Quarantäne-Management in rot-weiß-rot

Vorbemerkung

Wieder einmal wollte ich nur etwas dokumentieren und bin auf eine „kleinere Ungereimtheit“ gestoßen.
Wieder einmal weiß ich, es wird viele nicht interessieren – schon gar nicht die, die es „verbockt“ haben – und außerdem: haben nicht schon alle genug von dem blöden „C-Thema“?

Worum geht’s?

Es geht um das Quarantäne-Management in Österreich. Seit 21. April wurde die Empfehlung des BM für Gesundheit, was den Umgang mit positiv Getesteten und auch deren Kontaktpersonen betrifft, nicht mehr geändert. Darum habe ich den Zeitraum, den ich darstelle, ab dort gewählt. Quelle ist die tägliche Download-Datei der AGES am dortigen Dashboard. Dort sind die einzelnen Altersgruppen – sogar nach Geschlechtern getrennt – ersichtlich.
WENN sich – was sie NICHT müssen – die „Infektionsteams“ der einzelnen Bundesländer an die Empfehlungen des Ministeriums halten, dann sieht es so aus:

  • Positiv Getestete müssen zumindest 5 Tage in Absonderung
  • danach können sie unter bestimmten Voraussetzungen die Absonderung (oft auch als Quarantäne bezeichnet) wieder verlassen

Wer sich die Empfehlungen des Bundes durchlesen will:

Kontaktpersonen (müssen NICHT in Quarantäne, sind nur mehr verkehrsbeschränkt!): https://www.sozialministerium.at/Corona/Coronavirus/Coronavirus—Aktuelle-Ma%C3%9Fnahmen.html#kontaktpersonenmanagement

Absonderungsmaßnahmen: https://www.sozialministerium.at/Corona/Coronavirus/Coronavirus—Aktuelle-Ma%C3%9Fnahmen.html#absonderung

Dazu gibt’s auch jeweils ein PDF (vom 21. April 2022)!

Das bedeutet, dass – wenn das so gehandhabt wird – die Zahl der positiv getesteten Personen der letzten 5 Tage UNGEFÄHR der Zahl der in Absonderung befindlichen Menschen entspricht. Verstanden so weit? Schauen wir uns das am Beispiel Vorarlbergs an:

Vorarlberg

Ich habe wirklich alle Daten genutzt und die einzelnen Altersgruppen separat dargestellt – auch nach Geschlecht getrennt. Falls sich jemand wundert, warum die Kurven teilweise so „niedrig“ sind: Ich musste mich (siehe weiter unten) an der Kurve mit dem höchsten Wert in der ganzen Story orientieren. Die Zahlen zeigen jeweils den Prozentwert der Menschen aus der entsprechenden Gruppe, der entweder in den 5 Tagen davor positiv getestet wurde oder am entsprechenden Tag in Absonderung war.

Bei den Kindern bis 14 Jahren sehen wir, dass in Vorarlberg kaum Unterschiede bestehen zwischen den Säulen (neue Positive) und der dunkelblauen Linie (Abgesonderte). Das bedeutet, dass im Ländle wohl die meisten aus dieser Altersgruppe nach 5 Tagen wieder „frei“ sind (eventuell zwar mit „Verkehrsbeschränkung“, aber darum soll es nun hier nicht gehen).

Bei den Menschen zwischen 15 und 34 Jahren sind zwar die Kurven etwas höher, die Aussage bleibt jedoch ähnlich. Es gibt allerdings einen erkennbaren Unterschied zwischen der Abgesonderten und den Positiven bei der Gruppe der 25-34 Jahre alten Menschen. Das heißt, dass dort doch einige wenige länger als 5 Tage in Absonderung waren/sind.

Je älter die Altersgruppe, desto größer wird der Unterschied. Bei den 45-54 Jahre alten Menschen sind es schon etwa ein Viertel aller Positiven, die LÄNGER als 5 Tage in Absonderung verbringen. Was ebenfalls auffällt: Es sind in Vorarlberg generell mehr FRAUEN betroffen als Männer.

Bei den Menschen zwischen 55 und 74 Jahren fällt auf, dass die Kurve mit zunehmendem Alter flacher wird. Und auch der Anteil an Menschen, der länger als 5 Tage in Absonderung ist, sinkt deutlich ab.

Die Menschen ab 75 Jahren. Erstens sinkt der Anteil der „gefundenen“ noch einmal ab und zweitens liegt die Linie der Abgesonderten hier oft UNTER der Anzahl der positiv Getesteten der letzten 5 Tage. Das heißt, dass in diesem Alter manche schon VOR Ablauf der 5 Tage wieder als „genesen“ gelten. Und besonders auffallend ist der Anstieg bei den Männern ab 85 Jahren zuletzt – ob das eine wirkliche C19-Sommerwelle oder etwas anderes ist, weiß ich nicht…

Zwischenfazit

Eigentlich wäre die Geschichte nun vorbei – in Vorarlberg halten sich die Behörden offensichtlich in etwa an die Empfehlungen des Ministeriums, es gibt etwas mehr Frauen als Männer (Ausnahme ab 85 Jahren) und der Großteil der positiven Tests passiert bei den Menschen zwischen 15 und 65 Jahren.
Ich war jedoch so naiv und habe das auch für Österreich ausgewertet in der Annahme, dass es dort ähnlich aussieht – doch seht selbst!

