mit Daten gesucht, die zumindest bsi 1991 zurückreichen:

Mönchhof liegt östlich des Neusiedlersees, der im Bericht auch angesprochen wird. Ja, da gab es wohl einen Rückgang des Pegels – allerdings lag der eher in den Jahren 1972 bis 1984. Da die anderen Stationen, die ich gefunden habe, alle erst Daten ab 1990 oder 1991 haben, habe ich auch die Daten dieser Station so dargestellt wie die anderen:

Tendenz (rote Linie) an der Mess-Station Mönchhof: minimal sinkend, fast gleichblkeibend.

Und in Niederösterreich, der Knollenkamer Österreichs?

Drei Stationen (nein, ich habe nicht zuerst geschaut, was die Daten zeigen und dann gezielt ausgewählt, sondern einfach solche gesucht mit Anklicken, die Daten ab den 90ern haben bis 2023 – ab dann gibt’s nämlich (noch?) keine Daten bei https://ehyd.gv.at) drei Tendenzen: zweimal STEIGT der Grundwasserspiegel an, einmal SINKT er.

Fazit

Was habe ich heute gelernt?

  1. Ich muss meine Kartoffeln im Garten vor allem in der Blütezeit und die Wochen danach gut gießen, wenn es zu wenig regnet – vielleicht gehöre ich dann auch einmal zu den dümmsten Bauern, die angeblich die größten Kartoffeln ernten…
  2. Offensichtlich gibt es aber keinen Zusammenhang zwischen eher kleineren Erntemengen und Niederschlägen in der wichtigsten Zeit des Knollenwachstums. Mir ist auch klar, dass es dann noch darauf ankommen kann, ob der Niederschlag über viele Tage verteilt odersher punktuell fällt – das habe ich nicht untersucht.
  3. Der Grundwasserspiegel scheint ein eigenes Süppchen zu kochen. Bei vier Stationen im Nordosten des Landes gab es zweimal Zuwächse, einmal Stagnation und einmal einen Rückgang seit 1990. Allerdings gab es im Osten des Burgenlandes einen starken Rückgang von 1975 bis 1984 – also noch BEVOR die Temperaturen bei uns so richtig zu steigen begannen, quasi genau in der eher kühlen Phase von 1961 bis 1990.

Vielleicht bräuchte es jetzt lokale Initiativen? Bauern, die ihre noch nicht abgeernteten Felder (weil sie zu wenig bekommen für die Knollen) willigen Bürgern zur Verfügung stellen zum Abernten. Gegen ein Trinkgeld, das mehr bringt als der Verkauf an Zwischenhändler, die laut dem Zib2-Bericht wohl die sein sollen, die den Gewinn einstreifen, weil den angeblich nicht die großen Lebensmittelhändler machen…