Jetzt mal ganz LANGSAM

Heute erkläre ich einmal in ganz einfachen Schritten, was ich gerade anhand der mir vorliegenden Daten angesehen habe:

Begonnen hat alles mit einem Post über den Anstieg der Temperaturen zur Zeit. Es geht in dem Fall um die Tage mit mehr als 30 Grad. Alle meine Daten stammen wieder von der ZAMG und wieder einmal von meiner „Lieblingsstation“, der Hohen Warte in Wien. Nicht, weil ich so ein Wien-Fan bin, sondern weil es die einzige Station in Österreich ist, die Daten zurück bis 1775 hat.

Bild 1 – leer

Also, ganz einfach: Quelle der Daten ist die ZAMG, Die Grafik mit den Daten von dort stammt von mir. Die Jahre, die angeführt sind, stehen unten – in dem Fall hier starten wir beim Jahr 1775 und es gaht bis zum laufenden Jahr 2023 (das ist unten aus Platzmangel nicht einzeln angeführt). Auf der senkrechten Achse (Y-Achse) sind Werte von 0 bis 40 angeführt. Und eine rote Linie zeigt uns die Linie bei der Zahl 20. Was es mit beidem auf sich hat, erklärt sich unten von selbst.

Bild 2

Worum es geht, steht oben im Titel: Um die Tage pro Jahr, in denen es mehr als 30 Grad warm war. Damit erkläst sich jetzt auch die Y-Achse, es sind die Anzahl der Tage. Und die rote Linie zeigt uns für jedes jahr auf einen Blick, ob es mehr oder weniger als 20 waren.
Ganz rechts oben steht noch etwas Wichtiges: Es handelt sich hier um die jeweils um 14 Uhr gemessenen Werte. Die verwenden wir, weil sie seit 1775 so erfasst werden.
WICHTIG. Hier sind nur die Jahre ab 1980 dargestellt! Es gibt auch Daten für die Jahre davor, die lasse ich bewusst (noch) weg!

Bild 3

Neu eingebaut ist der Schnitt über jeweils 5 Jahre (rote Linie) – der startet fälschlicherweise bei Null, weil wir die Daten davor als „Null“ einegtragen haben, da wir mit 1980 starten.
Wir erkennen auf dieser ersten Grafik: Die Zahl der Tage über 30 Grad lag 1985 etwa bei 5 Tagen im 5-Jahres-Schnitt und 2019 knapp über 20. Seither sinkt der 5-Jahres-Schnitt wieder ab.
WICHTIG: 2023 ist noch nicht zu Ende. Ich habe, um das Jahr ebenfalls darstellen zu können, den Schnitt der letzten 5 Jahre verwendet und so viele Tage über 30 Grad ab dem 18. August dazu gezählt, wie es im Schnitt der letzten Jahre auf der Hohen Warte gab, das sind knapp mehr als 3 pro Jahr gewesen.

Bild 4

Wir erweitern jetzt den Zeitraum auf genau 101 Jahre – also von 1923 bis 2023. Sonst verändern wir noch nichts. Gut zu sehen: Bis auf eine ganz kurze Phase Ende der 60er-Jahre gab es im 5-Jahres-Schnitt nie mehr als 5 Tage im Jahr, an denen es auf der Hohen Warte über 30 Grad hatte. Zufälligerweise war bis auf die Kriegsjahre des zweiten Weltkriegs und die 20-er Jahre des letzten Jahrhunderts genau die Zeit um 1980 die mit den wenigsten Tagen mit mehr als 30 Grad in Wien.

Bild 5 – doppelt

Diese zwei Bilder stellen das Gleiche dar, nur einmal (oben) wie vorher mit Säulen pro Jahr und unten mit einer Linie. Die brauchen wir so, weil wir einen zweiten Wert dazu bekommen weiter unten. Der 5-Jahres-Schnitt ist jetzt dunkelblau dargestellt.

Wenn wir jetzt den Zeitraum auf 1855 erweitern (also auf 169 Jahre!), sieht es plötzlich anders aus: Denn VOR 1875 gab es IMMER mehr als 5 Tage mit über 30 Grad um 14 Uhr auf der Hohen Warte. Im Jahr 1863 waren es sogar 15 Tage im Schnitt der 5 Jahre davor! So viele gab es bis 2015 nie mehr!

