Alles Verbrecher?

Ich habe zuletzt einige Zahlen zur Verbrechens- und Verurteilungs-Statistik gesucht und gefunden. Anfänglich habe ich dabei die Sicherheitsberichte des BMI herangezogen und mir auch darum schwer getan, weil die Zahlenaufbereitung sehr unterschiedlich war im Laufe der Jahre. Nun bin ich auf Zahlen der Statistik Austria gestoßen, bei denen manches besser aufbereitet ist.

Alle Verurteilungen

Da es mir nicht um Anzeigen, sondern um Verurteilte geht (ich gehe davon aus, dass bei uns die Justiz grundsätzlich funktioniert und Leute, die kein Verbrechen bzw. keine Straftat begangen haben, auch nicht verurteilt werden), konzentriere ich mich auf die Verurteilungen und die Datenbank dazu.

Das sind die Verurteilungen seit 1976 – die Zahlen sind nicht „pro 100.000 EW“ berechnet, sondern die nackten Zahlen – das heißt, der zu erkennende Rückgang ist sogar noch beruhigender, weil wir ja seit 1976 DEUTLICH mehr Menschen in Österreich haben. Nie gab es mehr Verurteilungen als 1981, als es fast 900.000 waren. Warum es im Jahr 2000 so einen starken Rückgang gab, ist mir nicht bekannt, ich vermute, dass hier eine Definitionsänderung mit im Spiel war. Grundsätzlich geht die Zahl der Verurteilten seit 2981 kontinuierlich zurück – das Jahr 2020 brachte einen stärkeren Rückgang als davor, seither steigt die zahl der Verurteilten langsam wieder an, liegt aber immer noch unter dem Niveau von 2019.

Was seit 1976 ebenfalls zurück geht, ist der Anteil der österreichischen Staatsbürger unter den Verurteilten. Waren es vor 50 Jahren noch über 90%, so sind es 2024 nur mehr knapp über 50% aller Verurteilten, die einen österreichischen Pass besitzen.

Die Zahl der Vorbestraften unter den Verurteilten ist relativ konstant zwischen 40% und 50% gelegen – in den 90er-Jahren lag sie eher knapp unter 40% und im ersten jahrzehnt des neuen Jahrtausends knapp über 50%.

Mord, Tötung und Totschlag

Ich habe hier nur die Taten erfasst, die nicht „versuchte“ Morde oder Tötungen oder Totschlag waren, sondern auch zum Tod geführt haben. Wenn es um diese drei Urteilssprüche geht, sind die Zahlen bei fahrlässiger Tötung bei weitem am höchsten.

1977 gab es fast 900 Fälle, in denen ein Gericht auf fahrlässige Tötung entschieden hat. Seit 2018 gab es nur mehr zwei jahre, in denen die Zahl der wegen fahrlässigen Tötungen Verurteilten über 100 lag, zuletzt war das 2022 der Fall. Der Anteil an Vorberstraften unter den Verurteilten ging von ca. 20% auf zuletzt teilweise unter 3% zurück.

Wegen Totschlag Verurteilte gab es in Österreich seit 1976 nie mehr als 10 pro Jahr. Seit 2005 gab es sogar 7 Jahre ohne eine einzige Verurteilung in diesem Bereich. Bei so niedrigen Zahlen schwankt der Anteil bei den Vorbestraften naturgemäß deutlich mehr – in den letzten 15 Jahren lag er meist bei 0%, nur 2023 war einer von zwei Totschlägen von jemandem begangen worden, der vorbestraft war.

Wegen Mord verurteilt wurden in Österreich in den letzten 50 Jahren immer zwischen 15 (1979) und 53 (1993) Personen. Davon waren zwischen 17% und ca. 90% vorbestraft (wegen was die Personen vorbestraft waren, habe ich nicht erfassen können). Anders gesagt: 2024 wurde – auf die Einwohner umgelegt – eine von ca. 300.000 Personen in Österreich wegen Mordes verurteilt.

Der Extremismus

Zuletzt gab es große Schlagzeilen, weil der Rechtsextremismus so stark zunehmen soll in Österreich. Dazu habe ich schon Zahlen ausgewertet aus den Sicherheitsberichten.