Österreich

Schon bei den Kindern bis 14 Jahren fällt auf, dass die Linie und die Säulen nicht wie im Ländle nahe beieinander liegen. So sind etwa zuletzt bei den PflichtschülerInnen in etwa DOPPELT so viele in Absonderung wie es positive Tests in 5 Tagen gibt. Das bedeutet, dass österreichweit wohl eher alle 10 Tage in Absonderung sind und nicht nur 5 Tage!

Auch bei den Menschen von 15 bis 34 Jahren kein anderes Bild: Etwa doppelt so viele Menschen sind in Absonderung wie es in 5 Tagen positiv Getestete gibt. Und natürlich sind hier die Prozentwerte höher als bei den Kindern.

Absolut das gleiche Bild bei den 35-54-Jährigen.

Auch bei den 55-74-Jährigen das Gleiche – etwa 10 tage muss der durchschnittliche „Fall“ in Absonderung sein, damit sich aolche Kurven ausgehen!

Wer sich bei den ältesten MitbürgerInnen eine Änderung erwartet hat, wird enttäuscht – auch hier sind fast exakt doppelt so viele Menschen in Absonderung, wie es positiv Getestete gab in den 5 Tagen davor.

Zwischenfazit zwei

Warum ist da so ein großer Unterschied zwischen uns im Westen und den Bundeszahlen? Und welches Bundesland hat den Hauptanteil daran, dass die Menschen (zumindest offiziell) so lange in Absonderung sind, dass es hier zu einer Verdoppelung der vom Bundesmisterium empfohlenen Zeit kommt?
Natürlich hatte ich nach zweieinhalb Jahren Zahlenanalyse gleich einen Verdacht:

Wien

Schon bei den jüngsten Altersgruppen wird sofort klar: Der Verdacht erhärtet sich! Fast DREI MAL so viele Kleinkinder unter 5 Jahren sind in Wien in Absonderung wie es positive Tests in 5 Tagen gab! Was wir auch sehen werden durch die Bank bei ALLEN Altersgruppen ist der seltsame Anstieg der Zahlen kurz vor Ferienbeginn, der für so viele Schlagzeilen verwendet wurde… Diesen gab es übrigens NUR in Wien in der Form!
Ebenfalls auffällig: Die Pflichtschul-Altersgruppe hat nach Schulschluss einen extremen Einbruch bei den Zahlen – da fielen nämlich plötzlich die weiterhin PCR-getesteten SchülerInnen weg und die Zahlen sanken dramatisch. Allerdings nicht wegen dem „Ferieneffekt“, sondern weil sie nicht mehr zum Testen „gebeten“ wurden…

Auch bei den Personen im Alter von 15 bis 34 (SekundarschülerInnen und StudentInnen?) gibt es ein deutliches Absinken der Kurve. Und auch hier sind es DEUTLICH mehr als doppelt so viele, wie es der Empfehlung des BM für Gesundheit nach sein sollten, die in Absonderung sind.

Während in Vorarlberg derzeit etwa 0,7% der 35-44-Jährigen in den letzten 5 Tagen positiv getestet wurden und auch etwa gleich viele in Absonderung sind, sieht das in Wien etwas anders aus: etwa 1% (also ein gutes Viertel mehr) sind positiv getestet worden, obwohl die Sommerferien dort schon länger andauern und ungefähr 2,5% sind offiziell in Absonderung! Das sind dann fast 4 Mal so viele Abgesonderte wie in Vorarlberg!

Keine Änderung bei den Grafiken der Menschen von 55 bis 74 Jahren. Das einzige was nicht mehr so klar erkennbar ist, ist der Anstieg vor etwa 10-14 Tagen ab dem Alter von 65 Jahren.

Und während in Vorarlberg bei den Menschen über 75 einige schon VOR dem Ablauf von 5 Tagen wieder aus der Absonderung entlassen werden müssen laut den Daten, ist das in Wien umgekehrt. Hier war es am 21. April sogar noch so, dass etwa 5 Mal so viele Männer ab 85 in Absonderung waren wie es positive Tests innerhalb von 5 Tagen gab in dieser Altersgruppe! Das bedeutet, damals waren die ältesten der Wiener im Schnitt mindestens 25 Tage in Absonderung! Bei den Frauen ab 85 sind es derzeit etwa 15 Tage, die positiv Getestete den Zahlen nach in Absonderung verbringen müssen.

Schluss-Fazit

Während ganz Österreich darüber diskutiert, die Quarantäne – wie es viele andere Länder in Europa seit Monaten schon machen – aufzuheben, wehren sich vor allem die Wiener dagegen. Dass gerade in diesem Budnesland den offiziellen Zahlen nach Menschen nach einem positiven Ttest im Schnitt zwischen 15 und 25 Tage in Absonderung verbringen müssen, bedeutet entweder, dass viele das als gegeben hinnehmen und sich daran halten, oder dass die Wiener wie bei anderen Zahlen in der Pandemie keine korrekten Daten liefern an die AGES und das BM für Gesundheit.

Wien ist eben anders…