Bild 6 – neue Werte

Warum ich gerade 1855 ausgewählt habe oben ist hier erklärt: Seit 1855 gibt es auf der Hohen Warte neben den Temperaturen von 7, 14 und 19 Uhr auch die Tagesmaximaltemperatur und Tagesminimaltemperatur. Und der Schnitt dieser beiden ergibt dann das Tagesmittel. Dieser Wert ist jetzt mit eingezeichnet (orange) samt dem dazugehörigen 5-Jahres-Mittel (rot).

Wir sehen sofort: die orange Linie liegt so gut wie immer höher als die blaue. Das liegt daran, dass es jedes Jahr Tage gibt, an denen es zwar um 14 Uhr keine Temperaturen über 30°C hat, allerdings davor oder danach schon. Im Schnitt dieser fast 170 Jahre gab es fast 1,6 Mal so viele „heiße Tage“ mit der Maximaltemperatur als um 14 Uhr. Damit liegt der höchste 5-Jahres-Schnitt im jahr 2019 jetzt bei 34 Tagen und der von 1863 bei 24 Tagen über 30 Grad.
Der Kurvenverlauf ist derselbe geblieben, allerdings steigen die Werte immer dann, wenn es viele warme Tage gibt, stärker an als bei den 14-Uhr-Temperaturen.

Bild 7 – der volle Zeitraum

Jetzt sehen wir die GESAMTEN verfügbaren Daten der Hohen Warte seit 1775 – leider gibt es vor 1855 kein Tagesmaximum mehr. Was wir jedoch sofort sehen: auch vor 1855 gab es sehr warme Perioden. Vor allem die Jahre vor und nach dem Zeitraum von 1812 bis 1820 waren außergewöhnlich warm, wenn es um Tage mit mehr als 30 Grad geht.

Bild 8 – ALLE Daten incl. einer Berechnung

Ich habe mir erlaubt, für die Jahre vor 1855 eine Zahl an Tagesmaxima zu errechnen, die auf dem Schnitt der 169 Jahre danach beruht – ich bin also hergegangen und habe die Tage über 30 Grad von 14 Uhr mit 1,59 multipliziert und diese Linie (dünne oange Linie) mit dargestellt. Wir sehen, dass es nach 1835 mehr als 20 Tage pro Jahr im 5-Jahres-Schnitt gab und ungefähr um 1810 das Mittel (braune Punkte) ebenfalls einmal bei 20 Tagen pro Jahr lag. Unter 5 lag des Mittel über 5 Jahre nur einmal, als es um den Ausbruch des Tambora-Vulkans in Indonesien einmal einige sehr kühle und verregnete Sommer gab (ich weiß, dass der Zusammenhang mit den Niedrigen Temperaturen un dem Vulkanausbruch durchaus umstritten ist, er passt jedoch gut als „Erklärung“ für die wenigen Jahre, in denen es kälter war.
Und ob der Extremwert von 36 tagen mit mehr als 30 Grad um 14 Uhr auf der Hohen Warte in Wien aus dem Jahr 1834 stimmt, vermag ich nicht zu beurteilen. Die Daten sind jedenfalls so archiviert und es gab auch einige Jahre davor einige Jahre mit rund 20 solcher Tage.

FAZIT

Wenn ich nur die letzte Grafik gepostet hätte, dann wären wohl viele nicht klar gekommen mit der Fülle an Daten darauf. Daher habe ich mich entschieden, das Ganze etwas „aufzudröseln“ und besser zu erklären. Fakt ist: Wenn es um Tage mit mehr als 30 Grad in Wien geht, dann sehen wir eindeutig, dass es von ca. 1880 bis 1980 deutlich weniger waren als davor und danach.
DASS es in den letzten 40 bis50 Jahren immer mehr wurden, steht außer Zweifel. Interessanter ist wohl das WARUM dazu – ich kann es nicht erklären und überlasse das gerne Fachleuten.
Was mich interssiert: Was war der Grund dafür vor 200 Jahren? Derselbe wie heutzutage kann es nicht sein, genauso wie dann die lange Phase mit deutlich kühleren Temperaturen dazwischen schwer zu erklären ist.