Hier handelt es sich NICHT um Verutreilungen, sondern um „Tathandlungen“ oder Anzeigen wegen derselben. Wir sehen, dass die Zahlen tatsächlich steigen – es gibt aber keine genauen Daten zu 2024 und 2025 – nur Schlagzeilen sind genügend vorhanden.

Das sind drei Seiten aus dem Anhang zum Sicherheitsbereicht 2022 des BMI – es geht um die Anzeigen wegen Rechtsextremismus – wir sehen, dass es vor allem drei große Tatbestände gibt, die angezeigt wurden: Die nach dem Verbotsgesetz, Sachbeschädigung und Verhetzung:

Sachbeschädigungen gibt es auch sonst sehr viele, da kann ich keine Daten dazu aus der Verurteilungs-Statistik der Statistik Austria heraus nehmen, daher habe ich die Zahlen zum Verbotsgesetz und zur Verhetzung herangezogen (bei letzterem kann es durchaus auch andere als rechtsextreme Tatbestände geben, denke ich):

Wir haben seit 1976 nur in zwei jahren mehr als 50 Verurteilungen wegen Verhetzung, das war in den Jahren 2017 (98) und 2018 (55) – übrigens zu einer Zeit, als das Innenministerium von der FPÖ geführt wurde. Der Anteil der Vorbestraften ist sehr unterschiedlich, liegt zuletzt allerdings bei ca. 30-50%.
Mindestens 7 von 10 Verurteilten haben/hatten die österreichische Staatsbürgerschaft.

Was das Verbotsgesetz betrifft, so liegen die Zahlen bis 2008 immer unter 30, wenn es um Verurteilungen geht. Danach sind sie einige Jahre zwischen 30 und 70, seit 2018 sind es immer mehr als 100 gewesen. Nur von 2021 bis 2023 waren es mehr als 200. Der Anteil der Vorbestraften lag Anfang des Jahrtausends noch bei 60-80% und zuletzt bei 30-40%. Immer waren bisher mindestens 4 von 5 Verurteilten Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft.

Zum Verbotsgesetz habe ich noch genauere Daten seit 2012 gefunden: Daraus ist ersichtlich, dass praktisch fast niemand, der in Österreich deswegen verurtelt wurde, Staatsbürger eines nicht europäischen Landes ist. Anders gesagt: Nach dem Verbotsgesetz verurteilt werden demnach zu mindestens 80% österreichische Staatsbürger, die anderen sind aus anderen europäischen Staaten, zumeist überigens aus Ländern, die vor 2004 schon der EU angehörten oder einen Schweizer Pass besitzen.

Fazit

Die Zahl der Verurteilungen wegen Straftaten in Österreich sinkt seit Beginn der 80er-Jahre ab – auch wenn es zuletzt einen leichten Anstieg gab, liegen wir noch unter dem Wert von 2019. Was ebenfalls stark gesunken ist, ist der Anteil der österreichischen Staatsbürger unter den Verurteilten.

Mord und Totschlag haben nicht zugenommen in Österreich, wenn es um die Verurteilungen geht. Beim Totschlag gab es einen starken Rückgang (ich vermute, dass hier sehr viele Verkehrsopfer darunter sind, und die wurden seit 1976 sicher weniger), bei den Morden ist die Zahl fast noch gleich wie vor 50 Jahren:

Was wir hier sehen, ist, dass der Anteil an Verurteilten, die KEINE österreichische Staatsbürgerschaft haben, ansteigt. Zuletzt waren 60% aller wegen Mordes Verurteilten keine Besitzer eines österreichischen Passes oder Personalausweises. Nur im Jahr 1993, dem jahr mit den meisten wegen Mordes Verurteilten in Österreich seit 1976, war der Anteil vor dem Jahr 2005 ebenfalls schon über 40%.

Und der Rechtsextremismus? Wenn wir jetzt die Sachbeschädigungen und Anzeigen wegen Vergehen und Straftatbeständen mit sehr geringen Fallzahlen weglassen, zeigt sich bei Verhetzung und Verbotsgesetz, dass nie mehr als 1% aller Verurteilungen in Österreich deswegen ausgesprochen werden – trotz steigender Zahl an Anzeigen.